Klima: Dieser Weg ist laut Wissenschaftern riskant

Klima: Wissenschafter stufen einen bestimmten Weg als riskant ein.
Klima: Wissenschafter stufen einen bestimmten Weg als riskant ein. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
Ein Großteil der aktuellen Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius lassen zu, was von Wissenschaftern im Fachjournal "Nature Climate Change" als riskant angesehen wird.
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Es geht um das Hinausschießen der globalen Temperatur über das Paris Klimaziel hinaus Mitte des Jahrhunderts und die spätere Sekung der Temperatur.

Eindämmung von Erderwärmung

Das Pariser Abkommen zielt darauf ab, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius einzudämmen und eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius anzustreben. Der Weg dorthin ist allerdings noch nicht klar. Die meisten Szenarien konzentrieren sich darauf, diese Ziele bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu erreichen und lassen dabei eine vorübergehende Überschreitung dieser Temperaturziele zu. Um von diesen höheren Temperaturen wieder auf die ursprünglichen Ziele zu gelangen, müssten sogenannte "Netto-Negativ-Emissionen" erreicht werden, also im großen Stil mittels Technologien aktiv Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen und gespeichert werden. Und es besteht die Gefahr, dass einige Auswirkungen der Erwärmung nicht umkehrbar sind.

Folgen von Erwärmungszielen

Diesem Dilemma widmen sich die beiden nun veröffentlichten Studien, die im Rahmen des vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien geleiteten Projekts "Exploring National and Global Actions to reduce Greenhouse gas Emissions" (ENGAGE) entstanden sind und an denen auch Wissenschafter des IIASA beteiligt waren. In der einen Arbeit haben die Forscher um Laurent Drouet vom European Institute on Economics and the Environment (EIEE) in Mailand (Italien) die wahrscheinlichen physikalischen und wirtschaftlichen Auswirkungen für verschiedene Erwärmungsziele und Überschreitungsgrade auf der Grundlage von neun globalen Bewertungsmodellen berechnet.

Teurerer Klimaschutz

"Unsere Studie zeigt deutlich, dass das Überschreiten der angepeilten Temperaturwerte die Wahrscheinlichkeit vieler kritischer physikalischer Auswirkungen beeinflusst", erklärte Drouet in einer Aussendung des IIASA. Die massivsten Auswirkungen würden sich bei den Hitzewellen zeigen, deren Dauer und Frequenz zunehmen würde, aber auch bei Ernteverlusten und Dürren. Zudem würde eine Überschreitung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sowohl zu höheren Kosten für den Klimaschutz als auch zu wirtschaftlichen Verlusten aufgrund weiterer Auswirkungen führen.

Kurzfristige Maßnahmen für das Klima

Wie man mit kurzfristigen Klimaschutzmaßnahmen dazu beitragen könnte, eine Überschreitung der globalen Temperaturen zu verhindern und die damit verbundenen Risiken zu verringern, zeigt die zweite, vom IIASA-Direktor für das Energie-, Klima- und Umweltprogramm, Keywan Riahi, geleitete Studie. Nach Ansicht der Wissenschafter wäre es viel besser, sich erst gar nicht auf das "gefährliche Terrain" zu begeben, das mit einer vorrübergehenden Überschreitung der Ziel-Temperaturen verbunden wäre. Denn die dann erforderlichen negativen Emissionen könnten sich als nicht durchführbar erweisen. Zudem würde selbst eine vorübergehende Überschreitung Gefahren wie Überschwemmungen und Waldbrände verstärken und könnte dem Klima und empfindlichen Ökosystemen dauerhaften Schaden zufügen.

Szenario einer schnellen Emissionssenkung

Dagegen wäre es bei raschen Emissionssenkungen in den nächsten Jahrzehnten nicht notwendig, netto-negativ zu werden: Stattdessen würden sich die globalen Temperaturen auf einem bestimmten Niveau einpendeln, etwa zu dem Zeitpunkt, an dem Netto-Null-Emissionen erreicht werden. Dies wäre nicht nur sicherer für den Planeten, sondern hätte auch langfristige wirtschaftliche Vorteile. "Vorabinvestitionen für eine rasche Umstellung auf ein globales Netto-Null-System zahlen sich langfristig aus", so Riahi. Die Wissenschafter prognostizieren, dass das globale BIP im Jahr 2100 um bis zu zwei Prozent höher sein wird, wenn eine Überschreitung der Grenzwerte vermieden wird.

(APA/Red)

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