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Konzept zur kostenlosen Sommerschule präsentiert

Bildungsminister Faßmann präsentierte das Konzept der Sommerschule.
Bildungsminister Faßmann präsentierte das Konzept der Sommerschule. ©APA/ROLAND SCHLAGER
In den letzten beiden Ferienwochen findet heuer erstmals eine Sommerschule für Kinder mit Aufholbedarf beim Unterrichtsstoff statt. Bis Mitte Juni müssen die Schüler angemeldet werden, die Teilnahme ist kostenlos.
Details zur Sommerschule präsentiert
Sommerschule mit Fokus auf Deutschförderung

Die Teilnahme an den in den letzten beiden Ferienwochen geplanten Sommerschulen soll als "Bonus" in die Bewertung der Mitarbeit des kommenden Schuljahrs einfließen. Das kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Freitag an.

Schwerpunkt der Maßnahme wird Deutschförderung sein, die Teilnahme ist für Schüler grundsätzlich freiwillig.

Schüler mit Deutschproblemen als Zielgruppe

In den kommenden Tagen soll per Elternbrief an Volksschulen sowie Sekundarstufe eins (v.a. Neue Mittelschule und AHS-Unterstufe) über das Angebot informiert werden. Zielgruppe sind außerordentliche Schüler bzw. Schüler, die in Deutsch zwischen vier und fünf stehen oder die aufgrund der vergangenen Monate einen besonderen Aufholbedarf haben. Ausschlaggebend ist die "Empfehlung" des Klassenlehrers bzw. der Schulleitung. Faßmann schätzte die potenzielle Zahl der in Frage kommenden Schüler auf 40.000 bis 42.000.

Bis Mitte Juni müssen die Schüler für die Sommerschule bei den Bildungsdirektionen angemeldet werden, mit der Anmeldung wird die Teilnahme für die vollen zwei Wochen (Wien, NÖ, Burgenland: 24.8. bis 4.9., restliche Länder: 31.8. bis 11.9.) verpflichtend. Die Bildungsdirektionen organisieren dann die Standorte und teilen die Plätze zu.

Kostenlose Teilnahme, Unterricht durch Studenten

Die Sommerschule findet jeweils am Vormittag (8.00 bis 12.00 Uhr) statt, die Teilnahme für die Schüler ist kostenlos. Unterrichtet wird von Lehramtsstudenten, die dafür (inklusive der Vor- und Nachbereitungskurse) fünf ECTS-Punkte für ihr Studium erhalten - für Faßmann eine "Win-Win-Situation", da in den vergangenen Wochen vielfach die schulpraktischen Lehrveranstaltungen entfallen seien.

An jedem Standort soll es zudem mindestens einen Lehrer geben, der als Mentor und Begleiter der Studenten fungiert. Für die Pädagogen ist dies freiwillig, sie erhalten dafür eine Art Überstundenabgeltung. Finanziert werde dies an den Pflichtschulen aus dem Kontingent der vom Bund an die Länder zugewiesenen Dienstposten, so Faßmann.

Teilnahme an Sommerschule soll in Mitarbeit einfließen

Die Sommerschule soll dabei "kein Paukerkurs" oder simpler Deutschunterricht sein, betonte der Minister. Für den in Gruppen von acht bis 15 Kindern stattfindenden Unterricht soll es eine Art roten Faden oder gemeinsames Projekt geben - am Ende könne eine Aufsatzsammlung, ein kleines Theaterstück oder eine Reportage auf Facebook oder Instagram stehen, so Faßmann. "Man geht auf die Schüler zu, holt sich Fragen ab, erweitert im Rahmen der Gespräche Grammatik und Wortschatz."

Neben den Kindern mit Deutschförderbedarf sollen auch ausgewählte gute Schüler als "Buddies" an den Sommerschulen teilnehmen können. Diese sollten etwas älter sein und erhalten laut Faßmann eine Anerkennung wie Buchgutscheine oder Ähnliches, auch für die Mitarbeitsbewertung falle "automatisch" etwas ab.

