Vorreihungen bei Corona-Impfungen: Pro und Contra

Coronaimpfungen: Von manchen geliebt, von anderen gehasst.
Coronaimpfungen: Von manchen geliebt, von anderen gehasst. ©APA/ANGELIKA GRABHER-HOLLENSTEIN
Sogenannte "Impfdrängler" sorgten in den letzten Tagen für viel Aufruhr in Österreich. Doch ist die Kritik gerechtfertigt? Hier gibt's ein Pro und Contra.
Heimleiterin soll Sohn geimpft haben

PRO

Zehn Monate dauert die Pandemie in Österreich nun schon an. Wen kann man es da verdenken, dass man das Ende herbeisehnt? Und dann geschieht es: In einem Altersheim bleiben - aus welchen Gründen auch immer - einige Impfdosen übrig.

Es stellt sich die Frage: Wohin damit? Maximal sechs Stunden hält der Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer im Kühlschrank, wenn er verdünnt worden ist. Zwei Stunden hat man Zeit, ihn zu verimpfen, wenn er erst einmal auf Raumtemperatur gebracht wurde. Zu wertvoll ist der Impfstoff, ihn einfach zu verschwenden. Man telefoniert, denkt zunächst an die engsten Verwanden und Freunde. Habt ihr Zeit für einen schnellen Piks? Ja? Perfekt!

Vielleicht hätte es der Mann draußen auf der Straße dringender gebraucht, aber das tut nichts zur Sache. In der jetzigen Zeit sollte es oberste Priorität sein, alle verfügbaren Impfungen so schnell wie möglich an den Mann und die Frau zu bringen.

Moralisch ist es natürlich bedenklich, jemanden zu impfen - sagen wir etwa einen Bürgermeister oder einen wohlhabenden Unternehmer - obwohl eine bedürftigere Person direkt danebensteht. Etwas Gutes haben aber auch diese Impfdrängler: Sie erweckt den Neid der Menschen. Vielleicht auch jener, die sich zunächst gar nicht impfen lassen wollten. Und das bringt uns dem Ende der Pandemie immerhin ein Stückchen näher.

(obl)

CONTRA

Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Das scheint aktuell ein beliebtes Motto in Österreich zu sein, wenn es ums Impfen geht. Denn während Risikopatienten, Personen in kritischer Infrastruktur oder die Otto-Normalsterblichen geduldig auf ihre Impfung warten, gibt es nun eine neue Gruppe: die „Impfdrängler“. Zwar würden sie sich selbst vermutlich eher als „Impfrestlverwerter“ bezeichnen, in diesem Text bleiben sie jedoch die Drängler.

In den letzten Wochen wurde oft die Impf-Reihenfolge nicht eingehalten, übrig gebliebene Impfstoffe wurden etwa in die Arme von Politiker, Gemeindemitarbeiter und Angehörige gejagt. Es ist nicht (nur) der Impfneid, den ich hier empfinde, sondern auch Ungerechtigkeit. Während viele ältere Menschen sehnsüchtig auf eine Impfung warten, in dieser Zeit kaum Kontakte haben und die Familie über (erlernte) Videocalls sehen, werden im selben Ort Bürgermeister und Gemeindebedienste geimpft.

Begründet wird dieses Vorgehen mit der „Systemrelevanz“. Es soll niemanden die Systemrelevanz abgesprochen werden und dennoch schwingt ein Hauch von „mein Leben ist wichtiger als deins“ mit. Gerade, wenn es um nicht nachvollziehbare Impf-Entscheidungen geht. Mag jene ältere Person vielleicht nicht mehr dafür zuständig sein, den Meldezettel eines neuen Dorfbewohners auszufüllen, systemrelevant für die eigene Familie ist er oder sie doch allemal.

Jede verimpfte Dosis ist natürlich ein Gewinn, sie hilft der Gesundheit aller und sollte keinesfalls verloren gehen. Aber dennoch: Mit der Impfung sollte nicht mehr Unzufriedenheit und Streit geschaffen werden. Ein ordentlicher Impfplan, an den sich die Menschen halten, der Eventualitäten vorbereitet, ist gefordert und lässt keine Reste und Ungerechtigkeiten zu.

(lyd)

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