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Mit Schnelltest zum Wirten: Pro & Contra

Mit Schnelltest zum Wirten: Pro & Contra.
Mit Schnelltest zum Wirten: Pro & Contra. ©APA/BARBARA GINDL
Während Friseure und körpernahe Dienstleister seit gut zwei Wochen wieder Kunden empfangen dürfen, müssen Gastronomen weiterhin auf ihre Gäste verzichten. Sie fordern Öffnungsschritte - auch hier werden Schnelltests als große Hoffnung gehandelt. Ein Pro & Contra.

PRO

Gastronomiebetriebe sollen eigentlich frühestens zu Ostern ihre Pforten für Gäste öffnen dürfen. Naturgemäß fordern Branchenvertreter eine frühere Öffnung – verbunden mit konkreten Sicherheitskonzepten. Und das ist auch gut so.

Was bei Friseuren und körpernahen Dienstleistern funktioniert, könnte auch in Gastro-Betrieben umgesetzt werden. Es hat sich gezeigt: Wer gewisse Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchte, ist auch bereit, sich testen zu lassen. Mit den „Eintrittstests“ wird einerseits ein sehr sicherer Restaurantbesuch ermöglicht und andererseits können sonst unbemerkte Infizierte herausgefiltert werden.

Natürlich gehören zu einer Öffnung strenge Regeln: Neben Tests, die nicht älter als 48 Stunden alt sein können, schlagen Branchenvertreter etwa frühere Sperrstunden, Platz- und Gästebeschränkungen und Wohnzimmertests für spontane Gäste vor. Auch die Zahl der zusammentreffenden Haushalte könnte vorgegeben werden. Trotz möglicher Einschränkungen bleibt etwas Wesentliches bestehen: Treffen mit sozialen Kontakten bei gutem Essen könnten möglich werden, und die Rahmenbedingungen dafür wären sogar sicherer, als ein privates Treffen mit Freunden zuhause. Hier werden nämlich selten an Wohnungstüren negative Testergebnisse vorgezeigt.

Trotz Testen, Sicherheitsmaßnahmen und gutem Willen – ja ein Restrisiko wird immer bleiben. Das bleibt jedoch auch beim Einkaufen, beim Friseur, beim Treffen zweier Haushalte. Bei der Öffnung der Gastronomie geht es jedoch um mehr, und hier ist nicht das Präsentieren der neuen Frisur oder der im Sale erstandenen Kleidung gemeint. Hier geht es um ein gesichertes Zusammentreffen, einen Austausch, ein Gefühl der Normalität und eine Existenzsicherung vieler Gastronomen. Gastronomie ist nicht nur notwendiges Essen und Trinken, Gastronomie ist Austausch, Diskussion, Lebensgenuss. Und diesen könnte wohl der Großteil der Bevölkerung nach einem Jahr Pandemie mal wieder gut gebrauchen.

(lyd)

CONTRA

So ein Staberl in der Nase ist nicht unbedingt angenehm, aber auch nicht das Ende der Welt. Wer zum Friseur will, kann die Prozedur über sich ergehen lassen und sich die Locken wieder geradebiegen. Warum sollte es beim Wirten anders sein? Mit Schnelltest am Stammtisch, alles wunderbar.

Aber nicht so schnell. All das Prozedere nur für einen Kaffee? Sicher nicht, profitieren wird vor allem die Abendgastronomie. Wenn einmal getestet, dann muss das auch ausgenutzt werden. Die kleinen Kaffeehäuser, die vielbesungene Wiener Kaffeehauskultur, geht leer aus. Die Kosten bleiben aber auf Vor-Pandemie-Niveau: Strom und Mitarbeiter müssen schließlich wieder bezahlt werden.

Zudem schlagen gängige Schnelltests nur bei einer sehr hohen Virenbelastung an, etwa bei sogenannten „Superspreadern“. Menschen, die etwa erst in der Anfangsphase der Infektion stehen, können aber auch durch das Testraster durchschlüpfen. Das mag beim Stylisten nicht so tragisch sein, beim Wirten geht es abends aber etwas feuchtfröhlicher zu. Das haben auch die Viren gern, Stichwort Apres Ski und Kitzloch. Clusterbildung ist da vorprogrammiert.

Die richtige Herausforderung wartet jedoch erst, wenn wieder alle Restaurants, Cafés und Beisln wieder aufsperren dürfen. Denn wer denkt, dass gleich am ersten Öffnungstag alle zum Wirten laufen und ihr übriggebliebenes Geld ausgeben, der irrt. Es wird eine Zeit dauern, bis sich der Status Quo wieder eingependelt hat. Die Politik sollte das wissen und die Unternehmer bis dahin unterstützen, anstatt die Verantwortung mit einem „Eintrittstest“ abzustreifen. Deshalb: Lieber später öffnen und an die Zukunft denken.

(obl)

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