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Nach Konflikt an HTL: Vier Schüler und ein Pädagoge müssen Schule verlassen

Für vier Schüler und einen Pädagogen ist die Zeit an der HTL in Ottakring vorbei.
Für vier Schüler und einen Pädagogen ist die Zeit an der HTL in Ottakring vorbei. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Nach dem handgreiflichen Konflikt an einer HTL in Wien-Ottakring müssen vier Schüler und der Pädagoge die Schule verlassen. Der Vorfall bringt auch Neuerungen in den Dienstverträgen der Lehrer mit sich.
Vorgeschichte soll geklärt werden
Lehrer suspendiert
Kommission soll Vorfall klären
HTL will sechs Schüler ausschließen
Kommissionsergebnis wird präsentiert

Nach dem handgreiflichen Konflikt zwischen Schülern und einem Lehrer an der HTL in Wien-Ottakring müssen vier Schüler und der Pädagoge die Schule verlassen, gab die Bildungsdirektion am Dienstag bekannt. Als Reaktion auf den Fall soll außerdem in den befristeten Dienstverträgen für Lehrer im ersten Jahr eine dreimonatige Probezeit festgeschrieben werden. Diese sollen auch leichter kündbar sein.

Konflikt an HTL: Änderungen bei Dienstverträgen nach Vorfall

Grundsätzlich starte jeder Lehrer mit einem auf ein Jahr befristeten Vertrag in den Dienst, betonte Bildungsdirektor Heinrich Himmer. Diese Dienstverhältnisse seien derzeit allerdings nur schwer auflösbar, selbst wenn man – wie im Fall des Lehrer an der HTL Ottakring – schon nach einem Monat sehe, dass jemand für den Lehrerberuf ungeeignet sei. Es sei deshalb sinnvoll, eine auch in anderen Bereichen üblich Probezeit einzuführen und damit zu verhindern, dass ungeeignete Lehrer ein Jahr lang im Klassenzimmer stehen.

Außerdem soll in den befristeten Dienstverträgen ausdrücklich eine Kündigungsmöglichkeit festgehalten werden, um in entsprechenden Fällen das Dienstverhältnis rasch beenden zu können. Derzeit sei dafür eine lange und genaue Dokumentation erforderlich, die Auflösung befristeter Verträge sei auch “keine gelebte Praxis in Österreich”. “Aber man muss die Schüler schützen”, so Himmer.

Änderungen sollen schon mit Schuljahr 2019/20 kommen

Er will diese beiden Änderungen schon mit dem Schuljahr 2019/20 in den Dienstverträgen verankern, in den kommenden Wochen will er das Einvernehmen mit der Personalvertretung suchen. Rechtlich seien diese Änderungen ohne Gesetzesänderung möglich. Eine weitere Konsequenz aus dem aktuellen Anlassfall ist die Einführung von Checklisten für Schulen und Bildungsdirektion, wie mit ähnlichen Krisensituationen umzugehen ist. “Wir brauchen hier mehr Geschwindigkeit im System.” Außerdem sollen Lehrer sowie Quereinsteiger ohne klassische Pädagogenausbildung künftig noch stärker darauf vorbereitet werden, wie sie eine Klasse sinnvoll führen können.

Auslöser für Änderungen: Handgreiflicher Konflikt an HTL in Wien-Ottakring

Anlassfall für die Änderungen sind die Vorkommnisse an der HTL Ottakring im laufenden Schuljahr. Anfang Mai waren im Internet Aufnahmen kursiert, auf denen ein Schüler den Lehrer offenbar provoziert und von diesem dann bespuckt wird. Daraufhin stößt der Jugendliche den Lehrer gegen die Tafel, bevor andere Schüler einschreiten. Weitere Videos halten andere Vorfälle fest, in denen der Pädagoge bereits vor diesem Vorfall von Schülern schikaniert wurde. Die Bildungsdirektion hat daraufhin eine unabhängige Kommission beauftragt, die Hintergründe der Geschehnisse zu überprüfen.

