Köstinger: Deutsche Reisewarnung für Österreich trifft vor allem Ungeimpfte

Elisabeth Köstinger ist der Ansicht, dass die deutsche Reisewarnung vor allem Ungeimpfte trifft.
Elisabeth Köstinger ist der Ansicht, dass die deutsche Reisewarnung vor allem Ungeimpfte trifft. ©APA/HANS PUNZ (Symbolbild)
Die Erklärung Österreichs zum Corona-Hochrisikogebiet durch Deutschland ist für die Tourismus- und Gastronbranche hierzulande eine Katastrophe.

Die Einschränkung trifft zwar in erster Linie ungeimpfte Gäste, das Problem für Österreich ist aber, dass sich Kinder unter zwölf Jahren in Deutschland immer in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen, unabhängig davon, welche Maßnahmen für die Eltern gelten. Damit könnte es dennoch Stornierungen hageln.

Touristiker befürchten Absagen von Urlaubern

Touristiker befürchten, dass Urlauber mit Kindern unter zwölf Jahren den Winterurlaub in Österreich nun absagen. "Österreich tut alles dafür, umso rasch wie möglich wieder von der Liste der Hochrisikostaaten gestrichen zu werden", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Freitag in einer Stellungnahme.

Deutsche Gäste, die in Österreich Urlaub machen, müssen ab 14. November bei der Heimfahrt neue Einreisebestimmungen beachten. Einreisende sowie Reiserückkehrer aus einem Hochrisikogebiet müssen sich vorab über www.einreisemeldung.de anmelden und ihren gültigen 3G-Nachweis über dieses Portal hochladen. Bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet müssen getestete Personen verpflichtend eine zehntägige Quarantäne antreten - diese kann nach dem fünften Tag durch ein "Freitesten" beendet werden.

Keine Quarantäne für Geimpfte

Geimpfte und Genesene sind von dieser verpflichtenden Quarantäne ausgenommen. "Der Unterschied zum Vorjahr ist, dass die Reisewarnungen heuer keine Einschränkungen für geimpfte Gäste bringen. Wer geimpft ist, kann jederzeit einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich verbringen", so Köstinger (ÖVP).

Für unter 12-jährige Kinder gilt das nicht, sie müssten bei der Rückreise in Quarantäne. Köstinger will sich hier für eine gleichlautende Regelung wie in Österreich einsetzen. Laut einer aktuellen Umfrage der Österreich Werbung, auf die das Tourismusministerium verweist, machen Familien mit Kindern unter 12 Jahren knapp 22 Prozent der deutschen Gäste aus.

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Corona-Politik steht in der Kritik

Die Oppositionsparteien haben zeitgleich mit der deutschen Reisewarnung für Österreich Kritik an der Corona-Politik vorgebracht. Die FPÖ ortet ein Versagen der Regierung und falsche Maßnahmen. Die NEOS vertreten die Ansicht, dass Unternehmen und der Mittelstand es ausbaden müssen, weil es der Regierung nicht gelungen sei, die Menschen zum Impfen zu bringen. Die SPÖ bemängelte, dass das Tourismusbudget kein Geld für Corona-Einahmenentfall beinhalte.

Trotz der aktuellen Coronalage in Österreich plane Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) keinen Cent für Coronahilfen für die Tourismusbetriebe von Hotels bis hin zur Gastronomie ein. Dies gleiche, angesichts der neuen Einstufung Österreichs als Hochrisikogebiet durch Deutschland bereits ab Sonntag, einer völligen Realitätsverweigerung, so SPÖ-Tourismussprecherin Melanie Erasim in einer Aussendung.

FPÖ-Tourismussprecher sieht "schwerwiegende" Konsequenz

FPÖ-Tourismussprecher Gerald Hauser erklärte, es sei "eine weitere negative und schwerwiegende" Folge der "faktenwidrigen Corona-Politik der Regierung", dass Österreich auf die Liste der Hochrisikogebiete gesetzt werde. "Da bahnt sich nun ein weiterer massiver Schaden für unseren Wirtschaftsstandort und unseren Tourismus an." Anstatt auch geimpfte Menschen zu testen, hätten ÖVP und Grüne weiter von einer Pandemie der Ungeimpften gesprochen, obwohl lange klar sei, dass die Impfung nicht vor einer Infektion und der Virusweitergabe schütze.

Dass Österreich erneut auf die Hochrisikogebiet-Liste Deutschlands komme, "geht ganz klar auf die Kappe der Bundesregierung", meinte NEOS-Tourismussprecherin Julia Seidl. Sie fürchtet, dass der Wintertourismus "Stück für Stück wegbrechen" wird. Die Tourismusbetriebe fühlen sich zurecht wieder vor den Kopf gestoßen. Sie hörten von "Lockdowns für Ungeimpfte" und würden merken, dass auch die Tourismusministerin nicht vorbereitet sei. Es seien keine effizienten Wirtschaftshilfen für künftige Schließungen vorbereitet, Köstinger habe im Budgetausschuss heute bestätigt, dass keine speziellen auf den Tourismus zielenden Maßnahmen vorbereitet oder geplant seien.

Gewerkschaft über Tourismus-Branche

Die Gewerkschaft vida meinte, die Tourismus-Branche werde die Mitarbeiter nicht halten können, wenn es keine Fixkostenzuschüsse für Beschäftigte und eine Perspektive für bessere Arbeitsbedingungen gebe. Mit der vierten Coronawelle drohe die nächste Abwanderungswelle von Arbeitskräften aus Gastro und Hotellerie, warnte Berend Tusch vom vida-Tourismus-Fachbereich. Die Sorgen und Existenzängste der Beschäftigten seien der Regierung immer völlig egal gewesen, verwies Tusch auf den schon im Frühjahr geforderten, aber weiter ausgebliebenen Fixkostenzuschuss für Beschäftigte. Komme der nicht, sei die Abwanderung aus der Branche vorprogrammiert.

(APA/Red)

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