Impfgegner auch bei Covid-Medikamenten skeptisch

Pfizers "Paxlovid" soll Covid-Verläufe abmildern.
Pfizers "Paxlovid" soll Covid-Verläufe abmildern. ©REUTERS
Laut einer US-Umfrage sind Impfgegner auch gegenüber neuen Corona-Medikamenten äußerst skeptisch. Der Großteil würde die Medikamente ablehnen, bei den Geimpften stimmten 91 Prozent für die Medikation.

Schon in nächster Zukunft werden zu Hause oral einnehmbare Covid-19-Medikamente zur Verfügung stehen. Doch eine brandneue US-Meinungsumfrage zeigt bei ähnlichen Durchimpfungsraten wie in Österreich: Ungeimpfte und Impfskeptiker sprechen sich auch gegen diese Optionen aus. Während 91 Prozent der Immunisierten im Fall eines Impfdurchbruchs zu diesen Medikamenten greifen würden, sind es in den USA nur 51 Prozent der Ungeimpften. Bei den Impfgegnern - also Menschen, die sich nie impfen lassen wollen - sind es sogar noch weniger.

2.000 Personen zu Covid-Medikamenten befragt

Die Rahmenbedingungen, unter denen die repräsentative Umfrage unter 2.103 über 18-Jährigen zwischen 17. und 19. Dezember in den Vereinigten Staaten lief: Nur 72 Prozent der US-Bevölkerung hatten zwei Covid-19-Impfungen erhalten, nur 24 Prozent eine dritte Teilimpfung. Diese Zahlen sind jenen von Österreich nicht unähnlich.

Die Umfrage wurde vom US-Meinungsforschungsinstitut "The Harris Poll" im Auftrag des Pharma-Informationsdienstes STAT durchgeführt. Das erfolgte drei Tage, bevor die US-Arzneimittelbehörde das Covid-19-Medikament des US-Konzerns Pfizer (Nirmatrelvir/Ritonavir; "Paxlovid") eine Notzulassung erteilt hat.

Covid-Medikament "Paxlovid" kann Verlauf mildern

Laut Angaben des Unternehmens könnte die Einnahme des Arzneimittels möglichst kurz nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2 und über fünf Tag hinweg die Häufigkeit einer Spitalsaufnahme oder eines tödlichen Verlaufes der Erkrankung bei Risikopersonen um 88 Prozent hemmen. Ein anderes Covid-19-Medikament (Molnupiravier; Merck, Sharp und Dohme - MSD) hat in einer bereits im New England Journal veröffentlichten klinischen Studie eine Wirksamkeit von rund 30 Prozent gezeigt. Beide Arzneimittel dürften in der EU knapp vor der Zulassung stehen. Mittlerweile wurden von der EU Millionen Dosen vorbestellt.

Medikamente keine Alternative zur Impfung

Erst vergangene Woche haben österreichische Experten erklärt, dass diese Medikamente bei allem Fortschritt im Vergleich zur Covid-19-Impfung keine "Game-Changer" sein werden. Doch wer glaubt, dass sie wenigstens für Impfskeptiker und Impfgegner eine gewisse Hoffnung darstellen könnten, geht offenbar fehl.

65 Prozent der Impfgegner würden Medikamente nicht nehmen

"Von jenen Menschen, die von dem Pfizer-Medikament schon gehört hatten, gaben 84 Prozent an, sie würden bei einem positiven Coronavirus-Test das Arzneimittel wahrscheinlich einnehmen ...", schrieb STAT. "Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: 91 Prozent der bereits Geimpften würden die Tabletten (auf ärztliche Empfehlung und Verschreibung; Anm.) einnehmen, hingegen wahrscheinlich nur 52 Prozent der ungeimpften Amerikaner. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ungeimpfte das Medikament einnehmen würden, fiel noch weiter - auf nur noch 35 Prozent - unter den Menschen, die erklärten, sie würden sich nie impfen lassen."

Kaum Vertrauen in die Medizin

Geimpften zeigten somit generell deutlich mehr Vertrauen in Medizin, Impfstoffe und Therapien auf wissenschaftlicher Basis: 60 Prozent der gegen Covid-19-Immunisierten erklärten, sie hielten Nirmatrelvir/Ritonavir für etwas, das die vorhandene Impfung zur Bekämpfung der Pandemie in irgendeiner Weise ergänzen könnte. Nur 31 Prozent der Ungeimpften äußerten diese Meinung.

Gleichzeitig könnten die neuen oralen Covid-19-Therapien auch unbegründete Hoffnungen erwecken: Fast ein Viertel der bereits Geimpften gaben fälschlicherweise an, damit könnte der Bedarf an Impfstoffen und an dritten Teilimpfungen reduziert werden. Auch hier bestehen offenbar bereits Fehleinschätzungen in der Öffentlichkeit. Die US-Babyboomer im Alter von 57 Jahren oder älter zeigten sich übrigens mit einem Anteil von 87 Prozent, welche im Bedarfsfall zu den oralen Therapien greifen würden, besonders offen, was die Möglichkeiten betrifft.

(APA/red)

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