Nine Inch Nails bei Konzert in Wien bejubelt

Trent Reznor brachte die Fans in Wien zum Jubeln.
Trent Reznor brachte die Fans in Wien zum Jubeln. ©EPA
Pulsierend, brachial und betörend gaben sich Nine Inch Nails bei ihrem Konzert am Montagabend in der Wiener Stadthalle. Songs aus dem aktuellen Album "Hesitation Marks" wurden genauso gespielt wie alte Hits der Band.

Zunächst brachial stampfend, dann plötzlich in zärtlicher Manier Intimität erzeugend: Wie mühelos sich zwischen diesen Zuständen wechseln lässt, hat Trent Reznor mit seinen Nine Inch Nails am Pfingstmontag in der Wiener Stadthalle unter Beweis gestellt. Der introvertierte Großmeister des Industrial zeigte sich in bestechender Form und brachte das Publikum ordentlich ins Schwitzen.

Fans kamen beim NIN-Konzert ins Schwitzen

Was Angesichts der Temperatur in der Halle, die jener im Freien um nichts nachstand, grundsätzlich kein Wunder war. Allerdings ließ das erste Österreich-Gastspiel seit einer gefühlten Ewigkeit für den Nine Inch Nails-Fan kaum Wünsche offen und zog vom ersten Moment an in den Bann. Während mit “Me, I’m Not” und “Copy Of A” zwei jüngere Songs den Auftritt einleiten durften, konnte man noch einigermaßen ruhig die beeindruckende Lichtmaschinerie studieren, die in den folgenden eineinhalb Stunden mehrfach im Mittelpunkt stehen sollte.

Konzert mit Lichteffekten

Neun große, würfelförmige Überkopfleuchten mit etlichen Einzelelementen umtanzten das Live-Quartett, neben Reznor bestehend aus Robin Finck, Alessandro Cortini und Ilan Rubin, geradezu, kamen den Musikern ganz nahe, um beim nächsten Song wieder gen Hallendecke zu wandern. Hinzu kam eine zunächst spärlich eingesetzte Wand mit Visuals, die im Laufe des Show mit Kriegswirren, hypnotischen Farbenspielen oder pulsierenden Mustern aufwartete und jedem Stück eine spezielle Note verlieh.

Neue Songs und alte Hits in Wien

Im Zentrum standen aber natürlich die Songs: Gekonnt aus seinem gesamten Oeuvre schöpfend, setzt Reznor für die aktuelle Tour nicht nur auf das im Vorjahr erschienene Comeback-Album “Hesitation Marks”, sondern verwöhnt seine Fans natürlich mit alten Hits. Früh wurde der “March Of The Pigs” angestimmt, der Härte und Gefühl gleichermaßen vereinte, während man direkt im Anschluss zu “Piggy” schwelgen durfte. Hauchte der US-Sänger hier “Nothing can stop me now” ins Mikrofon, so konnte man das an diesem Abend nur unterschreiben.

Es folgten große Hits wie “Closer”, der im Mittelteil deutlich machte, dass dieser Song auch 20 Jahre nach der Entstehung nichts an seiner Kraft eingebüßt hat und nach wie vor in die Knochen fährt. Dass Reznor aber auch seit seinem dazugehörigen Erfolgsalbum “The Downward Spiral” Durchschlagskraft und Pop zu verschmelzen wusste, belegten etwa das großartige “The Great Destroyer” im Wechselbad zwischen Stadionrock und düsterem Techno oder eingängigeres Material wie “The Hand That Feeds”.

Feuerzeugstimmung in der Stadthalle

Und so changierte man an diesem Abend, stets schweißgetränkt, zwischen Clubatmosphäre mit kalter Elektronik und heulenden Gitarren sowie einem Schlagzeugspiel, das dank eines sich in bester Spiellaune befindenden Rubin ordentlich in die Magengrube fuhr. Zum Abschluss kam mit “Hurt”, jenem feinen Stück Reznor’scher Kompositionskunst, das sich Country-Star Johnny Cash vor mehr als zehn Jahren zu eigen machte, Feuerzeugstimmung auf. Es gehört nach wie vor mit zum Besten im Alternative-Business, wenn Reznor diesen Refrain, selbstvergessen, scheinbar abgekapselt vom Rest der Welt, ebenso melancholisch wie kraftvoll singt.

Publikum zeigte sich begeistert

Im Reigen der popmusikalischen Superstars, die dieser Tage die Bundeshauptstadt besuchen, mögen die Nine Inch Nails was Kreischpegel, Hype oder boulevardeskes Getöse anbelangt nicht auf Augenhöhe agieren können. Reznor hat mit diesem Auftritt aber eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sein Projekt auch mehr als 25 Jahre nach der Gründung Relevanz besitzt und nicht nur nostalgisch verklärt abgefeiert werden kann. Wortkarg, aber liebenswert erschien er folglich dem Wiener Publikum, das nicht genug bekommen konnte. Nur zu verständlich. (APA)

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