"Teach for Austria": Jeder dritte Quereinsteiger bleibt an der Schule

Jeder dritte "Teach for Austria"-Quereinsteiger bleibt an der Schule
Jeder dritte "Teach for Austria"-Quereinsteiger bleibt an der Schule ©Pexels/Christina Morillo (Sujet)
2011 hat "Teach for Austria" in Österreich erstmals herausragende Uni-Absolventen an Schulen mit schwierigen Voraussetzungen entsendet, um dort vor allem unterprivilegierte Schüler speziell zu fördern.
Coronakrise: Brennpunktschüler nicht greifbar

2019 wurde das Angebot auf Kindergärten ausgewertet, mittlerweile haben bereits 240 sogenannte "Fellows" das auf zwei Jahre angelegte Programm durchlaufen. Ein Drittel bleibt dem Lehrberuf längerfristig erhalten, erzählte Geschäftsführer Gebhard Ottacher der APA.

Teach for Austria: So werden die Quereinsteiger ausgebildet

Die Quereinsteiger werden in einem elfwöchigen Intensivkurs in Methodik, Didaktik und Pädagogik auf ihre Arbeit an den Schulen vorbereitet, während der zwei Projektjahre gibt es begleitende Workshops und Coachings. Mehr als die Hälfte der "Fellows" bleibt über die Projektdauer hinaus an den Schulen. Für jene, die sich gleich ganz für den Lehrberuf entscheiden, wurde ein Hochschul-Lehrgang an der Pädagogischen Hochschule (PH) Niederösterreich im Umfang von 60 ECTS (entspricht der Studienleistung von einem Jahr Vollzeitstudium) eingerichtet, dessen Abschluss einem Lehramtsstudium gleichgestellt ist. Immerhin 30 Prozent der Fellows haben sich dafür angemeldet.

Programm für Vorzeige-Akademiker an Brennpunktschulen will in die Steiermark expandieren

Derzeit ist "Teach for Austria" an Mittelschulen und Polytechnischen Schulen in acht Städten in Wien, Nieder- und Oberösterreich vertreten, in Wien zusätzlich auch noch in Kindergärten. Auch Pläne für eine Ausweitung auf Graz und den steirischen Zentralraum werden geschmiedet. Genug potenzielle Standorte, "Fellows" und Sponsoren gäbe es Ottacher zufolge jedenfalls, die Gespräche mit der Landespolitik laufen. Und auch die Skepsis, mit der die "Fellows" zu Beginn an den Schulen empfangen wurde, habe sich gelegt. "Die Schulen haben gesehen, dass die 'Fellows' bereit sind anzupacken."

Von dem Programm, das Teil des globalen Netzwerks "Teach For All" ist, profitieren nach Ottachers Überzeugung beide Seiten: Die "Fellows", indem sie soziale Verantwortung übernehmen können, und die Schulen, indem Menschen mit einem anderen Hintergrund neue Perspektiven und auch Netzwerke (für berufspraktische Tage, Lehrausgänge, Schulprojekte etc.) einbringen.

Engagierte Studenten mit "Demut" gesucht

"Dabei achten wir vor allem auf eine gewisse Demut", betont Ottacher. Bewerber, die glauben, sie wüssten schon alles, kämen nicht durch die Auswahl. Über Studentenorganisationen werden gezielt Leute gesucht, die sich auch über das Studium hinaus engagieren. Von den rund 1.000 Bewerbern werden rund zehn Prozent genommen, vom Montanisten aus Leoben bis zur Afrikanistin von der Uni Wien. Dabei wird stark auf Diversität geachtet, 20 Prozent der Fellows haben Migrationshintergrund.

Coronakrise zeigt, wie wichtig Lehrer-Engagement ist

Wie viel vom Engagement des einzelnen Lehrers abhängt, zeigt sich für Ottacher in der Coronakrise noch mehr als sonst. Immerhin steige im Fernunterricht die Gefahr, dass Kinder, deren Familien sie beim Lernen nicht so gut unterstützen können, abgehängt werden. "Wenn sich Pädagogen jetzt ins Zeug legen, macht das einen Riesenunterschied auf Jahre hinaus."

Insgesamt hätten sowohl die einzelnen Lehrer als auch die Schulen im Vergleich zum Frühjahr viel dazugelernt, wie sie trotz Fernunterricht mit ihren Schülern im Kontakt bleiben können. Damals war an den Schulen der Fellows jeder fünfte Schüler mangels Ausstattung oder Internetzugang nicht erreichbar gewesen. Trotzdem erwartet Ottacher zusätzlich zum üblichen "Summer Learning Gap", also Bildungslücken wegen mangelnder Förderung in den Sommermonaten, einen "Corona Learning Gap". Er wolle zwar nicht von einer "verlorenen Generation" sprechen. Dennoch müsse nun alles in die Waagschale geworfen werden, um die entstandenen Bildungslücken zu schließen.

"Teach for Austria": Wunsch nach besseren Rahmenbedingungen

Für Bildungsinitiativen wie "Teach for Austria", die sich vorrangig über Großspenden finanzieren, würde Ottacher sich bessere Rahmenbedingungen wünschen. Denn derzeit seien zwar Spenden an ein Bildungsprojekt im globalen Süden steuerlich absetzbar, für eines in Wien-Favoriten aber nicht. "Bei Großspenden ist es sehr wohl relevant, ob nur 80 oder 100 Prozent der Spende ankommen." Ottacher selbst zieht es im zehnten Jahr an neue Ufer: Er startet mit Sommer ein einjähriges Learning Sabbatical, in dem er sich dem digitalen Lernen widmen will. Mit 1. Juni soll die neue Geschäftsführung stehen.

(APA/Red)

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