NR-Wahl: So nutzen die Parteien Social Media wie Facebook und Twitter

Viele Politiker nutzen Facebook
Viele Politiker nutzen Facebook ©dpa (Sujet)
Der Umgang mit Social Media im NR-Wahlkampf steckt scheinbar noch in den Kinderschuhen. Aus dem Obama-Wahlkampf habe man hier scheinbar noch immer nichts gelernt, so ein Experte. Wer dabei wie vorgeht und bei Fans und Followers am meisten punktet, lesen Sie hier.
Facebook sperrt H.C. Strache
Auch Faymann twittert
Petzner twittert Persönliches
Neos nutzen Social Media

Ed Wohlfahrt von der auf Online-PR spezialisierten Agentur edRelations kritisiert, dass die Inhalte nach wie vor nicht für das Format maßgeschneidert seien. So habe man die Wahlkämpfe von US-Präsident Barack Obama zwar analysiert, daraus allerdings noch immer nichts gelernt.

Unpassende Inhalte werden geteilt

“Maßgeschneiderte Inhalte” fehlen für Wohlfahrt bei allen Parteien. “Facebook lebt von der extremen Verknappung”, so der Experte, der unter anderem für den Social Media Landtags-Wahlkampf des jetzigen Kärntner Landeshauptmannes Peter Kaiser verantwortlich war. Statt sich auf kurze Botschaften zu konzentrieren, würden lange Texte und sogar Einladungen zu Pressekonferenzen ins Netz gestellt. Zu einem eigenen Sommerfest werde via Link zu einer Tageszeitung eingeladen.

Nicht anders sieht es auf Twitter aus: Hier werde oft auf Facebook-Einträge verlinkt, anstatt kurze Botschaften zu tweeten, meint Wohlfahrt. Und auch der Umgang mit sogenannten Hashtags, die sich eigentlich zu Trends entwickeln sollten, funktioniere noch nicht so richtig, diese würden nach wie vor “schleppend verwendet”. Einen Versuch hatten die Grünen mit “#50gruende” gestartet, “sie kommen aber über ihre eigenen Reihen nicht hinaus”.

Strache hat die meisten Facebook-Fans

Als Phänomen entpuppt sich FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache – zumindest auf Facebook. Dort hat er mit 138.080 Anhängern mehr Fans als alle anderen Parteichefs zusammen. Ein Grund für den Erfolg könnte neben dem frühen Einstieg in Social Media laut Wohlfahrt das Spiel mit auch “politikfernen Inhalten” sein, etwa “Dalai-Lama-Postings”. Die ÖVP enttäusche hingegen “massiv”, meint der Experte, Grüne und BZÖ würden durch “Romanpostings” auffallen.

Und wie sieht es mit den Gewinnspielen des Team Stronach auf Facebook aus, wo Fans etwa einen Regenschirm gewinnen können? “Das ist auch eine gewisse Form der Hilflosigkeit.” Wohlfahrts Resümee: “Das große Vorbild Obama haben wir durchgekaut, Leute eingeladen, die uns das erklären – aber wir erreichen das Niveau nicht.”

Diese Politiker punkten auf Twitter

Dass Social Media alles andere als ein Abbild der Wirklichkeit bietet, bemängeln Kritiker seit langem. Auch in der Politik ist das nicht anders. So regieren etwa auf Twitter Funktionäre, die auf den Listen für die Nationalratswahl nur begrenzte Chancen auf einen Einzug ins Hohe Haus haben.

Im Kurznachrichten-Dienst Twitter hat nicht etwa die Regierungsspitze das Sagen, und auch kein polternder Oppositionschef führt hier die Diskussionen an: Von den im Herbst zur Wahl stehenden Politiker führt der Burgenländer Michel Reimon mit 8.435 Followern (Stand 30. 8.). Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Parteifreund Peter Pilz, der sich im Kampf um Platz 4 auf der Bundesliste der Grünen durchsetzte, ist ihm mit 8.090 Followern dicht auf den Fersen.

Den beiden Grün-Politikern folgt mit Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (6.656 Follower) auf dem dritten Platz das erste Regierungsmitglied. Und muss das BZÖ noch so sehr um den Wiedereinzug in den Nationalrat zittern, auf Twitter belegen sie in der Person von Stefan Petzner (5.120 Follower) schon den vierten Platz.

Bucher hat weit weniger Follower

Sein Parteichef und Spitzenkanddiat Josef Bucher ist übrigens mit 1.432 Follower weit abgeschlagen. Zumindest in der SPÖ ist Bundeskanzler Werner Faymann (“teamkanzler”) auf Twitter vor seinen Funktionären mit 2.675 an der Spitze, die SPÖ selbst erreicht 3.419 Personen. Im Match der Parteien müssen sich die Grünen den Piraten geschlagen geben – mit 3.281 zu 3.549 Followern. Genau dazwischen liegt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der es auf 3.440 Follower bringt.

Erfolg der Parteien auf Facebook

Strache ist auf Facebook dafür die unangefochtene Nummer Eins, mit großem Abstand folgt ihm mit 11.128 Fans ÖVP-Chef Michael Spindelegger, erst dann kommen Kanzler Faymann (8.896), Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig (8.826) und BZÖ-Chef Josef Bucher (961). Letzterer hat allerdings laut Parteiangaben an die 5.000 Freunde auf seiner privaten Seite.

Über keine eigenen Facebook-Seiten verfügen die meisten der neu antretenden Parteien. Das Team Stronach als Gruppierung kommt jedoch auf 33.141 Fans. Und während die Konkurrenz innerhalb von drei Tagen nur um eine Handvoll zulegen konnte, gewann Stronach in diesem Zeitraum 1.700 Fans, Glawischnig rund 1.000 und Strache rund 500.

NEOS liegt bei 27.178 Fans auf Facebook, die Piraten bei 5.226 und die KPÖ bei 2.636.

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(apa/red)

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