Sport in der Krise: Profis bangen um Großereignisse

Der Breitensport befindet sich momentan noch im Koma.
Der Breitensport befindet sich momentan noch im Koma. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Während der Breitensport bereits seit Monaten im Koma liegt, können zumindest Profis weiterhin ihren Sport ausüben. Die Umstände für die Fußball-EM und Olympia im Sommer sind aber weiter offen. 

Das Coronavirus hat den Sport auch ein Jahr nach seinem Eintreffen in Österreich fest im Griff. Der organisierte Breitensport steht seit Monaten weitgehend still. Einzig dem Profisport scheint es gelungen, mithilfe aufwendiger Hygienekonzepte einigermaßen durch die Krise zu kommen. Sorgen um die Austragung der bevorstehenden Großereignisse im Sommer, der Fußball-EM in zwölf Ländern und der Olympischen Spiele in Tokio, bestehen aber nach wie vor.

Beide Events waren im vergangenen März nach Ausbruch der Pandemie um genau ein Jahr verschoben worden. Präventionsmaßnahmen, die in vielen Profiligen und Einzelsportarten bereits erfolgreich zur Anwendung kommen, und die weltweit angelaufenen Impfungen haben Hoffnung gegeben. Außerhalb Europas sind mittlerweile vielerorts sogar wieder Zuschauer erlaubt. Bei der Super Bowl in Florida etwa waren zuletzt 25.000 Augenzeugen im Stadion.

Fußball-EM ohne Publikum?

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will Anfang April entscheiden, wie sie bei der EM mit der Publikumsfrage umgeht. Im Gespräch ist, in der Gruppenphase nur Fans aus den jeweiligen Veranstalterländern zuzulassen. Am Plan, das Turnier von 11. Juni bis 11. Juli erstmals in zwölf verschiedenen Ländern auszutragen, will der Kontinentalverband trotz der Pandemie festhalten. Die Teams würden ausschließlich in ihren gut getesteten Blasen reisen, lautet die Argumentation.

Finanzielle Interessen haben bereits viele Entscheidungen in der Coronakrise mitgeprägt. Schneller mit Absagen waren schon im Vorjahr Events, die über eine Ausfallversicherung verfügt hatten - etwa das Tennis-Turnier in Wimbledon, das im Gegensatz zu den drei anderen Grand Slams erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg nicht ausgetragen wurde. Viele andere Sportklassiker wurden in einem dicht gedrängten Spätsommer und Herbst nachgeholt. Auch die Alpinski-WM in Cortina wird derzeit ohne Zuschauer durchgezogen.

China zog sich gänzlich aus dem Sport zurück

Mit Zuspitzung der Coronavirus-Situation und der Verbreitung von Mutationen mehrten sich zuletzt aber wieder die Absagen. In China und Norwegen etwa gibt es aufgrund der strengen Auflagen derzeit keine internationale Sportevents. Wegen lokaler Einreisebestimmungen müssen zudem mehrere Clubs im Fußball-Europacup ihre Heimspiele auf neutralem Boden austragen. Betroffen ist auch der Wolfsberger AC, der am (heutigen) Donnerstagabend gegen Tottenham in Budapest antreten muss. Vor der Nordischen Ski-WM, die kommende Woche in Oberstdorf beginnt, müssen aus Tirol stammende Athleten ihre Vorbereitung außerhalb ihres Bundeslandes absolvieren, um sich in Deutschland eine Quarantäne zu ersparen.

Erneut beim Kalender improvisieren muss nach ihrer Notsaison die Formel 1. So findet der Auftakt statt in Australien erst Ende März in Bahrain statt. Im Vorjahr war der verspätete Saisonstart mit einer Doppelveranstaltung Anfang Juli in Spielberg erfolgt - eines der ersten Sport-Großereignisse weltweit im Pandemie-Modus. Die Austragung des China-Grand-Prix in Shanghai ist auch 2021 offen. China war als Ausgangspunkt schon im vergangenen Februar als erstes Land von Absagen großer Sportevents betroffen.

Fragezeichen über Olympische Spiele in Japan

Im Februar 2022 sollen in Peking die Olympischen Winterspiele über die Bühne gehen. Ein größeres Fragezeichen steht aber hinter den Sommerspielen in Tokio. Japan will sich das Prestigeereignis trotz schwieriger Virussituation im Land nicht nehmen lassen. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) pocht auf eine Durchführung.

Eine besonders große Herausforderung für die Olympia-Macher scheint die große Anzahl ausländischer Sportler und Betreuer, die zu den Spielen anreisen. Die Durchimpfung dürfte in den jeweiligen Ländern bis zur geplanten Eröffnung am 23. Juli höchst unterschiedlich sein. Für Sicherheit soll ein 32-seitiges "Playbook" mit Grundregeln sorgen. Kernpunkt ist eine stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit für die Sportler vor Ort. Eine große soziale Komponente der Spiele dürfte damit verloren gehen.

Breitensport in Österreich im Koma

Das trifft auch für den Breitensport in Österreich zu. Die von vielen Vereinen und der Dachorganisation Sport Austria erhoffte schrittweise Öffnung, etwa mithilfe von Selbsttests, ist bisher ausgeblieben. Der Sportsoziologe Otmar Weiß warnte vor den Folgen für die Gesellschaft. Wie schwerwiegend die Schäden seien, hänge laut dem Experten der Universität Wien vor allem von der Schnelligkeit der Rückkehr zu einer gewissen Normalität ab. "Je länger diese Phase dauert, umso problematischer."

Das neuartige Coronavirus war am 25. Februar 2020 erstmals in Österreich nachgewiesen worden. Seither sind Amateure je nach Sportart bereits bis zu ein Jahr in der Ausübung ihres Hobbys eingeschränkt. "Sport könnte eine ganz wichtige Rolle spielen, um die Menschen wieder glücklich zu machen und ihnen Sinn zu geben in ihrem Leben", sagte Weiß. Das gelte sowohl für den aktiven als auch für den passiven Bereich. Fußball-Fans etwa fehle das Stadionerlebnis. "Diese Menschen haben Entzugserscheinungen."

Wann in Österreich wieder Sportveranstaltungen mit Zuschauern möglich sind, ist derzeit aber nicht abzusehen. Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer hält Fußball-Geisterspiele bis Saisonende für ein "realistisches Szenario".

(APA/red)

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