Marcel Hirschers im Interview: Mit Olympia-Motto "Marcel, scheiß dir nix"

Marcel Hirscher ist im Olympia-Fieber.
Marcel Hirscher ist im Olympia-Fieber. ©APA
Österreichs Ski-Star bringt sich derzeit für seine beiden Auftritte bei den Olympischen Winterspielen in absolute Topverfassung, die restliche Zeit sitzt er begeistert vor dem Fernseher, um die bereits laufenden Bewerbe in Sotschi zu verfolgen. Im Interview mit der Austria Presse Agentur sprach der 24-Jährige über sein bereits ausgebrochenes Olympia-Fieber, die letzten Vorbereitungen auf Sotschi, Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer und die Kunst der Unbeschwertheit.
Goldmedaille für Matthias Mayer

Wie geht’s Ihrem zuletzt leicht lädiert gewesenen Rücken?

Hirscher: “Dem Rücken geht’s sehr gut, ich hab keine Schmerzen. Ich bin hart am Trainieren und arbeite daran, mich für Olympia in Topverfassung zu bringen.”

Sind Ihre Akkus nach dem anstrengenden Jänner wieder halbwegs aufgeladen?

Hirscher: “Der Jänner hat viel Energie gekostet. Jetzt ist aber wieder ein wenig Zeit, um auch Krafteinheiten im Fitnessstudio zu absolvieren. Das tut mir sehr gut.”

Sie haben beim Training auf der Reiteralm probiert, die Topografie des Olympia-Hangs zu imitieren. Wie ist es bisher gelaufen?

Hirscher: “Jetzt war gerade Wiener-Woche (Semesterferien für Wien, Anm.), da war g’scheit viel los. Aber das Training hab’ ich super durchziehen können. Das große Fragezeichen bleibt: Wie wird der Schnee in Sotschi sein? Derzeit ist es ja in Russland sehr warm, hoffentlich wird es noch kälter. Aber egal wie meine Präferenzen sind, das sind Faktoren, die ich sowieso nicht beeinflussen kann.”

Marcel Hirscher im “Olympia-Fieber”

Wie intensiv verfolgen Sie abseits des Trainings die Spiele in Sotschi?

Hirscher: “Ich bin nur am fernsehen (lacht). Das ist schon was Geiles, solche Winterspiele, ich fiebere extrem mit. Der Slopestyle-Bewerb war zum Beispiel ein Wahnsinn. Und die Skirennen sowieso.”

Man kann also sagen, dass Sie das Olympia-Fieber bereits erfasst hat.

Hirscher: “Ja, absolut. Die Anspannung steigt, das Kribbeln wird größer. Die Bilder, die aus Sotschi übermittelt werden, sprechen eine sehr positive Sprache. Ich freu mich schon riesig, wenn ich am Sonntag nach Sotschi fliege.”

Was sagen Sie zur Goldenen Ihres Teamkollegen Matthias Mayer in der Abfahrt?

Hirscher: “Ich freu mich unglaublich für den ‘Mothl’. Der Hund hat sich mit vollem Risiko runterg’haut und ist dafür belohnt worden.”

Auf Mayer prasselt nun ein ähnlicher Rummel ein, wie Sie es schon seit Jahren kennen.

Hirscher: “Dann soll er einmal warten, bis er nach Hause nach Österreich kommt (lacht). Mit so einer guten sportlichen Leistung holt man nicht nur Gold, es verändert sich auch mit einem Schlag dein Leben gravierend, einfach alles.”

Bei der WM 2013 in Schladming hatten Sie im Slalom die gesamte ‘Goldlast’ auf Ihren Schultern. Glauben Sie, dass Mayers Sieg Ihnen einen Teil dieser Last nun abnimmt?

Hirscher: “Sagen wir einmal so: Sollte ich nicht gewinnen, wäre die Raunzerei nicht so groß. Aber ich werde durch diese Goldene vom ‘Mothl’ nicht schneller oder langsamer fahren. Die Erlebnisse und Lehren der WM in Schladming werden mir aber sicher helfen. Ich will auch in Sotschi eine Medaille, aber die Sache ist alles andere als bestellt und abgeholt.”

Glauben Sie, dass es Außenseiter wie Mayer bei Olympia grundsätzlich leichter haben?

Hirscher: “Die sportliche Leistung ist absolut gleich hoch einzustufen. Aber die Voraussetzungen sind andere. Die Favoriten leiden meiner Ansicht nach schon sehr stark unter dem hohen Druck der Erwartungen. Ich kann mich noch sehr gut an mich selbst in der Außenseiterrolle erinnern. So wie bei meinen ersten Spielen 2010 in Vancouver. Da ist es genau um gar nichts gegangen. Ich war happy, dass ich qualifiziert war, ob ich Siebenter oder 15. werde, war mir völlig wurscht. Am Ende war ich Vierter und Fünfter, ich hab alles gegeben und super war’s.”

Vancouver 2010 bringt für Sie also keine Erkenntnisse für Sotschi 2014?

Hirscher: “Nein, denn mittlerweile ist alles anders. Was mir als erstes einfällt, wenn ich an Vancouver denke, ist: Wahnsinn, was alles in den vier Jahren seither passiert ist. Sportlich und abseits davon. Das ist ein Wahnsinn.”

Gelingt es Ihnen trotzdem noch manchmal, die frühere Unbeschwertheit abzurufen?

Hirscher: “Im Vorfeld eines Rennens mach ich mir sicher mehr Gedanken als in früheren Jahren. Aber wenn’s drauf ankommt, kann ich meistens schon mein Maximum ausreizen. Und genau das wird die große Herausforderung bei Olympia sein. Mein Motto muss sein: ‘Marcel, gib Gas, scheiß dir nix, drück den Ski den Berg runter. Zweifel nicht eine einzige Sekunde daran, dass du volles Risiko gehst.’ Denn nur so kann ich vorne mitfahren. Wenn’s nix wird, dann wird’s nix, wenn aber schon, dann ist es gewaltig. Das alles ist jetzt leicht daher erzählt, die Umsetzung am Tag X ist aber eine andere Sache.”

(Alexander Hofstetter/APA)

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