Jonathan Safran Foer meldet sich mit neuem Roman zurück: "Hier bin ich"

Jonathan Safran Foer lässt Hauptfigur Jacob nach jüdischer Identität suchen und seine Ehe zerfallen
Jonathan Safran Foer lässt Hauptfigur Jacob nach jüdischer Identität suchen und seine Ehe zerfallen ©APA/AFP/NICHOLAS KAMM / Kiepenheuer & Witsch
Jonathan Safran Foer, der Autor von "Alles ist erleuchtet" (2002) und "Extrem laut und unglaublich nah" (2005), meldet sich nach elf Jahren mit einem Roman zurück. "Hier bin ich" ist unser Buch-Tipp der Woche.


“Hier bin ich” – den Titel von Jonathan Safran Foers neuem Buch kann man als Statement lesen. Es taugt auch als Motto seiner Hauptfigur Jacob Bloch, den Foer nach seiner jüdischen Identität suchen und den Zerfall seiner Ehe erleben lässt.

Das Scheitern einer Ehe: “Hier bin ich”

Jacob, 42, Autor einer Fernsehshow des Senders HBO, Vater dreier Söhne, seit 16 Jahren verheiratet mit der Architektin Julia, 43 – Foer nimmt den Leser mit in das Leben einer gut situierten amerikanischen Familie mit jüdischen Wurzeln. Es könnte alles gut sein – aber das ist es nicht. Jacob tauscht Sex-SMS mit einer Kollegin aus, Julia findet das heimlich dafür angeschaffte Handy und knackt mit Hilfe des ältesten Sohnes den Sperrcode.

“Wie hatten sie es geschafft, sich die letzten sechzehn Jahre hindurch voneinander zu entfremden? Wie hatte aus all der Anwesenheit Abwesenheit werden können?” Um diese Fragen kreisen Jacob und Julia. Und dass es am Ende kein Happy End geben wird, das lässt Foer immer wieder durchblicken: Es wird eine Zäsur geben, aus Jacob wird ein Ex-Ehemann werden, er wird aus dem gemeinsamen Haus ausziehen. Aber ist das Scheitern einer Ehe auch gleich die Zerstörung der Familie und des Glücks?

Wie viel Jonathan Safran Foer steckt in Jacob?

Mit Blick auf Foers eigene Biografie – 39, zwei Kinder, getrennt von seiner Frau – könnte man fragen, wie viel Jonathan in Jacob steckt. Allerdings bringt einen das auch nicht viel weiter, denn Foer erzählt eine universelle Liebes- und Trennungsgeschichte, wie sie in all ihrer Bitterkeit schon unzählige Menschen erlebt haben.

Autobiografische Parallelen mögen sich auch im zweiten Erzählstrang des Buches finden. Jacob ist, wie Foer, der Enkel eines Holocaust-Überlebenden. Gläubig ist er nicht, aber an den jüdischen Ritualen hängt er. Er ist einer jener jüdischen Amerikaner, “die bis auf die Ausübung ihres Glaubens alles tun, um ihren Kindern ein Gefühl für die jüdische Herkunft zu vermitteln”. Als ein Erdbeben den Nahen Osten erschüttert, steht Jacob plötzlich vor einer weiteren Lebensentscheidung.

Gut erzählter, überraschender, unterhaltsamer Roman

Stellenweise ufert “Hier bin ich” mit der zweiten Geschichte etwas aus. Aber Foer gelingt es trotzdem, mit präzisen Beschreibungen seiner Figuren und überraschenden Ideen den Stoff zu bewältigen. Dazu kommt sein kreativer Stil, für den er schon bei seinen ersten beiden Romanen von den Fans geliebt wurde. “Hier bin ich” ist gut erzählt, unterhaltsam – und liefert Antworten auf existenzielle Fragen.

Jonathan Safran Foer: “Hier bin ich”, Kiepenheuer&Witsch, 688 Seiten, 26,80 Euro

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(apa/red)

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