Mitterlehner "riesen oasch": Weitere Chatverläufe von Kurz und Schmid bekannt

Kurz und Schmid diskutierten immer wieder über Mitterlehner.
Kurz und Schmid diskutierten immer wieder über Mitterlehner. ©APA/AFP/JOE KLAMAR
Aus den Korruptionsermittlungen rund um Kurz und sein enges Umfeld sind weitere Chats zwischen dem Kanzler und Thomas Schmid an die Öffentlichkeit gedrungen.
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Mehrere Medien veröffentlichten am Freitag neuerlich Chats des damaligen Generalsekretärs im Finanzministerium Thomas Schmid. Darin spricht Schmid etwa davon, im Wahlkampf 2017 Druck auf die Wirtschaftsforschungsinstitute IHS und WIFO oder den damaligen Finanzminister Hans Jörg Schelling ausüben zu wollen, weil diese nicht auf Kurz' Linie waren.

Chats zwischen Kurz und Schmid: Mitterlehner "riesen oasch"

Chatverläufe zwischen Schmid und Kurz, bei denen etwa der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner alles andere als gut wegkommt, lassen laut Staatsanwaltschaft auf eine langjährige Freundschaft schließen. Der Kontakt zwischen Kurz und Schmid sei seit 2014 nie abgerissen. Den Ermittlungen zufolge soll Schmid im Finanzministerium in der Causa um mutmaßlich geschönter Umfragen, die - so der Verdacht der Anklagebehörde - mit Scheinrechnungen bezahlt wurden, eine zentrale Rolle gespielt haben.

Immer wieder hätten die beiden angeregt über Kurz' Vorgänger als Parteichef Mitterlehner diskutiert, berichteten die "Salzburger Nachrichten" und die "Kleine Zeitung". Als Mitterlehner 2019 sein Buch "Haltung" veröffentlichte, tauschten sich Schmid und Kurz darüber aus. Schmid schrieb demnach: "Diese alten Deppen sind so unerträglich! Keiner musste sich jemals einer Bundeswahl stellen und den Schwachsinn der Vorgänger erklären! Du hast das alles erfolgreich geschafft und wir durften dabei mitarbeiten Mitterlehner ist ein Linksdilettant und ein riesen oasch!! Ich hasse ihn Bussi Thomas". Und Kurz, damals Kanzler der türkis-blauen Regierung, antwortet: "Danke Thomas Super war dass Spindi heute ausgerückt ist. Das stört den Arsch sicher am meisten..."

"Bitte, kann ich ein Bundesland aufhetzen?"

Zudem habe Kurz Mitterlehner auch keinen Erfolg gönnen wollen. Wie das Ö1-"Mittagsjournal" berichtete, schrieb Kurz etwa an Schmid im Zusammenhang mit Verhandlungen von Mitterlehner mit dem damaligen SPÖ-Kanzler Christian Kern rund um eine Lösung für Banken und 1,2 Milliarden Euro für Nachmittagsbetreuung für Kinder: "Gar nicht gut. Wie kannst Du das aufhalten?". Unmittelbar danach schickte er an Schmid: "Bitte, kann ich ein Bundesland aufhetzen?"

Und als Schelling in einer wichtigen Steuerfrage einen Kompromiss mit der SPÖ eingehen habe wollen, schrieb Schmid laut Ö1 an Mitarbeiter im Finanzministerium über den damaligen Finanzminister: "Habe mit Kurz geredet. Kurz war ganz klar. Kurz sagte, er will keinen Kompromiss und keine Lösung. Wenn er es macht, ist er draußen."

Schmid wollte offenbar auch Druck auf IHS ausüben

Die Analyse der Chats von Thomas Schmid durch die Korruptionsstaatsanwaltschaft zeigt, dass er versuchte, im Institut für höhere Studien zu intervenieren. Einerseits wollte er 2018 Franz Fischler, Präsident des IHS-Kuratoriums, loswerden. So schreibt Schmid im Mai 2018 "Wie kann Fischler früher abgelöst werden?" "Und wir brauchen verlässliches Kuratorium Müssen das jetzt angehen".

Fischler ist allerdings bis heute tätig, Schmid musste zur Kenntnis nehmen, dass Fischler im Kuratorium breite Unterstützung genoss und selber hätte zurücktreten müssen.

Auch inhaltlich versuchte Schmid einzugreifen. Im Juni 2017 war Schmid unzufrieden mit der Arbeit im IHS und kündigte im Chat an "Mit den Wirtschaftsforschern habe ich telefoniert, wegen der zwölf Milliarden Entlastung. Schellhorn voll auf Linie, der braucht ein bisschen Pflege. Kocher bringe ich noch auf Linie. IHS von BMF finanziert. Badelt - Wendehals." Im Juli versuchte er, einen Fördervertrag mit den IHS zu blockieren "Ich will diesen Fördervertrag IHS jetzt doch nicht freigeben. Können wir das noch rückgängig machen?". Der Vertrag wurde allerdings unterzeichnet.

