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Kroatien: Reisewarnung sorgte für Hektik und Unverständnis

Reiseveranstalter hätten sich eine partielle Reisewarnung gewünscht.
Reiseveranstalter hätten sich eine partielle Reisewarnung gewünscht. ©APA/EXPA/JOHANN GRODER
Seit Mitternacht gilt die österreichische Reisewarnung für Kroatien. Bei Hoteliers und Urlauber sorgte die Ankündigung für Hektik und manches Mal auch Unverständnis.

Die Reisewarnung für Kroatien hat Urlauber und Reiseveranstalter gleichermaßen in Stress versetzt. Wegen stark steigender Fallzahlen bei Covid-19-Infektionen sprach das Außenministerium per Mitternacht die höchste Gefahrenstufe aus. "Die Reisewarnung kam überraschend, vor allem weil es durch das ganz Land geht", sagte der Präsident des Österreichischen Reiseverbands, Josef Peterleithner, zur APA.

Bei der Rückkehr nach Österreich muss man nun einen Corona-Test machen oder zehn Tage lang zu Hause in Quarantäne bleiben. "Es kam zu panikartigen Aufbrüchen, die zu Staus geführt haben - andere wiederum sagten, ich bin auf einer Insel oder einem Segelboot und gehe halt dann in Quarantäne", berichtete Peterleithner.

Partielle Reisewarnung gefordert

Der Tourismusexperte hätte eine partielle Reisewarnung für angemessen gehalten, statt pauschal dazu aufzurufen, das Land zu verlassen. Er ist verwundert, dass es keine regionale Differenzierung innerhalb Kroatiens gab wie etwa zuletzt etwa in Österreich mit St. Wolfgang oder in Spanien, wo auch zunächst Inseln wie die Balearen ausgenommen wurden. In Kroatien konzentrierten sich die Corona-Erkrankungen beispielsweise auf die Markarska Riviera und die Insel Pag - Istrien oder viele Inseln hätte man weiterhin normal bereisen können, so der ÖRV-Präsident und TUI-Austria-Prokurist auch mit Blick auf die vielen österreichischen Bootstouristen entlang der kroatischen Küste.

"Ich habe im ersten Moment gedacht, warum für das gesamte Land und keine partielle Reisewarnung", merkte auch Verkehrsbüro-Group-Vorständin Helga Freund im Gespräch mit der APA an. "Eher die Minderheit fährt trotzdem", erzählte die Vorständin des größten heimischen Tourismuskonzerns, zu dem auch der Reiseanbieter Eurotours und die Ruefa-Reisebüros gehören.

Keine Schnäppchen im Herbst

Wer jetzt frisch bucht, kann allerdings noch nicht auf Billigangebote hoffen: "Ich hätte jetzt noch keine neuen Preise für Kroatien gesehen - wir werden jetzt nicht die Situation ausnutzen und die Preise nachverhandeln, wir warten mal bis Ende August ab, ob die Reisewarnung bestehen bleibt oder aufgehoben wird", erklärte Freund. "Sollte sich die Situation entspannen, dann würden wir sicher nochmal mit Angeboten für Sommerverlängern in Kroatien rausgehen, aber die gibt es jeden Herbst."

Kroatien ist dem Österreichischen Reiseverband zufolge mit 1,5 Millionen Gästen und 7,6 Millionen Nächtigungen aus Österreich nach Italien die wichtigste Urlaubsdestination im Ausland.

"Es ist bei manchen schon Unmut da, aber die Kunden sind relativ flexibel geworden, wie wir alle", berichtete Freund von den unzähligen Kontaktaufnahmen mit Urlaubern vor Ort, die noch am Freitag kurz nach Ankündigung der Reisewarnung durch die Regierung zu Mittag notwendig wurden.

Die meisten scheuten nun vor neuen Kroatien-Buchungen zurück - unter anderem aus Sorge, "was meine Firma sagt, wenn ich dahin fahre". "Wir offerieren Alternativen in Italien, Österreich oder Ungarn", so Freund. "Wenn der Kunde trotzdem Kroatien bucht, weiß er, was er tut."

