Nach Natter-Rücktritt wird Auflösung des Wiener Leopold Museums gefordert

Elisabeth Leopold und Tobias Natter.
Elisabeth Leopold und Tobias Natter. ©APA
Die Reaktionen auf den Rücktritt von Tobias Natter fallen sehr unterschiedlich aus: Einerseits wird ihm "unglaublicher Respekt" für diesen "mutigen Schritt" ausgesprochen, andererseits vorgeworfen, er lasse "einen Scherbenhaufen zurück". Die Israelitische Kultusgemeinde hat am Dienstag gefordert, das Leopold Museum aufzulösen.
Natter: "Kein leichter Schritt"

Die Israelitische Kultusgemeinde sieht nach dem angekündigten Rücktritt von Tobias G. Natter als Direktor des Leopold Museums die Zeit für harte Schritte gekommen – und fordert die Auflösung des Museums. Man solle eine Museumsneuordnung angehen. “Das würde bedeuten, das Leopold Museum in seiner jetzigen Form aufzulösen, den Teil der Sammlung mit Bildern von Klimt, Schiele etc. dem Belvedere zu übergeben und die weiteren Teile entsprechenden anderen Museen zu überlassen. Das damit freigewordene Gebäude könnte dann dem mumok als ‘Ausstellungshalle’ zur Verfügung stehen”, so IKG-Präsident Oskar Deutsch und Erika Jakubovits vom Präsidium der IKG in einer gemeinsamen Aussendung.

Natters Rücktritt “ein mutiger Schritt”

In jedem Falle sei eine Bestellung von Leopold-Sohn Diethard zum Nachfolger von Natter strikt abzulehnen, “da Diethard Leopold die restitutionsfeindliche Politik seines Vaters unverändert fortsetzt”. Im Gegenteil solle man die Vorstandstätigkeit von Leopold und Anwalt Andreas Nödl im Stiftungsvorstand auslaufen lassen. Der Rücktritt Natters sei jedenfalls ein mutiger Schritt, der von Ernsthaftigkeit und Integrität zeuge, so Deutsch und Jakubovits.

Auch Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder äußert Hochachtung für Natters Entscheidung: “Dass Natter diesen Schritt setzt, ohne zu wissen, wie es danach weitergeht, das ringt mir unglaublichen Respekt ab. Es spricht Mut und große moralische Integrität daraus.”

Leopold Museum: Ein Scherbenhaufen

Nur wenige Minuten vor der Öffentlichkeit erfuhr am Montagabend Elisabeth Leopold vom Rücktritt des museologischen Direktors des Leopold Museums, Tobias Natter. “Ich war ganz überrascht”, betonte sie am Dienstagvormittag in einem Gespräch mit der APA. “Es tut mir weh. Ich finde es sehr undankbar mir gegenüber, weil ich mich voll eingesetzt habe, ihn ans Leopold Museum zu holen. Ich finde es feig, sich zurückzuziehen, statt die Dinge in Ruhe miteinander auszureden. Denn auf wessen Kosten geht es denn? Auf Kosten des Museums, der Stiftung und auf meine Kosten, obwohl ich ihm so vertraut habe. Natter lässt damit einen Scherbenhaufen zurück. Er hat damit nichts besser gemacht.” (APA/ Red.)

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