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Leere und stille Innenstadt am Tag nach dem Anschlag in Wien

Polizeipräsenz am Tag nach dem Anschlag im Bereich des Tatorts in der Wiener Innenstadt
Polizeipräsenz am Tag nach dem Anschlag im Bereich des Tatorts in der Wiener Innenstadt ©APA/ROLAND SCHLAGER
Stille, menschenleere Straßen, kaum geöffnete Geschäfte, wenig genutzte Öffis: Dieses Bild bot sich bei einem Lokalaugenschein Dienstagfrüh in der Wiener Innenstadt nach dem Anschlag vom Vorabend.
Eindrücke vom Tag nach dem Anschlag
"Bleiben Sie wenn möglich zu Hause"
Keine Schulpflicht am Dienstag


Im Herzen von Wien hat am Dienstagvormittag betroffene Stille geherrscht. Auf den ersten Blick erinnerte die gespenstische Kulisse an den ersten Corona-Lockdown, wären da nicht unzählige schwer bewaffnete Polizisten gewesen, die martialisch unterstrichen, in welchem Ausnahmezustand sich die Innenstadt befand.

Wenige Menschen unterwegs - bedrückte, angespannte Stimmung

Viele Menschen halten sich in Wien offenbar an den Aufruf, auch am Tag nach dem Anschlag zuhause zu bleiben und nicht rauszugehen. In den U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen herrschte oft völlige Stille. Auch in den wenigen offenen Geschäften im ersten Bezirk war sehr wenig los.

Nur selten sind Menschen anzutreffen und Gespräche zu vernehmen. Und wenn, dann geht es meist um die Geschehnissen des Vorabends. Die Stimmung wirkt bedrückt und angespannt.

Betroffene Stille im Herzen der Innenstadt

Obwohl der Handel von dem seit Dienstag geltenden zweiten Lockdown ausgenommen ist, waren nur vereinzelt Geschäfte geöffnet. Es gab aber auch keinen Grund, offen zu halten, wer nicht unbedingt musste, blieb der Innenstadt fern.

Am Vormittag hatte sich noch kein Punkt herauskristallisiert, an dem Menschen mit Kerzen und Blumen ihrer Betroffenheit Ausdruck verleihen konnten. Zu tief war zunächst die Verunsicherung der Bevölkerung, um sich dem Tatort auch nur zu nähern. Im Wiener Stephansdom betete eine Handvoll Gläubige - bewacht von Polizisten mit Maschinenpistolen vor dem Dom.

Sperren rund um den Tatort in der City

Der Tatort war von der Polizei weiterhin weiträumig abgesperrt. Die Stimmung blieb nervös: Schon ein verdächtiger Gegenstand reichte aus, um wieder in den Alarmmodus überzugehen. Schaulustige gab es am Vormittag keine, lediglich Berichterstatter hielten sich in der Nähe der Ruprechtskirche auf.

Die Partyzone, in der die Feiern und das Ausgehen kurz vor dem zweiten Lockdown mit dem schlimmsten Terroranschlag der jüngeren Geschichte Österreichs ein blutiges Ende fanden, war zur offenen Wunde der Stadt geworden.

Kunden bleiben aus - Zeitungen nicht geliefert

"Ich habe Angst und bin froh, dass ich bald wieder nachhause kann", sagte die Verkäuferin einer Bäckerei nahe der U-Bahn-Station Schottentor der APA. Sie arbeitet in einem der wenigen Geschäfte in der Innenstadt, die am Dienstagvormittag geöffnet haben. "Es kommen kaum Menschen, es ist sehr wenig los", erzählte auch die Verkäuferin im Geschäft daneben. Auch sie fühlt sich unsicher, wie sie selbst sagte. Kunden gab es heute laut ihr deutlich weniger als normal.

In einer gegenüberliegenden Buchhandlung ist ebenfalls nur eine Verkäuferin anzutreffen. "Es war bisher noch kein einziger Kunde da", sagte sie. Am heutigen Tag, so vermutete sie, würden wohl kaum Menschen einkaufen gehen. "Wir können froh sein, dass es uns so gut geht", sagte sie, während sie vor einem leeren Regal saß, in dem normalerweise Tageszeitungen liegen. Denn diese wurden heute erst gar nicht geliefert.

Nach Anschlag in Wien: Menschenleere und Betroffenheit

Einer der wenigen Taxifahrer, der in der Innenstadt unterwegs ist, schildert ebenfalls völlige Menschenleere. "In zwei Stunden hatte ich erst zwei Fahrgäste", sagte er. Auf die Frage, wie er sich gerade fühle, antwortete er nur mit "ganz schlechter Tag".

In manchem Wiener Grätzel eine Art gespenstischer Normalität

"Ja normal kennt man das halt nur aus dem Fernsehen", sagt eine verunsichert wirkende Supermarktangestellte, als sie auf einer Leiter steht, Produkte einschlichtet und sich mit einer ihr offensichtlich bekannten Einkäuferin unterhält. "Schrecklich, schrecklich. Wie soll das alles nur weitergehen?", fragt die Bekannte traurig. Die Szene spielt sich im Wiener Stuwerviertel ab, nur einen guten Kilometer vom Schwedenplatz in entfernt, einem der Schauplätze des Anschlags.

Der Weg zum Supermarkt? Der war geprägt von einer - angesichts des gerade erst erfolgten Anschlages - fast gespenstisch wirkenden Normalität. Vielleicht etwas weniger los war in den Gassen in diesem Bereich der Leopoldstadt. Ein Vater trug seine kleine Tochter auf den Schultern vom Kindergarten nach Hause. Aus dem Prater kreuzte eine ältere Nordic-Walkerin. Autos von Handwerkern waren unterwegs.

Szenen aus Wiener Supermarkt

Der Supermarkt war sehr gut besucht, die Arbeiter der Umgebung deckten sich mit Leberkäsesemmeln und Co ein, einige holten ihren Großeinkauf für den Lockdown nach, ältere Damen klaubten wie üblich an der Kassa unter Hilfe der Kassierin die letzten Cents für die Bezahlung ihres Einkaufs hervor.

Schüler waren keine zu sehen. Normalerweise kaufen sie sich um diese Uhrzeit rund um die Mittagszeit auch schon einmal eine Jause. Ob sie, wie es heute, Dienstag, am Tag nach der tödlichen Terrorattacke, erlaubt war, zu Hause waren oder doch die Schulbank drückten, blieb aber offen.

Die Bordelle, die es in dieser Gegend auch gibt, waren zu. Bei den Gasthäusern, die nur mehr Gassenverkauf tätigen oder liefern dürfen, tat sich zumindest vorerst gar nichts. Das war dem gerade begonnenen Corona-Lockdown geschuldet.

(APA/Red)

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