Das Ergebnis der Kommission aus Juristen, Vertretern von Schülern, Lehrern und Bildungsministerium: Bei vier Schülern liegen durch Gewalt gegen den Lehrer bzw. Mitschüler ausreichende Gründe vor, um sie von der Schule auszuschließen. Zwei weitere Schüler, deren Ausschluss von der Schulleitung beantragt worden war, seien hingegen nicht direkt involviert gewesen. Die vier ausgeschlossenen Jugendlichen stehen nun im Maturajahr ohne Schulplatz da. Um ihnen nicht ihre berufliche Zukunft zu verbauen, soll die Bildungsdirektion laut Himmer nun individuelle Ausbildungsangebote für die Schüler entwickeln.

Ebenfalls die Schule verlassen wird der betroffene Lehrer, da laut Himmer “eine pädagogische Eignung für die Weiterverwendung nicht vorliegt”. Der auf ein Jahr befristete Vertrag des Quereinsteigers wird, wie von der Schule schon vorher angekündigt, nicht verlängert. Er ist nach wie vor im Krankenstand und konnte nur schriftlich befragt werden.

Kein schuldhaftes Verhalten bei Schulleiter und Abteilungsvorstand

Kein schuldhaftes Verhalten wurde von der Kommission hingegen beim Schulleiter und dem Abteilungsvorstand festgestellt. Der Direktor hat laut Bericht seit Beginn des Schuljahrs schnell gehandelt, mit dem Lehrer gesprochen, Ermahnungen ausgesprochen und das auch an die Bildungsdirektion gemeldet.

Diese hat daraufhin den Unterricht des Lehrers besucht und ihm Verbesserungspotenziale mitgeteilt. Allerdings habe in weiterer Folge der zuständige Dienstrechtsjurist nicht scharf und schnell genug reagiert, ortet Himmer “intensiven Veränderungsbedarf”. “Das ist bedenklich, weil es zeigt, dass es hier zu wenig konkreten Umgang und Unterstützung der Schulen gibt bei Fragen der grenzwertigsten Situationen, die im Klassenzimmer vorkommen können.” Hier hätten weitere Schritte gesetzt werden müssen, um zu sehen, ob sie Situation sich bessert. Künftig soll es eine Verpflichtung geben, die konkreten Schritte zu dokumentieren.

Nach Konflikt an Wiener Schule: Lob von NEOS

Für die NEOS sind die geplante dreimonatige Probezeit und schnellere Kündigungsmöglichkeiten für Lehrer mit befristetem Vertrag im ersten Dienstjahr “längst überfällig”. Für die Wiener ÖVP ist es unterdessen “skandalös”, dass der Untersuchungsbericht zu den Vorfällen an der HTL Ottakring nicht zur Gänze veröffentlicht werden soll. Die FPÖ fordert Maßnahmen gegen gewalttätige Schüler.

Neben mehr Möglichkeiten, sich von ungeeigneten Lehrern zu trennen, fordern die NEOS auch eine unabhängige und weisungsfreie Mobbing-Meldestelle, mehr Sozialarbeiter und Psychologen an den Schulen sowie Coaching und Supervision für Lehrer und von der Schulgemeinschaft gewählte, parteiunabhängige Schulleiter.

Kritik von ÖVP und FPÖ

Für die Wiener ÖVP haben sowohl der Schulleiter als auch die Bildungsdirektion “auf voller Länge versagt”, noch immer fehle an den Wiener Schulen ein funktionierendes Krisenmanagement. Die Partei fordert eine unabhängige Lehrerhotline sowie eine umfassende Studie zu Gewalt an Wiener Schulen und flächendeckende Anti-Gewalt-Programme für Schüler.

Die Wiener FPÖ kritisiert indes, dass sich alle von Bildungsdirektor Heinrich Himmer präsentierten Maßnahmen gegen Lehrer und keine einzige gegen gewalttätige Schüler richten würden. Es brauche “Besserungszentren für gewalttätige Pflichtschüler abseits der öffentlichen Regelschule”.

(APA/Red)

 

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