Russland nahm AKW nach Brand und Beschuss ein

Der vierte Reaktorblock in Tschernobyl. Droht eine weitere Krise wie im Jahr 1986?
Der vierte Reaktorblock in Tschernobyl. Droht eine weitere Krise wie im Jahr 1986? ©APA/HELMUT FOHRINGER
Nach dem Beschuss des ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja ist dieses nach Angaben einer regionalen Behörde von russischen Truppen eingenommen worden.
Brand in AKW Saporischschja

Das Betriebspersonal überwache den Zustand der Kraftwerksblöcke, teilt die Behörde in Sozialen Medien mit. Man wolle sicherstellen, dass der Betrieb in Europas größtem AKW weiterhin den Sicherheitsanforderungen entspreche. In der Nacht auf Freitag war es dort durch russischen Beschuss zu einem Brand gekommen.

Russland nahm AKW nach Brand und Beschuss ein

AKW-Leitung und Behörden berichteten von einem Feuer in einem Schulungsgebäude. In den Morgenstunden vermeldeten der ukrainische Katastrophenschutz und das Innenministerium, dass der Brand gelöscht sei. Die Strahlungssicherheit des Kernkraftwerks sei gewährleistet, sagte der Direktor der Anlage laut Medienberichten. Es seien keine Veränderungen registriert worden, teilte die zuständige Aufsichtsbehörde am Freitagmorgen bei Facebook mit. "Für die Sicherheit von Kernkraftwerken wichtige Systeme sind funktionsfähig." In dem AKW sei aktuell nur der vierte Block in Betrieb. In einem Block liefen geplante Reparaturarbeiten, andere seien vom Netz genommen, hieß es.

AKW-Leitung und Behörden berichteten von Feuer

Laut Grossi wurden zwei ukrainische Sicherheitsmitarbeiter verletzt. Wodurch die zwei Personen verletzt wurden, sagte er nicht. Die IAEA stehe in ständigem Kontakt mit dem AKW und mit ukrainischen Behörden. "Es ist mir wichtig zu berichten, dass alle Sicherheitssysteme der sechs Reaktoren in dem Kraftwerk in keiner Weise beeinträchtigt sind. Es wurde kein radioaktives Material freigesetzt", so Grossi. Das ukrainische Innenministerium hatte zuvor via Twitter mitgeteilt, es habe keine Toten oder Verletzten gegeben.

Bürgermeister Orlow bat Menschen darum zu Hause zu bleiben

Der Bürgermeister des in der Nähe liegenden Ortes Enerhodar bezeichnete die Lage allerdings als nach wie vor "extrem angespannt". "Wir empfehlen, zu Hause zu bleiben", schrieb Dmytro Orlow am Freitagmorgen auf der Messenger-App Telegram. "In der Nacht blieb Enerhodar während des Beschusses wegen Schäden an einer Leitung ohne Heizung." Nun werde nach Wegen gesucht, den Schaden zu beheben, schrieb er weiter. In der Früh habe es zunächst keinen Beschuss mehr gegeben.

Atomenergie-Agentur: Keine erhöhte Radioaktivität um AKW

Auch russischen Angaben zufolge wurde keine erhöhte Strahlung gemessen. Das Personal in Europas größtem Atomkraftwerk arbeite normal weiter, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow der Agentur Interfax zufolge. Für den Angriff auf das Atomkraftwerk machte Russland "ukrainische Saboteure" verantwortlich. Dies sei eine monströse Provokation.

Auch die in Wien ansässige Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) erklärte, nach Angaben der ukrainischen Nuklearaufsicht sei in der Umgebung des Kraftwerks keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden; wesentliche Ausrüstungen seien verschont geblieben. Die Behörde forderte ein Ende jeglicher Kampfhandlungen rund um das Atomkraftwerk und warnte vor "ernster Gefahr", sollten Reaktoren getroffen werden. IAEA-Chef Rafael Grossi habe darüber mit dem ukrainischen Premier Denis Schmyhal gesprochen. Grossi habe appelliert, die Kämpfe einzustellen.

(APA/Red)

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