Urlauber, die eine Pauschalreise über ein Reisebüro oder Reiseveranstalter gebucht hätten, seien nun gegenüber Individualreisenden im Vorteil, da sie mit Bestehen der Reisewarnung kostenlos umbuchen oder stornieren könnten, betonte Peterleithner. Das ist gesetzlich in der Pauschalreiserichtlinie verankert. Wer selber mit dem Auto anreist und ein Hotelzimmer gebucht hat, hat hingegen kein Anrecht auf ein Gratis-Storno und ist nun auf die Kulanz des Beherbergungsbetreibers angewiesen. Denn dieser stellt seine Leistung nach wie vor zur Verfügung, der Kunde muss nach seinem Aufenthalt nur Corona-Bürokratie einhalten.

Kostenlose Stornierungen bei TUI

Österreichs größter Reiseveranstalter TUI lässt jetzt "für die nächsten Wochen" kostenlos stornieren. "Für die nächsten Wochen, deshalb weil wir abwarten und weil die Reisewarnung ja vielleicht wieder aufgehoben wird", sagte Peterleithner.

Bei einer Reisewarnung kann der Kunde zurücktreten, wenn die Reise "zeitnah" ist. Besteht etwa eine Reisewarnung für das spanische Festland, kann er nicht auch aus Sorge einen Balearen-Aufenthalt gratis stornieren. "Angst ist kein Stornierungsgrund", erklärte der Reiseexperte die Rechtslage.

Urlauber, die aus einer Destination mit Reisewarnung nach Österreich zurückkommen, müssen entweder bei der Einreise ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen, das einen negativen PCR-Test bestätigt, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegen darf; oder sie fahren über die Grenze nach Hause und machen dort umgehend (innerhalb von 48 Stunden) in einem Krankenhaus oder Testzentrum die vorgeschriebene standardisierte Untersuchung und müssen dann daheimbleiben, bis das Ergebnis vorliegt; oder sie machen keinen Test und bleiben zehn Tage lang in Heimquarantäne.

Von Sonntag auf Montag trat eine vom Außenministerium verhängte Reisewarnung für Kroatien in Kraft, die seitens der Bundesregierung zur Eindämmung der Weiterverbreitung des Coronavirus für erforderlich gehalten wird. Zuletzt war rund ein Drittel der insgesamt angestiegenen Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 in Österreich auf einen Reisebezug zurückzuführen. Hauptsächlich hatten Kroatien-Urlauber das Virus eingeschleppt.

Kroatischer Botschafter für partielle Reisewarnung

Der kroatische Botschafter in Wien, Daniel Glunčić, hat gegenüber der APA die seit Mitternacht geltende coronabedingte Reisewarnung für Kroatien als "Blitzentscheidung" bezeichnet, die Kroatien sowie die zurückkehrenden Urlauber vor eine enorme Herausforderung gestellt habe. Eine partielle Reisewarnung wäre leichter zu meistern gewesen, so Glunčić.

Die Schnelligkeit der Entscheidung habe alle schockiert. Nicht einmal innerhalb von 24 Stunden sei diese gefallen. Seitdem hätten sie intensive Gespräche mit den österreichischen Kollegen gestartet, insbesondere mit dem Gesundheitsministerium, welches großes Verständnis gezeigt habe. "Wir hoffen wirklich, dass diese Entscheidung nochmal überdacht wird zu gegebenem Zeitpunkt und dass man doch auf eine partielle Reisewarnung eingeht, das hoffen wir sehr", betonte Glunčić. Die partielle Reisewarnung sieht er auch auf europäischer Ebene als Lösungsansatz für etwaige Probleme im Herbst.

"Kurzfristige Erhöhung"

In Kroatien sei es zu einer "kurzfristigen Erhöhung" der Infektionszahlen gekommen. Die Situation sei aber nicht viel schlechter oder besser als woanders, wo es steigende Zahlen gebe. Zusätzliche Maßnahmen würden eingeführt werden, allerdings nicht für das gesamte Land, sondern für entsprechende Gebiete bzw. Verwaltungsbezirke. Im Grunde genommen gehe man auch in die Richtung eines Ampelsystems wie in Österreich.

Seit Mitternacht gilt die am vergangenen Freitag beschlossene Reisewarnung für Kroatien. Diese hatte massive Auswirkungen für Besucher des Urlaubslandes, die zurückkehren wollten. Sie müssen nun einen negativen PCR-Test vorweisen, oder in Heimquarantäne bleiben und innerhalb von 48 Stunden ihre Testung über die Hotline 1450 veranlassen.

(APA/red)

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