Schmid dürfte kein besonders respektvolles Verhältnis zur zeitweiligen Familienministerin Sophie Karmasin gehabt haben. Unter anderem bezeichnete er sie 2019 als "wäre gut steuerbar". Dennoch sieht die WKStA "deutliche Indizien", dass Schmid für Karmasin intervenierte, damit sie nach dem Ausscheiden aus der Politik wieder als Meinungsforscherin Fuß fassen konnte.

Im Februar, nachdem Karmasin ein Gespräch mit Schmid zum IHS gehabt hatte, schrieb dieser an den damaligen IHS-Chef Martin Kocher: "Lieber Herr Kocher, wir Haber in paar ernste Fragen zur Entwicklung des IHS! Möchte gerne baldigen Termin". Karmasin urgierte in Chats mit Schmid in Folge weitere Termine mit Kocher - und bekam im Juni 2018 mit ihrem kurz davor neu gegründeten Institut Karmasin Research & identity einen Konsulentenvertrag des IHS-Kompetenzentrums Insight Austria. Und drei Monate später beschwerte sie sich bei Schmid, "mit IHS rennt das nicht so wie vereinbart".

Schmid wollte auch im August 2018 "denen Stress" machen, nachdem das IHS Regierungsvorhaben zur Reform der Sozialversicherungsträger und der Finanzierung der Bildungsinstitutionen kritisierte. "Müssen Termin machen. Aufbereiten - den ganzen Käse den das IHS derzeit verbreitet. SV Kritik Bildungs Kritik. Will denen Stress machen" schreibt er. Dennoch wurde IHS-Chef Kocher im Jänner 2021 Arbeitsminister.

Schellhorn geht in Reaktion auf eigene Person ein

Der im Chat vermutlich angesprochene Franz Schellhorn, Leiter des wirtschaftsliberalen Thinktanks Agenda Austria, meinte in einer Reaktion gegenüber der APA: "Dass ich nicht pflegeleicht bin, mag sein. Aber dass ich pflegebedürftig wäre, ist mir neu." Was immer Schmid damit gemeint haben kann, sei "ein Rätsel", zudem habe man nie miteinander gesprochen. Tatsache sei, dass die Agenda Austria als einziges Institut weder Aufträge noch Geld von Staat, Parteien, Interessenvertretungen oder Vorfeldorganisationen nehme.

Kocher meldete sich zu den veröffentlichten Chats am Freitag via Twitter zu Wort: "Es liegt in der Natur der Sache und ist immer wieder vorgekommen, dass Institutionen und Personen Wünsche, Meinungen und Kritik zu Forschungsergebnissen und Interpretation derselben an mich herangetragen haben." Er habe diese als Direktor aber immer "sehr deutlich" zurückgewiesen. Das IHS habe in seiner Zeit "immer völlig partei- und regierungsunabhängig und wissenschaftlich integer agiert", so Kocher.

Schmid schrieb in Chat über Kern

Über den SPÖ-Kandidaten Christian Kern merkt Schmid in einem ausführlichen Chat mit Beinschab an: "Ich hasse Kern". Deren Antwort: "Ich mag ihn auch nicht, er ist so ein typischer Wiener." Zwei Tage nach der Nationalratswahl lässt Beinschab Schmid wissen, sie gehe "morgen wieder ins Feld". Dann bespricht sie mit Schmid "Umfragen mit beliebten Koalitionsvarianten", der Vorschläge unterbreitet, wie diese Umfragen aussehen sollten.

In einem anderen Chat unterhalten sich Schmid und der spätere Kanzlersprecher Johannes Frischmann darüber, dass sie sich am Institut von Beinschab beteiligen wollen.

Schmid an Frischmann: An dieser Firma werden wir uns Beteiligung.

Frischmann: Als was? Als BMF oder als Schmid-Frischmann GmbH?

Schmid: Schmid Frischmann. Ich meine das ernst. Die kriegt bald orf Vertrag. Und Fellner hat sie jetzt fix übernommen. Werde mit ihr im neuen Jahr essen gehen und das klar stellen. Sonst bekommt sie ein Problem. Mit mir! Sophie ist damit einverstanden.

Frischmann: Ok.

Schmid: Wir müssen uns nur überlegen wie .... Aber wird lustiges Projekt.

Frischmann: Das wirds.

Schmid: Checke ihr noch ein paar größere Kunden. Aber 30 Prozent.

Frischmann: Nur müssen wir vorher noch den Chef die sechs Jahre absichern.

Schmid: Ja! Das mache ich ja gerade. Sophie im IHS Institut. Und bei Beinschab. Für Kunden. Fette cash Cow! Oder wir zwei nehmen 50 Prozent. Und Sophie und Beinschab 50. Wäre auch Möglichkeit.

Frischmann: Und du machst dann beim Armin Wolf mit dem Filzmaier die Analysen (lachendes smiley, Anm.)

Schmid: Du wirst das machen!! Ich finanziere.

(APA/Red)

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