Jeder zweite Arbeitlose in Wien ist langzeitarbeitslos

Jeder vierte Arbeitslose in Österreich ist langzeitarbeitslos.
Jeder vierte Arbeitslose in Österreich ist langzeitarbeitslos. ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Jeder vierte arbeitslose Österreicher hat seit mehr als einem Jahr keinen Job, in Wien ist es sogar jeder Zweite. Damit liegt der Anteil deutlich über den Vergleichswerten von den Vorjahren.
Fast alle Parteien für höheres Arbeitslosengeld
Arbeitslosigkeit in Wien gesunken

Die Langzeitarbeitslosigkeit hat in der Coronakrise stark zugenommen und geht nur langsam zurück. Jeder vierte (24,3 Prozent) aller beim AMS arbeitslos Registrierten war Ende Oktober langzeitarbeitslos, also über ein Jahr durchgehend ohne längere Unterbrechung, etwa durch Schulung, ohne Job. Nach der Definition Langzeitbeschäftigungslosigkeit, wo bis zu zweimonatige Unterbrechungen möglich sind, waren sogar vier von zehn Personen (42,5 Prozent) bereits über ein Jahr ohne Job.

Zum Stichtag Ende Oktober 2021 waren beim AMS rund 65.500 langzeitarbeitslose Personen vorgemerkt, um fast 40 Prozent mehr als im Oktober 2019. Das Konzept der Langzeitbeschäftigungslosigkeit, wo bis zu zweimonatige Unterbrechungen (etwa aufgrund eines in der Probezeit wieder gelösten Dienstverhältnisses) möglich sind, traf auf rund 114.600 Personen zu, um 22 Prozent mehr als vor der Krise. Insgesamt waren Ende Oktober 269.514 Personen beim AMS als arbeitslos registriert (ohne Schulungen). Betroffen von langer Arbeitslosigkeit sind insbesondere Ältere, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und mit geringen Qualifikationen.

Extremer Anstieg der Arbeitslosen durch die Krise

Die Coronakrise hat ab März 2020 zu einem extremen Anstieg der Zahl der beim AMS arbeitslos vorgemerkten Personen geführt, damit hat sich der Anteil der Langzeitarbeitslosen kurzfristig verringert. In der Erholungsphase am Arbeitsmarkt finden als erstes Personen mit besseren Arbeitsmarktchancen aus der Arbeitslosigkeit heraus, dann erst folgen allmählich auch diejenigen mit größeren Schwierigkeiten bei der Jobsuche, erläutert das AMS in seinem Spezialthema Oktober.

Bedingt durch die so rasche und starke wirtschaftliche Erholung geht derzeit die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen deutlich zurück und liegt im Oktober 2021 bereits unter dem Vergleichswert von 2019. Die Zahl der langzeitarbeitslosen bzw. langzeitbeschäftigungslosen Personen liegt jedoch noch deutlich über den Vergleichswerten früherer Jahre.

Projekte gegen Langzeitarbeitslosigkeit

"Obgleich wir bei weitem noch nicht zufrieden sein dürfen, so zeigt sich doch, dass die Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und großzügigen Lohnförderungen durch das AMS - die Aktion Sprungbrett - gut funktioniert. Seit dem Höchststand Ende April 2021 sind bereits fast 34.000 Personen weniger langzeitbeschäftigungslos", so der Vorstand des AMS Österreich, Johannes Kopf.

Die als "Programm Sprungbrett" bezeichnete und seit 1. Juli 2021 laufende Beschäftigungsoffensive und der derzeit zu beobachtende Wirtschaftsaufschwung tragen zu einer deutlichen Reduktion der Zahl der Langzeitarbeitslosen und Langzeitbeschäftigungslosen. So ging der Bestand der Langzeitarbeitslosen seit dem Höchststand von Ende März 2021 (rund 97.800 Personen) um mehr als 32.000 Personen zurück, die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen verringerte sich seit April 2021 (Höchststand rund 148.400) um knapp 34.000 Personen.

Der Anteil der Langzeitbeschäftigungslosen ist unter arbeitslos vorgemerkten Männern (45 Prozent) etwas höher ist als unter arbeitslos vorgemerkten Frauen (40 Prozent). Gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen und ein Alter über 45 Jahren erhöhen das Risiko von langer Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt deutlich.

52,6 Prozent der Arbeitslosen in Wien ist langzeitarbeitslos

Dabei gibt es innerhalb Österreichs starke regionale Unterschiede. Die relativ stärksten Anstiege der Zahl der Langzeitarbeitslosen und -beschäftigungslosen im Vergleich zum Oktober 2019 verzeichnen die Bundesländer Tirol und Vorarlberg. Anders als in zahlreichen anderen Bundesländern zeigen sich dort auch gegenüber Oktober 2020 keine Rückgänge, die Zahlen sind weiter angestiegen.

Demgegenüber sind die Anteile der Personen mit langer Arbeitslosigkeit an allen arbeitslos vorgemerkten Personen in den westlichen Bundesländern durchwegs geringer: Der Anteil der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen an allen arbeitslos vorgemerkten Personen betrug Ende Oktober 2021 in Wien 52,6 Prozent, gefolgt vom Burgenland (45,4 Prozent) und von Niederösterreich (43,5 Prozent). Den niedrigsten Anteil verzeichnete Tirol mit 18,5 Prozent.

Mit dem Programm "Sprungbrett" will das AMS gegensteuern und Personen auch nach langer Abwesenheit vom Job wieder in einen Arbeitsplatz bringen. Es umfasst die Eingliederungsbeihilfe in Form von Zuschüssen zu den Lohn- und Lohnnebenkosten für das Unternehmen, geförderte Arbeitstrainings, Beratungs- und Betreuungsangebote sowie die Möglichkeit der gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung. Zusätzlich besteht für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen das Angebot der Kombilohnbeihilfe. Für das Programm wurden bisher (Juli bis Oktober 2021) fast 150 Mio. Euro an Fördermitteln bewilligt, knapp 13.000 Personen haben bereits teilgenommen.

(APA/red)

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