Umweltlärm wegen Corona so leise wie vor 20 Jahren

Während der Coronapandemie war es auch leiser.
Während der Coronapandemie war es auch leiser. ©pixabay.com
So leise wie vor 20 bis 30 Jahren war es im ersten Lockdown in Österreich. Der Lärm, der hauptsächlich vom Verkehr stammt, wurde an mehreren öffentlichen Orten des Landes gemessen.
So schädlich ist andauernder Lärm

Der erste Lockdown im Zuge der Coronapandemie in Österreich hat zu einer starken Reduktion des Verkehrsaufkommens geführt und in Folge die gemessenen Lärmpegel um drei bis vier Dezibel reduziert. Das entspricht in etwa einem kurzzeitigen Zurückfahren unserer immer lauter werdenden Umwelt auf das Niveau der 1980er und 1990er Jahre. Das berichten Forscher des Instituts für Schallforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) anlässlich des "Tages gegen Lärm" am morgigen 28. April.

Im Rahmen ihres Forschungsprojektes mit dem Namen "Pandenoise" verglichen die Wissenschafter Lautstärke-Messwerte aus der Zeit der Coronakrise mit historischen Aufzeichnungen des Phonogrammarchivs von öffentlichen Orten. Dies sind etwa stark frequentierte Orte in der Wiener Innenstadt oder in Graz sowie Messstellen in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten, wie der Projektleiter und Direktor des Instituts für Schallforschung, Peter Balazs, der APA am Dienstag erklärte.

Erster Lockdown: Umwelt um bis zu 50 Prozent leiser

Der erste Lockdown vor rund einem Jahr brachte bekanntlich eine starke Verkehrsreduktion um bis zu rund 50 Prozent mit sich, wie es in einer Aussendung der ÖAW heißt. Im Schnitt betrug die Lautstärkereduktion damals drei bis vier Dezibel. Allerdings gab es an vereinzelten Messstationen auch stärkere Rückgänge um nahezu zehn Dezibel zu verzeichnen, so Balazs, der einräumte im ersten Lockdown insgesamt durchaus auch einen deutlichen Rückgang erwartet zu haben. Immerhin sank an manchen Orten das Schallniveau aber sogar ein Stück weit unter jenes der 1980er Jahre.

"Beim Flugverkehr waren die Abnahmen wesentlich deutlicher, da gab es einen durchschnittlichen Rückgang von bis zu zehn Dezibel", so der Schallforscher Holger Waubke. Trotz weiter etwas weniger Fluglärms ging die Lärmreduktion knapp nach den einschneidenden Maßnahmen auch rasch wieder verloren.

Zweiter Lockdown zeigte sich nicht so stark

Die einschlägigen Effekte der weiteren coronabedingten Lockdowns haben die Wissenschafter noch nicht fertig analysiert, sagte Balazs: "Ich würde aber vermuten, dass hier weniger Reduktion sichtbar ist." Die Verkehrsdaten zeigen in diesen weiteren Phasen des Herunterfahrens des Landes insgesamt auch nicht annähernd jenen Knick wie im ersten Lockdown. Nicht zuletzt ist der zunehmende Verkehr auch der größte Treiber des Lärmpegels im öffentlichen Raum.

Lärm ist ungewollter Schall

Anlässlich des bevorstehenden "Tages gegen Lärm" hält Balazs fest: "Lärm ist ungewollter und unangenehmer Schall. Ist der Schalldruckpegel zu hoch, kann das nachweislich gesundheitsschädigend sein." Seit einiger Zeit würden vielfach auch Initiativen gesetzt, um dem entgegenzuwirken, indem etwa LKW auf lärmarmen Reifen rollen oder Bremssysteme in Zügen verbessert werden. "Wer anhaltend Lärm ausgesetzt ist, insbesondere in der Nacht, hat ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen", so Psychoakustiker Bernhard Laback. Pegel von um die 60 Dezibel können schon mit erhöhter Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, erhöhter Herzfrequenz und einer Blutdruckzunahme einher gehen. Ab 80 Dezibel kann der Schall das Gehör schädigen. Nicht zuletzt wirken sich erhöhte Lärmpegel auch negativ auf viele Tiere aus, so Laback.

Üblicherweise wird der "Tag gegen Lärm" mit einem Tag der offenen Tür am Wiener Institut für Schallforschung begangen. Wie schon im vergangenen Jahr weicht man auch heuer mit einem am Mittwoch online veröffentlichten "unterhaltsamen Video" ins Internet aus, wie Balazs erklärte.

(APA/red)

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