Ludwig wehrt sich gegen Kritik an neuen Corona-Regeln: "Nicht aus Jux und Tollerei"

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kontert Kritik.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kontert Kritik. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig verkündete am Mittwoch strengere 3G-Regeln für Wien. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger kritisierte diese am Donnerstag scharf. Nun meldete sich Ludwig erneut zu Wort.
Köstinger kritisiert Wiens Verschärfungen
Wien verschärft 3G-Regeln

Bürgermeister Michael Ludwig ließ die Kritik an den verschärften 3G-Regeln in Wien nicht gelten. "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei", sagte er am Rande einer Pressekonferenz auf Anfrage der APA.

Michael Ludwig kontert Kritik zu verschärften 3G-Regeln in Wien

Er sei überzeugt, so betonte er, dass die Delta-Mutation eine große Herausforderung darstelle. An die Maßnahmen, die in Wien verordnet worden seien, hätten sich die Menschen zudem schon gewöhnt.

Kinder etwa würden in der Schule bereits getestet. "Und es ist einsichtig, wenn wir bis jetzt der Meinung waren, dass wir Kinder in diesem Alter testen, dass wir das auch tun, wenn Schulferien sind." Denn das Virus habe keine Ferien. Kinder könnten das Coronavirus an junge Eltern weitergeben, die noch nicht geimpft seien, gab Ludwig zu bedenken.

Man müsse alles daran setzen, verschärfte Maßnahmen wie im vergangenen Herbst zu verhindern. "Ich sehe mich auch eins mit den Sozialpartnern in Wien", sagte der Bürgermeister. Diese hätten große Sorge, dass es zu einem neuerlichen Lockdown kommen könnte. Vergangenen Sommer habe man argumentieren können, dass die Situation damals neu war. Dies sei nun nicht mehr der Fall. Er wolle nicht im Herbst gefragt werden, ob die Politik den Sommer verschlafen habe, hielt Ludwig fest.

Kritik von Ministerin Köstinger

"Am Tag vor gut geplanten bundesweiten Öffnungsschritten einseitig die Regeln zu ändern, ist völlig absurd", ärgerte sich Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Donnerstag in einer Aussendung.

Die Vorgangsweise Wiens gehe auch völlig an der epidemiologischen Realität vorbei, so die Ministerin. Es gebe keinen plausiblen Grund für diese Verschärfungen. "Dass Wien nun die 3G-Regel auf Kinder ab 6 Jahren ausweitet, macht die Planungen für viele Familien extrem schwierig und greift in eine bislang sehr gut funktionierende bundesweite Teststrategie ein", ärgerte sich Köstinger.

Zusätzliche Maßnahmen bei "Alles Gurgelt"

Um das Testen von Kindern zu erleichtern, wie es hieß, hat Wien ab sofort bei der PCR-Aktion "Alles Gurgelt" zusätzliche Maßnahmen ergriffen. So werden in den Bipa-Filialen, die für die Ausgabe der Testkits zuständig sind, acht Sets pro Person und Woche ausgegeben, teilte das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA mit. Bisher waren vier Stück die Höchstgrenze. Auch die städtischen Jugendzentren sowie Organisationen, die Sommerlager veranstalten - also etwa die Pfadfinder oder die Jungschar - werden mit Kits ausgestattet.

Zudem seien die "Alles Gurgelt"-Befunde nun vollständig auf den Grünen Pass umgestellt, wurde betont. Die EU-konformen Testzertifikate würden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern automatisch zugestellt, was das Reisen ins EU-Ausland erleichtere. Der Stadtrat selbst hat wie zuvor der Bürgermeister die Kritik von Köstinger heute zurückgewiesen. "Die Frau Köstinger verwechselt offensichtlich die Pandemie mit einem Jungscharlager der Jungen ÖVP", sagte Hacker im Ö1-Mittagsjournal. Die Ministerin habe sich schon als "ausgezeichnete Virologin" bekannt gemacht, als sie im Vorjahr den Burggarten gesperrt habe. Er schicke ihr gerne einen Experten, der ihr erkläre, was eine Pandemie sei, sagte Hacker.

Auch Wiener ÖVP kritisiert verschärfte 3G-Regeln in Wien

Die Wiener ÖVP ließ unterdessen am Donnerstag ebenfalls kein gutes Haar an der Maßnahme. "Der Zick-Zack-Kurs Wiens bei den Corona-Maßnahmen der Stadt wird offenbar auch über den Sommer fortgesetzt. Eine klare Linie ist hier seit Anbeginn der Pandemie nicht erkennbar", kritisierte die nicht amtsführende Stadträtin Bernadette Arnoldner in einer Aussendung. Die Vorschriften würden Familien und ihren Kindern viel Kraft und Nerven kosten. Wiens FP-Chef Dominik Nepp erzürnte sich über eine "Sabotage" der Lockerungsverordnung des Bundes durch das Wiener Vorgehen.

Der katholische Familienverband Wien kritisiert die Änderungen ebenfalls. Familien müssten ent- und nicht belastet werden. "Eltern haben sich nach den Strapazen der letzten Monate Erleichterungen verdient. Stattdessen verschärft die Stadt Wien die Gangart und bürdet Eltern noch mehr auf", beklagte Barbara Fruhwürth, die Vorsitzende des Verbandes. Der Besuch der Ferienbetreuung werde ebenso erschwert wie ein spontaner Ausflug ins Schwimmbad oder in den Eissalon. Sie forderte unter anderem die Einrichtung einer "Fast Lane" für Kinder bei Teststraßen.

(APA/Red)

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