Auch kostenlose Elternkurse mit Dolmetschern angekündigt

Zur Bereitstellung von Nachmittagsbetreuung wird ein mit einer Mio. Euro dotierter Sondertopf eingerichtet, aus dem etwa Gemeinden unterstützt werden - für diese sei es "eine Selbstverständlichkeit, in den zwei Wochen ein Angebot zu schnüren", betonte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.

Gleichzeitig sollen auch die Eltern "mitgenommen werden", so Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP). Für sie gibt es zwischen 22. Juni und Ende August kostenlose Elternkurse, die in Form von zwei- bis dreistündigen Abendveranstaltungen vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) durchgeführt werden. Darin sollen - bei Bedarf auch gedolmetscht - etwa der Stellenwert von Bildung, die Grundzüge des Bildungssystems, Bedeutung der Elternmitwirkung sowie Bildungs- und Fördermöglichkeiten für die Kinder erläutert werden.

Sommerschule für SPÖ und NEOS nur "erster Start"

Die SPÖ und die NEOS sehen die geplanten Sommerschulen als guten "ersten Start" bzw. "ersten Schritt". Darüber hinaus seien aber weitere Maßnahmen wie etwa durchgehende Förderkurse bzw. Nachhilfeangebote im Herbst nötig, hieß es in Aussendungen. Die Grünen freuen sich vor allem über das Tempo bei der Umsetzung.

Für SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid reichen die Sommerschulen "sicher nicht aus, damit jene Kinder, die im Home Schooling nicht erreicht werden konnten bzw. dadurch zurückgefallen sind, das wieder aufholen können". Ein Problem sei auch, dass mit Mathematik das nachhilfeintensivste Fach nicht angeboten werde. Im Herbst solle an den Schulen in Kleingruppen Lernförderung im Ausmaß von zwei Wochenstunden in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache angeboten werden.

Ähnlich auch die NEOS: Der Ansatz der Sommerschulen als "motivierendes Projekt anstelle eines defizitorientierten Paukerkurses" stimme sie optimistisch, meinte Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre. Allerdings: "Zwei Wochen Sommerschule werden nicht ausreichen, um die Versäumnisse von acht Wochen Corona-Shutdown aufzuholen, und schon gar nicht um die strukturellen Ungerechtigkeiten des Bildungssystems auszugleichen." Auch sie will im neuen Schuljahr durchgängige Förderkurse für alle Hauptfächer.

Die Grüne Bildungssprecherin Sibylle Hamann zeigte sich vor allem erfreut über das Tempo der Umsetzung der schon im Regierungsprogramm vorgesehenen Maßnahme: "Wir hatten gerechnet, dass es mindestens noch ein Schuljahr dauern würde." Die Corona-Krise habe hier beschleunigend gewirkt "und allen drastisch vor Augen geführt, wie dringend der Bedarf an einem derartigen Angebot ist".

Positiv sieht das Konzept auch die Industriellenvereinigung (IV). Allerdings müsse der Fokus auch auf andere Fächer als Deutsch ausgeweitet werden, außerdem brauche es eine umfassendere Betreuungsinitiative für den Sommer.

Summer City Camps der Stadt Wien finden ebenfalls statt

Unabhängig davon finden die Summer City Camps der Stadt Wien heuer plangemäß statt, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). In ihnen gibt es über den ganzen Sommer verteilt ebenfalls auch Lernförderung für Sechs- bis Zwölfjährige - neben Deutsch zusätzlich auch in Mathematik und Englisch (für die fünfte und sechste Schulstufe).

Wie man zusätzlich die grundsätzlich positiv zu wertenden Sommerschulen umsetze, müsse man sich nun im Detail ansehen. Vom Konzept her direkt in die Camps integrierbar seien sie eher nicht.

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(APA/Red)

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