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"Öffnungsgipfel": Gastro, Hotels und Co. machen Druck auf Regierung

Viele Unternehmensvertreter waren beim heutigen Öffnungsgipfel vertreten.
Viele Unternehmensvertreter waren beim heutigen Öffnungsgipfel vertreten. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Gastronomie, Hotellerie sowie Sport- und Freizeitbetriebe machten heute beim "Öffnungsgipfel" Druck auf die Regierung. Mit Eintrittstest und entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wolle man bereits im März wieder öffnen.
Mit Test zum Wirten: Pro & Contra
2.391 Neuinfektionen am Donnerstag

Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer hat heute zu einem ganztätigen "Öffnungsgipfel" geladen, in dem zahlreiche Branchenvertreter ein Wiederaufsperren der Gastronomie, Hotellerie, von Kunst- und Kulturstätten, Kinos sowie Freizeit- und Sportbetrieben im März forderten. Einmal mehr wurde auf die eigenen Sicherheitskonzepte verwiesen, die hohen Infektionszahlen - heute wurden 2.391 Neuinfektionen gemeldet - seien zu einem erheblichen Teil den vielen Testungen geschuldet.

Erste Öffnungsschritte im März erwartet

Dass bei weiteren Öffnungsschritten wieder die Fallzahlen steigen, ist klar, meinte Umweltmediziner Hans-Peter Hutter zum Beginn der Veranstaltung. Man müsse aber auch die Rate der Positivmeldungen im Bezug zu den Tests sehen. Contact-Tracing und Test könnten vor einer dritten Welle schützen. Unterm Strich befürwortete Hutter eine Öffnung unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen. Zuvor hatte schon Mahrer betont: "Was nicht geht, ist keine Perspektive." Und WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf ergänzte: "Wir erwarten uns noch erste Öffnungsschritte im März, am besten am 15."

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) ließ im Vorfeld der Veranstaltung in einer Aussendung offen, wann die Branchen öffnen können - das will die Regierung am Montag nach Beratungen mit Experten, Opposition und Ländervertretern entscheiden. In der Wirtschaft wächst jedenfalls der Druck. Ein düsteres Bild für die nächsten Jahre zeichnete hier Sacher-Chef Mathias Winkler. Erst in den Jahren 2024 oder 2025 werde die Hotellerie wieder Gewinne einfahren, die Investitionen erlauben.

Wirte einst gegen Testpflicht, jetzt dafür

Gastro-Fachverbandsobmann Mario Pulker verteidigte heute die ursprüngliche Ablehnung der Masken- und Testpflicht durch die Wirte. Hier habe es auch bei den Gästen ein Umdenken und eine neue Akzeptanz gegeben. "Die Gäste haben sich an vieles gewöhnt", ergänzte Hotellerie-Fachverbandsobfrau Susanne Kraus-Winkler. Das Coronavirus sei "gekommen um zu bleiben". Und auch die Mitarbeiter würden die Sicherheitsmaßnahmen "mit Freuden annehmen", so Karin Rosenberger von der Donau Lodge Ybbs (NÖ). Die Gastronomen waren sich einig: Am 15. März muss aufgesperrt werden. "Mit ein bissl Gas geben" werde sich das schon ausgehen.

Die Reiseveranstalter wiederum haben heute geschlossen den Plan von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßt, sich für einen grünen Impfpass in der EU stark zu machen. "Wir können ohne offene Grenzen nicht existieren", so deren Fachverbandsobmann Gregor Kadanka. Lob für die staatliche Unterstützung bisher kam von Christof Papousek, Chef der Cineplexx-Kinos, diese sei "toll" gewesen.

Fitnesscenter besonders betroffen

Besonders von der Coronapandemie betroffen zeigte sich Christian Hörl vom Fitnessanbieter myvita. Seine Branche sei sieben von zwölf Monaten zugesperrt gewesen - obwohl es nachweislich keinen einzigen Ansteckungsfall in den Fitnesscentern gegeben habe. Matthias Schiffer vom Tennisanbieter Europahalle meinte trocken: "Die Saison ist zerstört." Dramatische Worte fand heute auch Wolfgang Suitner von der Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe: "Die Stimmung schwankt zwischen Frustration und Verzweiflung. Wir haben die volle wirtschaftliche Breitseite abbekommen."

Klare Worte fand auch Ewald Tatar von Barracuda Music ("Nova Rock"), der der Politik vorwarf, nicht genug Mut zu Entscheidungen zu haben. Man solle klar sagen, ab welcher Personenanzahl Konzerte im Freien möglich seien. "Es ist nix, diese Stille ist mittlerweile nervig", meinte er. Auf eine besondere Herausforderung wies Elisabeth Brandl vom Hochzeitsbetreuer Wedding Vienna hin: Es gebe auch einen ästhetischen Anspruch, der bei einer Braut mit Mundschutz leide.

