Wiener Festwochen standen im Zeichen der Immersion

Die Wiener Festwochen enden mit kommendem Sonntag.
Die Wiener Festwochen enden mit kommendem Sonntag. ©APA/HANS PUNZ
Die Wiener Festwochen gehen am Sonntag zu Ende und standen ganz im Zeichen der Immersion und sorgte gleichzeitig für Emotionen und Frustrationen.
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Den Spagat, es allen Recht zu machen, haben die Festwochen noch nie geschafft. Beim angestrebten Austausch von der Leistungsschau der Theaterwelt zum diskurslastigen Kunstlabor, das sich nicht mehr vorwiegend an Connaisseure, sondern an neugierige Zeitgenossen richtet, waren die Konflikte jedoch vorprogrammiert. Deshalb unternahmen die Festwochen diesmal bei der Aufbereitung und Vermittlung ihres Programms deutlich mehr Anstrengungen. Auf das Schwurbeln folgte jedoch das vorausschauende Bejubeln. Die geschürten Erwartungshaltungen wurden nur selten eingelöst. Und die versprochenen immersiven Kunstereignisse ließen die Zuschauer nicht selten außen vor, anstatt sie in andere Welten hineinzuziehen.

Deutlich besser als im vergangenen Jahr funktionierten die Gösserhallen beim Hauptbahnhof (vormals: Performeum) als Festivalzentrum, wo in entspannter Atmosphäre Grillen und Chillen, Exzess und Exegese miteinander verbunden werden konnte, was nicht nur an den “Deep Fridays” zu später Stunde junge Leute in Scharen anlockte. Hier ist es Zierhofer-Kin und seiner Kuratorin Angela Mattox eindeutig gelungen, die Festwochen für neue Publikumsschichten attraktiv zu machen.

Emotionen und Frustrationen auf den Wiener Festwochen

Deutliche Abstriche gegenüber früher gab es dagegen dort, wo früher die Festwochen selbst als Initiatoren und Produzenten punkteten. Außer ein paar Koproduktionen (allen voran Markus Öhrns “Häusliche Gewalt Wien”) wurden vor allem eingekaufte Produktionen gezeigt, die zudem teilweise bereits ordentlich Jahre auf dem Buckel hatten – von “Kamp” bis zu Hentschlägers “Feed-X”. Ästhetische Experimentierfreude gab es in Maßen, immerhin wurde mit Arbeiten von Giselle Vienne über Ersan Mondtag bis zu Susanne Kennedy deutlich, auf welch vielfältige Weise heute versucht wird, die Grenzen des Theaters zu sprengen und neu zu definieren. Das Publikum zeigte sich nur in Maßen angetan: Den größten Zuspruch erhielt ausgerechnet Altmeister Christoph Marthaler mit einer gelungenen, doch allzu glatt konsumierbaren Variation seiner seit vielen Jahren bewährten szenischen Rätselabende.

In den kommenden Jahren möchte der Intendant verstärkt auf bildende Kunst setzen, 2020 ist ein Musiktheater-Schwerpunkt geplant. Einen Vorgeschmack auf 2019 gab es gegen Ende dieser Festivalausgabe weitgehend abseits der Öffentlichkeit im Gartenbaukino: Ein eineinhalbstündiger Einblick in Paul McCarthys Mammutwerk “CSSC/DADDA” zeigte eine wilde Mischung aus Sex, Ekel und Politik, die jegliche Grenze des guten Geschmacks bewusst ignorierte.

McCarthy soll ein zentraler Künstler der nächsten Wiener Festwochen werden. Möglicherweise war es Zierhofer-Kins Glück, dass nicht nur die meisten Kritiker die Vorstellung mieden, sondern auch die neue Kulturstadträtin an diesem Abend stattdessen die Saisonpremiere der Tschauner Stegreifbühne besuchte. Sonst wäre vielleicht nicht nur auf der Leinwand die Kacke am Dampfen.

APA/red

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