Österreich wählt: Kommt es zu einem Machtwechsel?

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Sollte die ÖVP bei der Nationalratswahl 2017 als stärkste Partei hervorgehen, bedeutet dies den vierten Machtwechsel seit 1945.
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Ausgangslage, Ziele und Chancen

1970 nahm die SPÖ der ÖVP Platz 1 (in Prozent und Mandaten) ab. 1999 war die SPÖ zwar Erste, aber ÖVP und FPÖ bildeten die Regierung. 2002 wurde die ÖVP dann Erste – aber 2006 holte sich die SPÖ die Spitzenposition (samt Kanzler) zurück und hielt sich dort bis heute. Die FPÖ war noch nie Nummer 1.

Nur in vier Bundesländer-Ergebnissen standen die Freiheitlichen – bei den bisher 21 Nationalratswahlen seit 1945 – schon ganze oben: 1999 waren sie in Kärnten und Salzburg die stimmenstärkste Partei, 2008 (als BZÖ) in Kärnten und 2013 in der Steiermark. Bundesweit gelang ihnen das bisher noch nie – und auch auf Platz 2 schafften sie es nur einmal: 1999 lagen sie hauchdünn vor der ÖVP – und verhalfen dieser dennoch ins Kanzleramt.

SPÖ nur auf drittem Platz?

Sollte die SPÖ hinter ÖVP und FPÖ zurückfallen, wäre das ihr erster dritter Platz in den 22 Wahlen der Zweiten Republik. Ganz im Westen kennen die Sozialdemokraten dies allerdings schon: In Vorarlberg war die SPÖ 2008 und 2013 nur mehr Vierte, also auch hinter den Grünen, und 1994, 1994 und 1999 nur mehr Dritte. Das war auch ihr Rang, hinter ÖVP und FPÖ, bei den Wahlen 1999 und 2013 in Tirol.

Bundesweit war die SPÖ wesentlich öfter Nummer 1 als die ÖVP – wobei man hier zwischen Stimmen und Mandaten unterscheiden muss: Die ÖVP bekam 1945, 1949, 1956, 1962, 1966 und dann wieder 2002 die meisten Stimmen, war also sechsmal rundum stärkste Partei – aber zwei Mal (1953 und 1959) fielen der ÖVP (dank Wahlrecht) mehr Mandate zu als der knapp stimmenstärkeren SPÖ. Somit behielt die Volkspartei auch den Kanzlerposten, der durchgehend von 1945 bis zur Wahl 1970 und dann von 2000 bis 2006 in ihrer Hand war. Der letzte ÖVP-Kanzler war – dank Koalition mit der FPÖ – Wolfgang Schüssel.

Die SPÖ war umgekehrt 15 Mal nach Stimmen und 13 Mal nach Mandaten Erste bei den bisher 21 Nationalratswahlen. 1970 wurde Bruno Kreisky der erste rote Bundeskanzler – und seither blieb das Kanzleramt in der Hand der SPÖ, ausgenommen nur die sechs Jahre Schwarz-Blau.

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Fallen Negativ-Rekorde bei SPÖ und Grüne?

Geht die Nationalratswahl so aus, wie es die Umfragen nahelegen, müssen sich SPÖ und Grüne auf Negativ-Rekorde einstellen. Die FPÖ könnte ihren Rekord-Wert aus der Ära Haider toppen. Die ÖVP müsste enorm zulegen, um Rekorde zu erreichen.

Wien. Schon das geringste Minus bedeutet für die SPÖ, dass sie so schlecht abschneidet wie nie zuvor – denn sie landete schon 2013 auf ihrem historischen Tiefstwert von 26,82 Prozent.

Auch die ÖVP schnitt 2013 – mit 23,99 Prozent – schlecht wie nie zuvor ab. Ihr Höchststand von 49,80 Prozent (1945) ist damit außer Reichweite, wohl auch der beste Wert der letzten Wahlen. Das waren 42,30 Prozent im Jahr 2002 – und damals schaffte Wolfgang Schüssel den Zuwachsrekord aller Bundes- und Landeswahlen, die ÖVP wuchs um 15,40 Prozentpunkte.

Ein solcher Zugewinn zeichnet sich bei der Nationalratswahl nicht ab. Umgekehrt muss auch keine Partei mit dem größten Minus aller bisher 21 Wahlen der Zweiten Republik rechnen. Das waren 16,91 Prozentpunkte, die die FPÖ bei dieser Wahl 2002 einbüßte.

Aus dem damaligen Tief hat sich die FPÖ wieder herausgearbeitet – und jetzt ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass sie die 26,91 Prozent aus der Ära Jörg Haiders toppt. Das bescherte den Blauen 1999 auch ihren bisher einzigen zweiten Platz.

Die Grünen müssen hingegen – 31 Jahre nach dem Einzug in den Nationalrat – fürchten, wieder unter die Vier-Prozent-Grenze zu fallen. Der Absturz ist umso größer, als sie 2013 ihr bisher bestes Ergebnis, 12,42 Prozent, holten.

(APA/Red)

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