Kathrin Sevecke, Präsidentin der Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, berichtete von einer massiven Zunahme an psychischen Belastungen in allen Altersgruppen im Zuge der Coronapandemie. Als Beispiele nannte sie Angst- und Essstörungen. "Die Lebensqualität der Kinder sinkt", so ihre Expertise.

Kinos und Theater "absolut bereit, aufzusperren"

Eine ausreichende Vorlaufzeit von drei bis vier Wochen und Testbereitschaft des Publikums: Für die heimische Kino- und Theaterbranche sind das Voraussetzungen für eine baldige Wiedereröffnung, die am Donnerstag im Rahmen einer Branchenrunde im "Öffnungs-Gipfel" in der Wirtschaftskammer Wien diskutiert wurde. "Wir sind nicht Gefährder, sondern Ermöglicher", unterstrich Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, den mehrmaligen Verweis auf Präventionskonzepte.

Laut Christian Dörfler, Obmann des WKÖ-Fachverbands der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe, sei die Kinobranche "absolut bereit, aufzusperren". Wie eine deutsche Studie sowie eigene Messungen ergeben hätten, seien Kinosäle "absolut sicher". Allerdings betonte er auch die "große Abhängigkeit von internationalen Märkten". Es brauche weltweit eine gewisse Anzahl an offenen Kinos, damit die internationalen Verleiher überhaupt die Kinofilme freigeben. Diesen Umstand unterstrich auch Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek. Immerhin bringe der Rückfluss aus der Kinoauswertung bis zu 50 Prozent der Einnahmen, weshalb zahlreiche Starttermine verschoben wurden, statt die Filme für Streaming-Plattformen freizugeben. "Wir wollen James Bond auf der großen Leinwand sehen und nicht auf 55-Zoll-Flachbildschirmen."

Keine Probleme für baldige Öffnung

Einer baldigen Öffnung der Kinos stehe aus seiner Sicht nichts im Wege. "Selbst bei einer Auslastung von 100 Prozent und wenn die Menschen keine Masken tragen, stellen Kinos nur ein mittleres Risiko dar", verwies er auf Luftmessungen in Kinosälen. Daher hoffe er auf "sinnvolle, betrieblich durchsetzbare Vorgaben". Eine Maskenpflicht im Saal oder Teststraßen vor den Kinokassen lehnt er ab. Eine ähnliche Regelung wie im Handel - 20 Quadratmeter pro Besucher - sei ebenfalls nicht sinnvoll. Mithilfe von - im Idealfall digital vorgelegten Tests - könne man eine deutlich höhere Auslastung zulassen. Das Testen werde künftig "ein Teil der Fortgehkultur" sein, ist sich auch Julia Gaugusch-Prinz, Geschäftsführerin der Waldviertler Kinos, sicher. Wichtig werde es nun sein, dem Publikum "zu zeigen, was es verpasst hat".

"Ganz viele Branchen haben sich sehr gut vorbereitet", verwies Georg Geczek, zuständig für die "Event Safety" beim Wiener Roten Kreuz, auf die zahllosen eingereichten Präventionskonzepte der Kulturbranche. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass es auch von der Eigenverantwortung der Besucher abhängen werde, einen reibungslosen Kino- oder Theaterbesuch zu ermöglichen. So könne es durchaus ein gangbarer Weg sein, die Häuser auch für jene zu öffnen, die "nur" einen Schnelltest zu Hause gemacht haben.

Wunsch nach Plansicherheit

Der Wunsch nach Planungssicherheit dominierte schließlich auch die Diskussion der Vertreter aus dem Bereich Theater. "Es geht jetzt darum, mit diesem Virus zu leben", unterstrich Veranstalter und Agent Georg Hoanzl. Es sei eine politische Entscheidung, "zu sagen, wenn die Pandemie vorbei ist", aber ebenso eine politische Entscheidung, den Veranstaltern unter den gegebenen Voraussetzungen eine Perspektive zu bieten. Hier nannte er den Schutzschirm für Veranstalter als geeignetes Instrument.

Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, pochte auf eine baldige konkrete Perspektive: "Es ist ja nicht so, dass man das Licht aufdreht und alles spielt." Es müssten schließlich auch wieder Spielpläne vorgelegt und Tickets verkauft werden. "Man braucht dafür bei großem Haus ungefähr sechs Wochen." Die wirtschaftliche Seite betonte unterdessen Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater Holding. Neben der Vorlaufzeit brauche es auch eine ausreichende Anzahl von Menschen, die man wieder bei den Vorstellungen begrüßen dürfe. "Vor 100 Leuten zu spielen, wäre in großen Häusern der wirtschaftliche Supergau." Er wünsche sich bei einer Öffnung "vernünftige und vertretbare Publikumszahlen". Besonders überzeugt von den Präventionskonzepten zeigte sich Kabarettist und Theatermacher Michael Niavarani: "Ich glaube, dass man mit diesen Konzepten sogar im Lockdown öffnen könnte."

(APA/Red)

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