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Telekom-Prozess: 600.000 Euro Bargeld im Sackerl

Telekom-Prozess rund um die Aktienkurs-Affäre
Telekom-Prozess rund um die Aktienkurs-Affäre ©APA
Der mitangeklagte Broker Wanovits erhielt von der Telekom für seine Dienste, im letzten Moment den Telekom-Kurs über die entscheidende Schwelle von 11,70 Euro zu heben, 600.000 Euro in bar.
Trimmel belastet Ex-Telekom-Vorstände
Teilgeständnisse im Telekom-Prozess

Bei drei Bargeldübergaben habe er das Geld von dem nun als Kronzeugen auftretenden Ex-Telekom-Mitarbeiter Gernot Schieszler übernommen. “Eine völlig übliche Überweisung der Telekom an die Euro Invest wäre mir schon lieber gewesen”, meinte er heute bei der Befragung im Telekom-Prozess. Staatsanwalt Hannes Wandl und Sachverständiger Matthias Kopetzky hakten nach: Was hätte Wanovits denn auf die Rechnung draufgeschrieben? “Kauf von Aktien”, meinte Wanovits zunächst, ruderte aber dann zurück. Eine Rechnungslegung sei eigentlich nie geplant gewesen.

Geld für Schieszler und Trimmel

Dass er Schieszler und Josef Trimmel aufgefordert habe, sich selber auch etwas zu nehmen, schloss Wanovits heute dezidiert aus. Trimmel hatte gestern ausgesagt, Wanovits habe ihm und Schieszler etwas Geld angeboten: “Nehmt’s euch ein Packerl”, soll Wanovits gesagt haben. “Wenn das so wäre, tät ich’s sagen, Herr Rat”, widersprach der Broker heute dem mitangeklagten Trimmel.

Kursmanipulation

Die Kursmanipulation im Auftrag der Telekom passierte im Februar 2004, einige Monate später begann das Geld für Wanovits zu fließen. Die erste Bargeldübergabe am 8. Juli 2004 führten Schieszler und Trimmel durch. Dass diese die 500-Euro-Scheine in Packerln zuvor vom Lobbyisten Peter Hochegger abholten, der selber das Geld von der Telekom erhalten und über einen Scheinauftrag “gewaschen” hatte, habe er nicht gewusst – “das ist ja abenteuerlich”, meinte Wanovits. Schieszler habe ihm das Geld in einem Papiersackerl im Auto überreicht.

Drei Bargeldübergaben

Er habe die Scheine dann zu Hause gezählt und in den Tresor gelegt. Drei Bargeldübergaben mit 270.000 Euro, 130.000 Euro und 200.000 Euro habe es bis 2005 gegeben – in Summe also 600.000 Euro. Das Geld habe er “ohne Quittung” übernommen. Verwendet habe er es für Aufwendungen seiner Euro Invest Bank, Rechnungen darüber gebe es nicht. “Die Bargeldsituation hat mir nur Kopfweh bereitet”, so Wanovits. Später habe er dann den mitangeklagten Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer angerufen und gesagt, es sei noch Geld ausständig. Fischer habe erklärt, er wisse das. Im Jahr 2008 habe ihm Schieszler angeboten, Kontakt zu Hochegger herzustellen. Hochegger zahlte ihm schließlich “netto 165.000 Euro” für “Studien” über erneuerbare Energien und anderes.

“Leichter Verlust” durch Aktienkauf

Mit dem eigentlichen Aktiengeschäft, dem Kauf von 1,2 Millionen Telekom-Aktien, hat Wanovits nach eigenen Angaben einen “leichten Verlust” erzielt. Richter Michael Tolstiuk hielt ihm entgegen, dass laut Aussage seiner Mitarbeiter die Euro Invest durch den Deal 200.000 bis 300.000 Euro Gewinn erzielt habe. “Das stimmt nicht”, konterte Wanovits.

FMA kannte Auftraggeber nicht

Sein eigenes Handeln verteidigte Wanovits heute: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe die Sache untersucht, aber ihn nicht bestraft. Wanovits hatte der FMA allerdings seinen Auftraggeber, die Telekom, verheimlicht. Auch von Geldübergaben wusste die FMA nichts. Widersprüchlich waren seine Aussagen, woher er die Infos über das Telekom-Optionenprogramm hatte. Der FMA gegenüber nannte er die intensive Medienberichterstattung. Heute erklärte Wanovits auf Nachfrage, dass er sich beim Aktienhandel “ausschließlich auf sein Gefühl” verlasse. Er konzentriere sich dabei ganz auf das Auf und Ab des Kurses. Infos etwa von Bloomberg und Reuters über deren Infoschirme nutze er nicht. Ab und zu lese er das “WirtschaftsBlatt” und am Wochenende den “Kurier”. Und das Magazin “Gewinn”. (APA)

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