Langzeit-Impfstrategie gegen Coronavirus gefordert

Coronavirus: Forscher plädieren für Langzeitstrategie zur Immunisierung.
Coronavirus: Forscher plädieren für Langzeitstrategie zur Immunisierung. ©APA
In Österreich ebbt die Omikron-Welle, die viele Infektionen mit sich zog, deutlich ab. Derzeit sind durch Erkrankung und Impfung relativ viele Personen immunisiert - dieser Anteil geht mit der Zeit aber ebenso zurück. Gefordert wird nun eine "Langzeit-Impfstrategie" gegen das Coronavirus.

In einer aktuellen Zusammenfassung des Wissensstandes zu der dominanten SARS-CoV-2-Variante plädieren Siegfried Eisenberg und Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) daher für eine längerfristige Strategie zur Immunisierung.

Omikron kann Impfung bzw. Genesung deutlich besser umgehen

Dass Omikron die Infektionszahlen derart anschwellen ließ, lag daran, dass es die durch Impfung oder überstandene Krankheit aufgebaute Immunabwehr deutlich besser umgehen konnte als die Delta-Variante. Vereinfacht gesagt gab es für Omikron mehr potenzielle Opfer als für Delta, "wo die Impfungen effektiver waren", halten die beiden Forscher in ihrem "Policy Brief" fest.

Der Corona-Impfschutz bei Omikron und Delta

So zeigte sich bald nach den ersten Nachweisen der neuen Variante im November 2021, dass der Impfschutz nach dem zweiten Stich nur zwischen 55 und 65 Prozent betrug und rasch abnimmt: Sechs Monate nach der zweiten Dosis beträgt er laut den von Eisenberg und Czypionka komprimierten Studienergebnissen nur zehn bis 25 Prozent. Wer die dritte Dosis erhalten hat, kann mit einer höheren Schutzwirkung rechnen, die aber ebenfalls im Zeitverlauf abzunehmen scheint. Genesene und geimpfte Personen scheinen relativ gut geschützt.

Zum Glück erwiesen sich erste Berichte als richtig, dass Omikron-Infektionen im Vergleich zu anderen Varianten im Schnitt zu deutlich weniger Hospitalisierungen und Todesfällen führen. Kaum Studien liegen zu Intensivbettenbelegungen oder Todesfällen von Menschen vor, die zumindest zwei Impfungen erhalten haben. Das liege daran, dass solche Fälle kaum auftraten, meinen die Wissenschafter. So erklärt sich auch, wie Länder wie Österreich mit sehr hohen Infektionszahlen durch die vergangenen Monate kommen konnten, ohne dass die Spitäler zumindest im Intensivbereich an die Belastungsgrenzen kamen.

Erst nach dritter Impfdosis "volle Impfung"

Aufgrund der Befunde erscheint es für Eisenberg und Czypionka angebracht, erst nach Erhalt der dritten Impfdosis von "voller Impfung" zu sprechen. Für das Gesundheitssystem bleiben Immunisierungslücken in der bekannten Risikogruppe - sprich: Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und ältere Personen - unter Omikron-Bedingungen insgesamt das größere Problem. Allerdings dürfe man nicht vergessen, wie sich die Wahrscheinlichkeit einer Infektion auch in Risikogruppen erhöht, wenn in der jüngeren Bevölkerung das Virus in hohem Ausmaß grassiert. Daher sei es weiter problematisch, wenn auch viele geimpfte Personen infiziert werden.

Daher sollten die Länder weiter genau im Auge behalten, wie hoch die Immunitätsraten über die Zeit hinweg sind. Die gleichzeitig international und auch hierzulande deutlich reduzierten Maßnahmen zur Eindämmung, wie Maskentragen oder die 3- bzw. 2G-Regeln, machen es laut den Autoren des Berichts weiter notwendig, die Omikron-Verbreitung und das Auftreten etwaiger neuer SARS-CoV-2-Varianten genau zu beobachten.

Langzeit-Impfstrategie gefordert

Mit Blick auf eine nächste Welle sollte der Anteil an Menschen, die für eine Infektion empfänglich sind, weiter möglichst gering gehalten werden. Da drei erhaltene Impfdosen sich bisher als guter Schutz gegenüber neuen Varianten erwiesen haben und die aufgebaute Immunität über die Sommermonate abnehmen wird, brauche es "eine Langzeit-Impfstrategie", heißt es. Immerhin können Impfstoffe an neue Varianten angepasst werden. Nicht gesagt sei überdies, dass neue Viren-Untertypen nicht gefährlicher als die aktuell dominante Variante sein können.

(APA/Red)

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