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Tobias Natter verlässt Wiener Leopold Museum: "Es war kein leichter Schritt"

Tobias Natter verlässt Wiener Leopold Museum
Tobias Natter verlässt Wiener Leopold Museum ©APA/ROLAND SCHLAGER
Völlig überraschend hat der Direktor des Wiener Leopold Museum seinen Rücktritt angekündigt. Tobias Natter "macht da nicht mit", heißt es in einer Aussendung.
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Tobias G. Natter legt völlig überraschend seine Funktion als museologischer Direktor des Wiener Leopold Museums zurück. Diese Bombe ließ der renommierte Museumschef am Montagabend bei der Preisverleihung des OscART platzen. In einer Aussendung betonte Natter, dass der Grund für seinen Schritt die Doppelfunktion des kaufmännischen Direktors Peter Weinhäupl bei der neu gegründeten Klimt-Ucicky-Foundation als Vorsitzender des Vorstandes sei.

Tobias Natter verlässt Wiener Leopold Museum

Die “Gustav Klimt. Wien 1900 Privatstiftung”, die über 14 Klimt-Werke aus der ehemaligen Sammlung Gustav Ucicky, einem der führenden Regisseure der NS-Zeit, verfügt, sieht sich teils mit Raubkunstvorwürfen konfrontiert. Weinhäupl ist der Vorsitzende des Vorstands der neuen Stiftung, was er ebenso wie die Familie Leopold erst aus den Medien erfahren habe, beklagte Natter. Dennoch sei Weinhäupls Doppelfunktion vom Vorstand des Leopold Museums nicht als Unvereinbarkeit gesehen worden.

“Die Sicht des Vorstandes ist zu akzeptieren, aber für meine Person ziehe ich die Konsequenzen und verlasse das Leopold Museum. Mit heutigem Tag habe ich die Kündigung meines Dienstverhältnisses eingereicht”, so Natter in seiner Aussendung.

Natter “macht da nicht mit”

Als vor einem Monat Peter Weinhäupl, Managing Director des Leopold Museums, bekannt gab, Vorsitzender des Stiftungsvorstands der neu gegründeten “Klimt‐Foundation” rund um Bestände der ehemaligen Sammlung des Klimt-Sohnes Gustav Ucicky zu sein, überraschte er seinen gerade bei einer Ausstellungseröffnung in Paris weilenden museologischen Direktor Tobias G. Natter komplett. Heute wiederholte Natter das Spiel, als er bei der Entgegennahme des OscART-Preises seinen Rücktritt erklärte. “Ich bin völlig überrascht”, so Weinhäupl am Abend in einer ersten Reaktion gegenüber der APA. “Ich bedaure diese Entscheidung und verstehe sie nicht.”.

“Es war kein leichter Schritt”, erläuterte Natter im Gespräch mit der APA seine heute eingereichte Kündigung, mit der eine dreimonatige Kündigungsfrist zu laufen beginnt. Er habe versucht, Elisabeth Leopold, die Witwe des verstorbenen Sammlers und Museumsgründers Rudolf Leopold, davon zu überzeugen, dass man nicht akzeptieren könne, dass Weinhäupl gleichzeitig mit der Tätigkeit in der seiner Meinung nach umstrittenen und völlig intransparenten neuen Stiftung weiterhin im Leopold Museum arbeiten könne.

Natter übt Kritik

Gerade die Bezüge zu Raubkunst und NS-Vergangenheit seien so heikel, dass “man das unbedingt hätte im Vorfeld besprechen müssen”, so Natter. Nachdem der Vorstand aber keinen Einwand erhoben habe, hätte er nur die Konsequenzen ziehen können: “Da mache ich nicht mit”, laute sein Entschluss, den er auch Elisabeth Leopold mitgeteilt habe. Dass er seinen Rücktritt öffentlichkeitswirksam bei einer Preisverleihung verkündete, begründete Natter so: “Es macht keinen Sinn, heute einen Preis anzunehmen und Tage später zurückzutreten.”

“Mich wundert, dass er nicht das Gespräch, sondern die Inszenierung gesucht hat”, kommentierte Weinhäupl das Prozedere Natters. Es habe in der bisherigen Zusammenarbeit der beiden Direktoren nur die üblichen kleineren Auseinandersetzungen, “aber keinerlei gröbere Konflikte” gegeben. “Ich war immer bereit, über alles zu reden”, so Weinhäupl, der betont, es handle sich bei seiner Stiftungsfunktion um eine ehrenamtliche Tätigkeit, mit der er geholfen habe, eine Konstruktion in Gang zu setzen, die künftig verbreitert werden soll. Er sehe keinerlei Unvereinbarkeit seiner beiden Tätigkeiten und könne sich im übrigen nicht vorstellen, dass der Protest dagegen der wahre Grund für Natters Rücktritt sei. Der zurückgetretene Direktor stellt andere Gründe in Abrede. Das Vorliegen lukrativer anderer Jobangebote “kann ich ausschließen”. Was er nun machen werde, wisse er nicht. “Ich muss mich zunächst einmal neu sortieren…”

Am kommenden Montag (4. November) wird der Vorstand der Leopold Museum Privatstiftung im Rahmen seiner routinemäßigen nächsten Sitzung die neue Situation beraten. Weinhäupl geht von einer Neuausschreibung der museologischen Leitungsfunktion aus. Dass er als kaufmännischer Direktor den Posten künftig in Personalunion bekleiden werde, sei schon rechtlich ausgeschlossen.

(APA)

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