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Pizzabäcker erdrosselte seine Mutter in Wien-Donaustadt: Schnelles Urteil

Am Tatort in Wien-Donaustadt
Am Tatort in Wien-Donaustadt ©APA
Rasches Urteil in Mordprozess in Wien Nach erstaunlich kurzer Beratungszeit ist am Montag ein gebürtiger Inder, der am 23. Februar 2017 in Wien-Donaustadt seine 80 Jahre alte Mutter erdrosselt hatte, am Landesgericht für Strafsachen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
Mutter in Donaustadt getötet
Mordverdächtiger ist stabil
"Wollte sie nicht töten"

Die Mordanklage wurde von den Geschworenen einstimmig verworfen. Der 53-Jährige wurde mit 5:3 Stimmen wegen Totschlags verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Verurteilt wegen Totschlags statt Mord

Die Geschworenen gingen davon aus, dass sich der Mann nach einem jahrelangen, hochemotionalen und ambivalenten Verhältnis zu seiner Mutter in einer allgemein begreiflichen Gemütsbewegung zur inkriminierten Tat hinreißen hatte lassen. Sie glaubten der Darstellung des Mannes, derzufolge ihm die 80-Jährige bei einem Disput mit einem Messer in den Oberbauch stach, ehe er sie an ihrem Halstuch packte und erdrosselte.

Anklage verworfen – Geschworene billigten gebürtigem Inder Totschlag zu – Urteil nicht rechtskräftig

Kein Muttermord: Fünf Jahre Haft für Mann, der 80-Jährige erdrosselte

Bei der Strafbemessung wurden dem Mann “der bisherige langjährige ordentliche Lebenswandel” sowie “das reumütige Tatsachengeständnis” mildernd angerechnet, wie der vorsitzende Richter Andreas Böhm darlegte. Erschwerend war kein Umstand. Der 53-Jährige wirkte bei der Urteilsverkündung sichtlich erleichtert und akzeptierte die Entscheidung mit dankbarem Kopfnicken. Staatsanwältin Leila Ivo gab vorerst keine Erklärung ab.

“Ich bin schuldig, dass sie tot ist. Aber ich wollte sie nicht töten”, hatte der Angeklagte dem Schwurgericht versichert. Er war vor über 30 Jahren nach Österreich gekommen und hatte sich hier eine Existenz aufgebaut. Der Mann gründete eine Familie, zeugte zwei Kinder, und im Jahr 2005 holte er seine Mutter nach Wien, die bis dahin in Indien lebte, dort aber keine näheren Angehörigen mehr hatte und vor allem ein Alter erreicht hatte, in dem sie auf Unterstützung angewiesen war.

Nörgeln und Schimpfen der Mutter belastete Familie

Mit dem Einzug der Mutter verschlechterte sich das Familienleben. Ihr Sohn soll von seiner Ehefrau – ebenfalls eine gebürtige Inderin – verlangt haben, diese möge sich der Tradition entsprechend um die Schwiegermutter kümmern, was die berufstätige Frau ablehnte. Die Mutter selbst habe mit dem Sohn oft genörgelt und geschimpft, ihm seine Unzulänglichkeiten und Schwächen vorgehalten, berichtete die Staatsanwältin den Geschworenen. Er wiederum soll der Mutter gegenüber handgreiflich geworden sein und Drohungen ausgestoßen haben. Seine Ehefrau hatte von alldem schließlich genug. Sie reichte die Scheidung ein.

Nach der einvernehmlichen Scheidung im August 2016 weigerte sich der Angeklagte zunächst, die eheliche Wohnung zu verlassen. Schließlich gab er doch klein bei und fand eine neue Bleibe in der Polgarstraße. Er richtete diese neu ein, kaufte eine hochwertige Küche und einen erstklassigen Geschirrspüler. Die Mutter aber, die gemeinsam mit ihm einziehen sollte und die schon das Übersiedeln bekrittelt hatte, beschwerte sich, als ihr der 53-Jährige die Wohnung zeigte. Laut Anklage bemängelte die 80-Jährige vor allem das Fehlen eines Fernsehers.

Mutter erdrosselt und Ex-Frau davon berichtet

“Es kommt dazu, dass er den Kränkungen ein Ende setzen will”, schilderte die Staatsanwältin das weitere Geschehen. Der Angeklagte habe die 80-Jährige zu Boden gestoßen, sich auf sie gekniet und das Halstuch mit beiden Händen minutenlang zugezogen. “Sie hat noch mit dem Kopf gewackelt und mit den Füßen gezappelt”, wusste die Anklägerin. Erst als der Mutter die Zahnprothese aus dem Mund fiel, habe der Mann mit dem Drosseln aufgehört.

Im Anschluss rief der 53-Jährige seine Ex-Frau an und sagte ihr, er habe seine Mutter getötet. Er bot ihr auch an, zum Beweis dafür ein Foto zu schicken. Die Ex-Frau verständigte die Polizei. Als diese am Tatort eintraf, blutete der Sohn im Bauchbereich. Die Beamten glaubten, er hätte sich in selbstmörderischer Absicht ein Messer in den Oberkörper gestoßen. Bevor er abtransportiert wurde, sagte der Mann zu den Beamten: “Was ist mit meiner Mutter? Mir ist die Pflege meiner Mutter zu viel.”

“Mein Ziel war, dass es der Familie gut geht”

Der Angeklagte behauptete allerdings, nicht er, sondern seine Mutter sei es gewesen, die ihn verwundet hätte. Sei Ziel sei es stets gewesen, “dass es der Familie gut geht”. Seine Mutter sei aber “schwierig” gewesen, hätte beispielsweise seine Kinder immer beim Lernen gestört. Die neue Wohnung hätte ihr nicht gepasst. Sie hätte, als er ihr die Räumlichkeiten zeigte, plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und ihm die Klinge mit einer seitlichen Drehbewegung in den Oberbauch gestochen: “Es hat mir die Füße weggezogen. Ich war schockiert.”

Nach dem Stich habe sich die Mutter “nach indischer Art” selbst geschlagen, behauptete der 53-Jährige. Da habe er “meinen Verstand verloren für einen Moment”. Er habe sie am Halstuch erfasst, geschüttelt und gerüttelt. Sie sei hingefallen: “Wahrscheinlich hab’ ich sie fester genommen.” Dass die Mutter starb, habe er nicht gewollt: “Ich wusste nicht, dass so was passieren kann.”

(apa/red)

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