Lkw-Abbiegeassistent: Wien testet, Hofer fordert Fahrverbote

Verkehrsminister Hofer sieht keien rechtliche Grundlage für verpflichtende Abbiegeassistenten.
Verkehrsminister Hofer sieht keien rechtliche Grundlage für verpflichtende Abbiegeassistenten. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Obwohl ein verpflichtender Abbiegeassistent bei Lkws österreichweit als nicht umsetzbar abgetan wurde, testet die MA48 weiter bei ihren Müllautos. Der Teufel liegt aber wie so oft im Detail.
Sicherheitsgipfel für Lkws
SPÖ fordert Nachrüstungen

Die Wiener Magistratsabteilung 48 testet derzeit unterschiedliche Systeme von Abbiegeassistenten an Müllabfuhr-Lkws – und ist mit keinem restlos zufrieden. Das haben Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und MA-48-Chef Josef Thon bei der Präsentation der Geräte am Mittwoch betont. Die Produkte unterschiedlicher Hersteller funktionieren entweder mit Sensoren oder mit einer Bilderkennungssoftware.

Abbiegeassistenten noch nicht ausgereift

“Der Teufel liegt im Detail”, berichtete Thon heute über die ersten Erfahrungen. Prinzipiell funktionieren alle Geräte – jedoch nicht nur dann, wenn tatsächlich Gefahr droht. So reagiert das System mit Bilderkennung unter bestimmten Umständen sogar auf den Schatten des eigenen Fahrzeuges. Andere wiederum beginnen zu piepsen, wenn größere Büsche – also sich nicht bewegende Objekte – ins Blickfeld geraten. Und ein Spezialproblem bei Müllgefährten: Auch vor Personen, die mit einer Mülltonne vorbeigehen, um sie zum Fahrzeug zu bringen, wird mitunter gewarnt.

Die Assistenten kosten pro Stück rund 3.000 Euro – was laut Thon im Vergleich zu den Anschaffungskosten der Fahrzeuge (jeweils rund 200.000 Euro, Anm.) relativ gering sei. Der jüngste Gipfel im Verkehrsministerium wurde als “konstruktiv” bezeichnet. Nötig seien jedoch – bevor an eine rechtliche Verpflichtung zum Einbau gedacht werde – verbindliche Vorgaben.

Hofer verteidigt Ergebnis des Gipfels

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) hat das Ergebnis des gestrigen Lkw-Sicherheitsgipfels erneut verteidigt. Einen Abbiegeassistenten vorzuschreiben sei derzeit europarechtlich noch nicht umsetzbar, betonte er am Mittwoch im Pressefoyer nach dem Ministerrat.
Hofer erklärte, dass in der EU Fahrzeuge nicht nur für ein Mitgliedsland zugelassen werden. Es sei daher europarechtlich nicht umsetzbar, dass ein Land allein eine spezielle Zulassung vorgibt. Möglich seien jedoch aufgrund der Straßenverkehrsordnung (StVO) Fahrverbote. Demnach könnte an gefährlichen Kreuzungen differenziert werden, Fahrzeuge “mit totem Winkel” sollen dort nicht mehr abbiegen dürfen. Damit könnte man eine europarechtskonforme Lösung umsetzen, meinte der Minister.

Experte: Abwälzen der Verantwortung auf Kommunen

Die Erwartungen an den Lkw-Gipfel waren hoch, die Enttäuschung über das Ergebnis im Anschluss groß. Das Ziel, eine verpflichtende Einführung eines Abbiegeassistenten für Lkw, wurde nicht erreicht. Doch solche “Lkw-seitige Maßnahmen wären vielfach wirkungsvoller als punktuelle Maßnahmen”, sagte Ulrich Leth, Verkehrsplaner an der TU-Wien und Mit-Initiator einer privaten Petition am Mittwoch.”Das Problem sind nicht einzelne Kreuzungen, das Problem geht vielmehr vom Lkw aus”, sagte Leth. Hofer kündigte auch an, dass bei Kreuzungen sogenannte Trixispiegel angebracht werden sollen. Diese werden bereits bei unübersichtlichen ungeregelten Kreuzungen verwendet, “dass man ums Eck sieht”, sagte Leth. Mit diesen Konvexspiegel sollen die Sichtverhältnisse verbessert werden, Lkw-Lenker damit den toten Winkel einsehen können. “Diese sind nicht unumstritten. In Berlin etwa werden sie nicht empfohlen”, sagte Leth.

Dadurch hätten Lkw-Lenker neben den sechs Spiegeln am Fahrzeug noch einen zusätzlichen Spiegel, in den geschaut werden muss. “Dazu kommt das Problem, dass sie nur vor dem Wegfahren eine Hilfestellung bieten, sobald der Lkw in eine Kurve eingebogen ist, bringt er nichts mehr”, erläuterte der Verkehrsexperte. Probleme könnten auch witterungsbedingt entstehen, etwa wenn Spiegel zufrieren. “Und bei Dunkelheit sind sie völlig wirkungslos”, sagte Leth.

(APA/red)

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