Studie: Vegane Kost im Kampf gegen die Klimakrise doppelt von Nutzen

Sich vegan zu ernähren hilft laut einer aktuellen Studie im Kampf gegen die Klimakrise doppelt
Sich vegan zu ernähren hilft laut einer aktuellen Studie im Kampf gegen die Klimakrise doppelt ©Pixabay (Sujet)
Es ist kein Geheimnis: Die Aufzucht von Tieren für die Nahrungsmittelproduktion verursacht enorme Mengen an Treibhausgasen. Eine vegane Ernährung hilft im Kampf gegen die Klimakrise - und das laut einer aktuellen Studie doppelt.
Klimaziele durch Fleischverzicht erreichen
#sinnfluencer: Für eine bessere Welt

Gemüsereis statt Schnitzel gegen die Erderhitzung: Schädliche Treibhausgase würden weltweit signifikant sinken, wenn sich die Bevölkerung einkommensstarker Länder pflanzlich ernähren würden. So könnte der Ausstoß von Emissionen durch die Aufzucht von Rindern, Schweinen oder Hühnern eingespart werden. Die dann freien landwirtschaftlichen Flächen würden im Kampf gegen die Klimakrise ebenfalls enorm helfen. Das zeigte eine Studie im Fachmagazin "Nature Food".

Fleischlose Ernährung für ein gesünderes Leben

Zudem würden die Männer, Frauen und Kinder in reichen Staaten - wie Österreich - durch eine fleischlose Ernährung gesünder leben. Krankheiten, die auf übermäßigen Fleischkonsum zurückgehen, würden deutlich abnehmen. Das zeigten die internationalen Studienautorinnen und -autoren, unter ihnen auch Martin Bruckner von der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Die Experten wiesen aber darauf hin, dass ein gesamtgesellschaftlicher Wechsel auf vegane Ernährung langwierig und mit vielen Hürden versehen sei. Die Politik müsste dafür mit gezielten Förderungen und Kampagnen tätig werden.

Essensgewohnheiten haben globale Auswirkungen

Die globalen Auswirkungen unserer Essensgewohnheiten dürften nicht unterschätzt werden. Unser Ernährungssystem ist jedes Jahr für 26 Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich. Selbst wenn die ganze Welt ab sofort keine fossilen Brennstoffe mehr nutzen würde, wären allein die Emissionen aus dem Ernährungssystem für die Erderhitzung um 1,5 Grad und bis Ende des Jahrhundert sogar bis zwei Grad verantwortlich. Im Pariser Klimaabkommen einigte sich die Staatengemeinschaft auf das verankerte Ziel, die Erderwärmung zum Schutz des Planeten und seiner Bewohner möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Das Ergebnis der Studie legt laut Expertinnen und Experten nahe, dass alleine die Wiederherstellung der Ökosysteme durch eine Ernährungsumstellung der Bevölkerung reicher Länder das Potenzial habe, den Emissionsausstoß so zu reduzieren, das diese Staaten nur durch diese Maßnahme das 1,5-Grad-Ziel erreichen. Im Jahr 2013 war der Fleischkonsum pro Kopf in einkommensstarken Ländern fast sechs Mal so groß wie in Staaten mit niedrigem Einkommen.

Was die Klimakrise bekämpfen würde

Reiche Länder importieren dazu zum größten Teil Fleisch und tierische Produkte aus dem Ausland. Sollte sich die Bevölkerung in diesen Regionen weitgehend vegan oder vegetarisch ernähren, würden mit sofortiger Wirkungen große Agrarflächen frei werden, auf denen bisher Tiere gezüchtet wurden.

Die natürliche Bepflanzung dieser Felder würde nicht nur der Biodiversität helfen, sondern auch das ursprüngliche Ökosystem wieder in Balance bringen. Für die volle Wirkung müssten aber viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen. Dafür brauche es einen langen Atem und politisches Engagement, so die Forscher. Auf diese Weise könnte die Erde wieder deutlich mehr Kohlenstoff speichern. Laut aktuellen Berechnungen kann die weltweite Vegetation nur 50 Prozent des schädlichen Kohlenstoffs wegen der menschlichen Landnutzung halten. Nicht berücksichtigt sind in diesem Szenario allerdings mögliche Rückschläge durch von der Klimakrise ausgelöste Extremwetter-Ereignisse, wie Fluten oder Brände.

Was passiert, wenn man Fleischkonsum reduziert

Laut Berechnung der Studienautoren könnte Land, das durch die Reduzierung des Konsums von Fleisch- und Milchprodukten sowie Eiern wieder frei wird, die 81-fache Menge der jährlichen Treibhausgas-Emissionen der gesamten Agrarproduktion für reiche Länder speichern. Eine Ernährungsumstellung auf weitgehend pflanzliche Kost in reicheren Ländern auf Basis der Empfehlungen der sogenannten EAT-Lancet-Kommission von 2010 würde die jährlichen Emissionen durch direkte landwirtschaftliche Erzeugnisse um 61,5 Prozent reduzieren.

Die positiven Auswirkungen auf die Klimakrise wären aber noch deutlich höher: Nicht miteinberechnet sind dabei nämlich die zusätzlichen Emissionen, die durch den Wegfall von Transportwegen, Verpackungsherstellung oder etwa dem Verkauf der tierischen Produkte eingespart werden können. Fast die Hälfte der Reduktion könnte allein in den USA (29,9 Prozent), Frankreich (7,1 Prozent), Australien (6,5 Prozent) und Deutschland (4,4 Prozent) erreicht werden.

Vegane Ernährung: Genügend Essen ohne Umwege

Sorgen um ausreichend Nahrung muss man sich bei einem fleischfreien Szenario übrigens nicht machen: Es müsste nur eine geringe Erhöhung des Anbaus von Obst oder etwa pflanzlichem Protein, wie Linsen, Kichererbsen oder Tofu, geben. Pflanzen, die bisher für die Fütterung von Tieren angebaut wurden, könnten ohne Umweg direkt von Menschen gegessen werden.

Ärmere Länder, die vielfach für die aktuelle Produktion des Fleisches zuständig sind, dürften bei der Umstellung aber nicht vergessen werden. Der Wegfall der Einnahmequelle könnte durch Assistenzprogramme und die Umschichtung von Förderungen ausgeglichen werden. Jedes Jahr werden laut Studienangaben rund 700 Milliarden US-Dollar (rund 620 Milliarden Euro) an landwirtschaftlichen Zuschüssen vergeben, die aktuell trotzdem zu keiner klimafreundlichen Produktion führen.

>>Hier geht's zur Studie

(APA/Red)

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