Scharfe Kritik an AKW-Beschuss in der Ukraine: "Bedrohung von Millionen Menschen"

Scharfe Kritik an AKW-Beschuss durch russische Truppen in der Ukraine.
Scharfe Kritik an AKW-Beschuss durch russische Truppen in der Ukraine. ©Zaporizhzhya NPP via YouTube/via REUTERS
Scharfe Kritik gab es am Freitag nach einem Brand und am russischem Beschuss des Atomkraftweerks Saporischschja. Weiter besteht die Sorge, es würde durch die Gefechte in der Ukraine rund um Atomanlagen zu einem Unfall kommen können.
Russen nahmen AKW Saporischschja ein
Brand in ukrainischem AKW: Keine Gefahr

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach am Freitag von "Rücksichtslosigkeit". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, dass nur eine Flugverbotszone Russland davon abhalten werde, Atomanlagen zu bombardieren. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi sagte in Wien, dass er persönlich nach Saporischschja reisen wolle, um das AKW zu inspizieren.

IAEA will nach Brand in ukrainischem AKW handeln

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi sagte in Wien, dass er persönlich für Sicherheitsgespräche in die Ukraine reisen wolle. "Ich bin bereit zu kommen", sagte Grossi bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Grossi schlug Tschernobyl als Ort für russisch-ukrainische Verhandlungen über Sicherheitsgarantien für Atomkraftwerke vor. "Für uns als IAEA ist es Zeit zu handeln, wir müssen etwas tun", sagte der Argentinier.

Die USA haben einer hochrangigen Nuklearexpertin zufolge keine Beweise gesehen, dass Russland die Kernreaktoren in dem AKW angegriffen hat. Außerdem sehe es so aus, als ob Kleinwaffen im Kampf verwendet worden seien, sagt die Leiterin der Nationalen Verwaltung für Nukleare Sicherheit der USA, Jill Hruby, dem Sender MSNBC im Interview. Die Regierung unter Präsident Joe Biden fühle sich gut vorbereitet auf alle möglichen Szenarien, die auch einen Austritt von Strahlung aus dem angegriffenen Mailer in Saporischschja umfassten.

Österreich verurteilte russischen Beschuss auf das schärfste

"Aufs schärfste" verurteilte auch das österreichische Außenministerium den russischen Beschuss. "Dieser Angriff ist eine Bedrohung der Sicherheit von jedem einzelnen Europäer", hieß es am Freitag in einem englischsprachigen Tweet. "Russland muss seine waghalsigen Taten sofort beenden." Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) sagte, die Berichte vom Beschuss des AKW Saporischschja würden "zutiefst schockieren und besorgen". Experten würden keine Gefahr für Österreich sehen, doch müssten diese Einschätzungen auch neu bewertet werden. "Wenn das ein gezielter Anschlag war, ist das ein weiterer Eskalationsgrad, der uns alle gefährdet", betonte Edtstadler.

Atomunfälle als Angst im Zuge des Ukraine-Krieges

Der deutsche Oppositionsführer Friedrich Merz brachte indes einen gezielten NATO-Eingriff in den Ukraine-Krieg ins Spiel, wenn es gezielte russische Angriffe auf Atomkraftwerke geben solle. "Es kann eine Situation geben, in der dann auch die NATO Entscheidungen treffen muss, Putin zu stoppen", sagte der CDU-Chef am Freitag dem Radiosender NDR Info. So weit sei es aber nicht, betonte er. Wenn allerdings Atomkraftwerke angegriffen würden, "wenn möglicherweise sogar die Reaktorblöcke getroffen werden sollten, dann sind wir unmittelbar bedroht von den Auswirkungen dieses Krieges".

"Sie sind verrückt geworden"

"Schlichtweg entsetzt" zeigte sich auch Tschechien. "Das ist eine höchst unverantwortliche Tat, die bei einem Austritt von Radioaktivität Millionen Menschen bedrohen würde", schrieb das Außenministerium in Prag am Freitag in einer Erklärung. Russland verstoße damit gegen sämtliche Normen internationalen Rechts. Die sonst zurückhaltende Leiterin der tschechischen Strahlenschutzbehörde, die Atomphysikerin Dana Drabova, merkte bei Twitter an: "Sie sind verrückt geworden!"

Bei Gefechten: Feuer im AKW Saporischschja ausgebrochen

Nach dem Vorrücken russischer Truppen zu dem Atomkraftwerk war ein Feuer in einem Gebäude der Anlage ausgebrochen. In der Früh wurde es nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums gelöscht. Gebrannt habe ein Trainingskomplex. Es sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, teilte die ukrainische Aufsichtsbehörde mit. Russische Truppen hätten das Kraftwerk besetzt. Russland äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

(APA/Red)

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