Kurzarbeit: Luftfahrt stehen noch harte Jahre bevor

Die AUA musste mit Steuergeld gerettet werden.
Die AUA musste mit Steuergeld gerettet werden. ©JOE KLAMAR / AFP
Die Luftfahrtbranche wurde wie kaum eine andere von der Coronakrise getroffen. Den Airlines ging förmlich das Geld aus, die Rückkehr zum Status Quo dürfte noch Jahre dauern,

Die Airlines sind seit dem Ausbruch in China von den Folgen des Coronavirus betroffen gewesen. Sie spürten die Auswirkungen noch bevor auch Europa von der Pandemie erfasst wurde. Und sie werden die schwache Nachfrage wohl länger spüren als viele andere Branchen. Womöglich wird sich der Flugverkehr dauerhaft verändern. Große Hoffnungen setzen die Fluggesellschaften und Flughäfen in den heurigen Sommer, sollte dieses Geschäft ausfallen, drohen noch größere Risse.

AUA musste gerettet werden

"Die Lage ist dramatisch immer noch für uns", sagte der Chef der AUA-Mutter Lufthansa Carsten Spohr diese Woche beim SZ-Gipfel-Salon. Die AUA wurde vergangenes Jahr mit 600 Mio. Euro gerettet, davon mit 450 Mio. Euro aus der Staatskassa. Der Mutterkonzern Lufthansa musste ebenfalls staatlich aufgefangen werden. Die Lufthansa sowie eigentlich alle anderen Airlines auch konnten oder wollten im Frühjahr ihre Kunden nicht für bereits bezahlte Tickets entschädigen. Erst mit dem Staatsgeld auf den Firmenkonten flossen die Erstattungszahlungen für abgesagte Flüge.

In Österreich stellten sowohl die AUA als auch die Ryanair-Tochter Lauda ihren Flugbetrieb für gut drei Monate ein. Seither führen sie deutlich weniger Flüge durch als vor der Krise. Bei der AUA stehen nach wie vor ein paar Dutzend Flieger ungebraucht herum. Bei Lauda löste man die Gesellschaft in Wien auf und gründete in Malta die Lauda Europa. Statt zehn Fliegern dürften heuer im Sommer nur fünf abheben. Mit der in die Pleite geschlitterten Fluglinie Level forderte die Pandemie vergangenes Jahr auch bereits ihr erstes Opfer.

Piloten in Kurzarbeit

Die Krise traf auch die Piloten und Flugbegleiter, die seit einem Jahr in Kurzarbeit sind. Vor allem die Cockpitcrews müssen schauen, dass sie ihre Flugstunden schaffen um die Fluglizenz zu erhalten. Deshalb zählen zur Zeit auch Simulatorstunden als Flugzeit. AUA und Flughafen Wien sagen, die werden Kurzarbeit noch sehr lange, also Jahre, brauchen.

Der Flughafen Wien fertigte 2020 wegen der Coronakrise um 75 Prozent weniger Fluggäste ab als 2019. Die stärksten Passagierrückgänge verzeichnete der Airport mit über 99 Prozent weniger Reisenden im April und Mai 2020, aber auch in den Monaten Juni, November und Dezember betrug das Minus über 90 Prozent. Am schwächsten Tag des Jahres, dem Ostermontag am 13.4.2020, frequentierten gerade mal 154 Reisende das Terminalgebäude. Der Vorstand legte deshalb auch die Pläne für die dritte Piste auf Eis. Es würden vorerst keine weiteren Maßnahmen für die Realisierung getätigt, hieß es.

Rückkehr zur Normalität erst in zwei, drei Jahren

Laut dem internationalen Branchenverband IATA haben 2020 alle Fluggesellschaften zusammen einen Verlust von fast 120 Mrd. Dollar (100 Mrd. Euro) Verlust gemacht. Weltweit waren im vergangenen Jahr nur noch 1,8 Milliarden Menschen im Flugzeug unterwegs - nach 4,5 Milliarden Menschen 2019. Zuletzt waren es weltweit 2003 weniger Passagiere gewesen, damals knapp 1,7 Milliarden.

Eine genaue Prognose, wann die Normalität zurückkehrt, wagen derzeit aber nur wenige. "Frühestens 2023, aber eher 2024", so der Tenor aus Expertenkreisen. Bleibt die Frage, ob diese "Normalität" in der Luftverkehrs-Branche gleich aussehen wird wie vor der Corona-Pandemie. Während im Tourismus wohl ein globaler Nachholbedarf besteht, dürften Geschäftsreisen nachhaltig abnehmen. Auch politische Maßnahmen gegen den Klimawandel könnten die Branche auf dem Erholungskurs ausbremsen.

(APA/red)

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