Ostösterreich: Geimpfte Slowaken scheinen in Österreich-Quote nicht auf

Man arbeite daran, die slowakischen Impfdaten auch in Österreich zu berücksichtigen.
Man arbeite daran, die slowakischen Impfdaten auch in Österreich zu berücksichtigen. ©AP
Einige ostösterreichische Gemeinden mit großer slowakischer Bevölkerung haben besonders niedrige Durchimpfungsquoten. Das liegt wohl daran, weil die in der Slowakei geimpfte Bewohner nicht zur Österreich-Quote gezählt werden.

Corona-Impfquoten jenseits der 80 Prozent sind im Burgenland und im östlichen Niederösterreich keine Seltenheit, heruntergebrochen auf die Gemeinden zeigen sich aber einige statistische Ausreißer. So weist das Impfregister für die Kommunen nahe der slowakischen Hauptstadt Bratislava wie Hainburg und Kittsee eine niedrige Durchimpfung aus. Der Grund laut lokalen Verantwortlichen: Die ansässigen Slowaken seien zwar geimpft, scheinen aber nicht in den österreichischen Daten auf.

Parndorf als Ausreißer bei der Impfquote

Die Gemeinde Parndorf im Bezirk Neusiedl am See, überregional bekannt für das große Outlet-Shopping Center, rangiert mit einem Anteil von 68,3 Prozent, die zumindest einmal geimpft sind, unter den Schlusslichtern im Burgenland. Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) ist ein Befürworter der Immunisierung, selbst dreifach geimpft und betrübt: "Von 171 Gemeinden war nur Kittsee noch schlechter. Jetzt sind wir schon ein bisschen besser, über 65 Prozent, aber das ist noch lange nicht die Zahl, die uns glücklich macht."

Kovacs nennt im Gespräch mit der APA zwei Gründe für die niedrige Zahl der Geimpften in seiner Ortschaft. Zum einen sei Parndorf eine sehr junge Gemeinde und die ältere Bevölkerung habe man leichter zum Stich motivieren können. Zum anderen leben in der nordburgenländischen Gemeinde Bürger aus 50 Nationen, es gebe etwa eine große rumänische Gemeinschaft. "So gut sie integriert sind, so gibt es doch eine stärkere Skepsis", stellte der Bürgermeister fest. Er wirbt daher etwa in der Gemeindezeitung für die Impfung oder im persönlichen Gespräch und hofft, noch etliche überzeugen zu können.

Slowaken tauchen in Impfstatistik nicht auf

Ein statistischer Ausreißer im ansonsten stark durchimpften Burgenland ist das bereits erwähnte Kittsee mit einer Impfquote von nur 56 Prozent. Bürgermeister Johannes Hornek (ÖVP) kennt die Problematik: "Die Gemeinde hat schon 50 Prozent Neu-Kittseer aus der Slowakei. Sie sind zu 90 Prozent in der Slowakei geimpft. Wir haben eine super Durchimpfungsrate, aber die Statistik sagt leider etwas anderes." Wünschenswert wäre ein Datenaustausch mit dem Nachbarstaat, dies habe er auch bereits bei Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) angeregt. Bis dahin ist man aber burgenländisches Schlusslicht, denn die Statistik weise nur jene Personen auf, die in Österreich immunisiert wurden.

Auf niederösterreichischer Seite im Bezirk Bruck an der Leitha ist es ähnlich. In Wolfsthal sind 59,6 Prozent der Einwohner laut offiziellen Zahlen zumindest einmal geimpft. Bürgermeister LAbg. Gerhard Schödinger (ÖVP) verwies im Gespräch mit der APA auf ein "statistisches Problem". In seiner Gemeinde liege der Anteil slowakischer Staatsbürger bei über 40 Prozent. Eine Impfung im Nachbarland scheine in der österreichischen Statistik nicht auf, hielt Schödinger auch fest.

Nachtragung in den e-Impfpass kostet 25 Euro

Ebenso kennt man die Problematik in Berg, wo die Quote bei 64,2 Prozent liegt. Die Gemeinde hat bereits mehr als 300 slowakische Einwohner angeschrieben, ob sie Injektionen zum Schutz vor Corona erhalten haben. "Wir arbeiten in Abstimmung mit der Bezirkshauptmannschaft daran, dass im Ausland Geimpfte in der Statistik aufscheinen", erklärte Bürgermeister Andreas Hammer (SPÖ). Besteht ein E-Impfpass, können die erfolgten Stiche von Ärzten gegen eine Gebühr von 25 Euro nachgetragen werden. Um weiteren Einwohnern die Möglichkeit zur Injektion zu bieten, macht ein Impfbus des Landes in beiden Gemeinden in dieser Woche Halt: Am Donnerstag sind von 10.00 bis 13.00 am Bahnhof Wolfsthal und am Freitagnachmittag vor dem Feuerwehrhaus in Berg Stiche ohne Voranmeldung verfügbar. Die Impfbusse werden in den nächsten Wochen verstärkt in der Region unterwegs sein, kündigte Notruf NÖ an.

Geringfügig höher ist die Quote in Hainburg an der Donau mit 66,1 Prozent. Auch hier scheinen allerdings viele im Nachbarland geimpfte slowakische Staatsbürger mit Wohnsitz nicht auf, sagte Helmut Schmid (ÖVP) zur APA.

Stadt-Land Gefälle

Von Notruf NÖ hieß es auf Anfrage zu den teilweise niedrigen Quoten, dass einige in der Region lebende Slowaken, die in ihrem Heimatland geimpft wurden, keine österreichische Sozialversicherungsnummer haben. Weiters wird ein Stadt-Land Gefälle ähnlich wie im westlichen Niederösterreich vermutet.

(APA/red)

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