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Prozess nach Mord in Lagerhalle: Ehefrau und Cousin bestreiten alles

Auf der Anklagebank sitzen nach dem Mord in der Lagerhalle die Witwe des Opfers und ihr 37-jähriger Cousin
Auf der Anklagebank sitzen nach dem Mord in der Lagerhalle die Witwe des Opfers und ihr 37-jähriger Cousin ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Eine 42-jährige Frau muss sich vor einem Wiener Schwurgericht verantworten, da sie ihren 37 Jahre alten Cousin beauftragt haben soll, ihren Ehemann zu ermorden. Beide wollen mit der Bluttat in einer Lagerhalle nichts zu tun gehabt haben.
Erste Bilder vom Prozess
Vor dem Mord-Prozess
Ehefrau des Opfers verhaftet
Bluttat in der Lagerhalle

Dass es sich bei dem Vorfall in der Lagerhalle in Wien-Donaustadt um Mord handelte, steht außer Frage. Der Altwarenhändler Sasa S. war am 11. Februar 2011 mit einem aus einer Entfernung von 60 Zentimeter abgegeben Kopfschuss getötet worden. Sowohl die angebliche Anstifterin als auch ihr als unmittelbarer Täter angeklagter Verwandter bekannten sich jedoch “nicht schuldig”.

“Kein Motiv” für den Mord?

“Er kann keiner Fliege was zuleide tun”, sagte Georg Morent, der Verteidiger des angeblichen Schützen. Lukas Kollmann, der Rechtsbeistand der Witwe, führte ins Treffen, seine Mandantin habe kein Motiv gehabt, ihren Ehemann beseitigen zu lassen.

Staatsanwalt Juan Pablo Gomes Reyes sieht das anders. Die Ehe der beiden, die sich im Sommer 2006 kennengelernt und bereits im Oktober desselben Jahres geheiratet hatten, sei schlecht verlaufen. Der 36-jährige Sasa S. habe gegenüber Angehörigen und Bekannten Trennungsabsichten geäußert, weil seine Frau “schwierig” und eifersüchtig sei. Der Mann habe sich eine eigene Wohnung suchen wollen und in diesem Zusammenhang befürchtet, ihm könne etwas “zustoßen”, falls er sich von seiner Frau löse.

Cousin war “Seelentröster”

Diese wiederum klagte ihrem Cousin ihr Leid, der laut ihrem Verteidiger für sie als “Seelentröster” fungierte, mit dem sie täglich telefonierte: Ihr Mann sei Schuld an zwei Fehlgeburten, weil er sie mit einer Freundin betrogen habe. Sie hatte den 36-Jährigen auch wegen Nötigung und Körperverletzung angezeigt, weil es zu Gewalttätigkeiten gekommen sein soll.

Im Dezember 2010 sollen die 42-Jährige und ihr Vertrauter begonnen haben, ein Mordkomplott gegen den Ehemann zu schmieden. Laut Anklage erwarb der Cousin zu diesem Zweck eine Pistole. Er soll von der Ehefrau ein “Kopfgeld” von 40.000 Euro versprochen bekommen und außerdem die Zusicherung erhalten haben, nach geglückter Tat auch die Fahrzeuge des Opfers zu bekommen und verkaufen zu dürfen.

Der Mord in der Lagerhalle

Laut Anklage wurde Sasa S. in der Lagerhalle, in der er alte Elektrogeräte reparierte, um diese in Serbien gewinnbringend zu verkaufen, in einen Hinterhalt gelockt und von dem 37-Jährigen, der ihm regelmäßig beim Arbeiten geholfen hatte, hinterrücks erschossen. Der Cousin gab jetzt vor den Geschworenen zwar zu, an jenem Abend am Tatort gewesen zu sein, dies aber nur deshalb, weil Sasa S. ihn wieder einmal um Unterstützung gebeten habe. Er habe dort auch dessen Ehefrau angetroffen.

Als er ging, hätte Sasa S. noch gelebt. “Ich hab’ von dem Mord erst aus der Zeitung erfahren. Ich hab’ nicht gewusst, was passiert ist”, betonte der 47-Jährige.

Rufdaten belasten Angeklagte schwer

Die Angeklagten werden vor allem von den Ergebnissen einer Rufdatenauswertung belastet. Diese erbrachte den Nachweis, dass sich beide am Abend, als Sasa S. starb, am Tatort befanden und miteinander telefonierten. Beides hatten sie bis dahin entschieden bestritten. Im Besitz des Cousins wurde außerdem ein Geldschein mit den DNA-Spuren der Witwe gefunden, was die Staatsanwaltschaft als Indiz dafür wertet, dass diese tatsächlich “Blutgeld” bezahlt hatte.

Die Frau hatte nach einigen Wochen U-Haft eine Art Geständnis abgelegt und erklärt, ihr Cousin habe vorgeschlagen, den Mann zu beseitigen, nachdem sie ihm berichtet hatte, sie halte ihren Mann nicht mehr aus und wolle sich umbringen. Dieses Geständnis widerrief sie später, indem sie darlegte, sie sei zu jenem Zeitpunkt “im Schock” gewesen. In Wahrheit habe sie ihren Cousin nur gebeten, mit ihrem Mann “strenger” zu sprechen. Geld habe sie ihm dafür nicht in Aussicht gestellt. Der Indizienprozess ist vorerst auf vier Tage anberaumt. Mit den Urteilen im Prozess um den Mord in der Lagerhalle ist frühestens am 29. Februar zu rechnen.

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