Liederbuchaffäre in der Steiermark: Blaues Ringen um Distanzierung

Die FPÖ distanziert sich von dem Liederbuch, Wolfgang Zanger jedoch nicht.
Die FPÖ distanziert sich von dem Liederbuch, Wolfgang Zanger jedoch nicht. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Wolfgang Zanger und die steirische FPÖ ringen in der Liederbuch-Affäre um Distanzierung. Während der Abgeordnete zunächst mitteilte, sich deswegen "niemals" zu schämen, schickte die FPÖ Donnerstagfrüh eine Aussendung.
Neue Liederbuch-Affäre vor Steiermark-Wahl

In der Aussendung der FPÖ hieß es, Zanger lehne "jede Form des Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus entschieden ab".

Zanger: "Dafür werde ich mich niemals schämen"

Zanger selbst hatte sich noch Mittwochabend auf Facebook kämpferisch gezeigt: "Zur Abwechslung darf ich mal wieder herhalten als Feind Nummer 1. Aber entgegen aller Erwartungen stehe ich dazu: 'Ja, ich habe dieses Buch vor Jahren als Geschenk erhalten.' Und 'Nein, ich habe diese 444 Seiten NICHT in einer Abendlektüre genossen.' ... Aber das sind Lieder, die meine Eltern gesungen haben. Dafür werde ich mich NIEMALS schämen und auch nicht rechtfertigen!!!"

In der "Kleinen Zeitung" (Donnerstagausgabe) sagt der Abgeordnete, er habe das Liederbuch 2005 von einem älteren Mitglied seiner Verbindung geschenkt bekommen. "Seither liegt es bei mir daheim, verstaubt, ungelesen und nicht gebraucht", so Zanger. Er werde sich davon nicht distanzieren, weil er es nicht geschrieben habe. Weggeben wolle er das Buch aber auch nicht, "weil mir die Person, die es mir damals gegeben hat, etwas wert ist".

FPÖ Steiermark distanziert sich von Liederbuch

Die FPÖ Steiermark dagegen - die in knapp drei Wochen bei der Landtagswahl um eine Regierungsbeteiligung kämpft - distanzierte sich deutlich von dem Buch: "Die in den Medien publizierten Passagen sind widerlich und werden von den Freiheitlichen kategorisch abgelehnt. Dass ein solches Schriftstück drei Wochen vor der Wahl auftaucht, hat System und dient nur einem Zweck: Der FPÖ zu schaden und sie in ein schiefes Licht zu rücken."

Die FPÖ Steiermark könne weder für Liederbücher, mit deren Verfassung sie überhaupt nichts zu tun hat, "noch für das Wirken von eigenständigen Vereinen zur Rechenschaft gezogen werden". Man wolle im Übrigen gegen Verleumdungen jeglicher Art rechtlich vorgehen.

Donnerstagvormittag folgte dann eine weitere Aussendung der FPÖ, in der auch Zanger betonte, "jede Form von Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus" abzulehnen. Er sei weder Urheber, noch habe er sonst zu den darin abgedruckten Texten eine inhaltliche Nähe. "Die ganze Angelegenheit hat mit der FPÖ nichts zu tun. Ein Geschenk, das ich vor vielen Jahren erhalten habe, macht weder mich noch die FPÖ inhaltlich dafür verantwortlich", so Zanger.

Kurz findet Texte "extrem widerlich"

In der Causa steirisches Liederbuch hat sich am Donnerstag auch VP-Obmann Sebastian Kurz kritisch zu Wort gemeldet. Vor Beginn der Sondierungen mit den Grünen bezeichnete er die Liedtexte als "extrem widerlich". Sie seien "zutiefst antisemitisch" und enthielten zudem eine Verächtlichmachung der Bundeshymne und damit Österreichs. Als Mensch und Patriot lehne er das ab.

Hofer soll in FPÖ "endlich aufräumen"

ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer forderte FPÖ-Obmann Norbert Hofer am Donnerstag auf, von seinem Durchgriffsrecht Gebrauch zu machen und in seiner Partei "endlich aufzuräumen". "Antisemitismus, egal in welcher Form, hat in Österreich absolut keinen Platz. Im FPÖ-Umfeld sind bereits zum wiederholten Mal antisemitische Liedtexte aufgetaucht, hier kann der Parteichef nicht mehr tatenlos zusehen", teilte Nehammer per Aussendung mit. "Norbert Hofer ist jetzt gefordert. Er muss für volle Aufklärung und auch für Konsequenzen sorgen. Der FPÖ-Chef sollte sofort von seinem Durchgriffsrecht Gebrauch machen und in seiner Partei aufräumen", forderte Nehammer. Parteichef Hofer hat sich bisher nicht zu der Affäre geäußert.

(APA/Red)

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