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Immunologe: "Virus lässt sich kaum mehr aufhalten"

Der Schweizer Immunologe warnt vor einer Hysterie.
Der Schweizer Immunologe warnt vor einer Hysterie. ©TVO
Der St. Galler Immunologe Pietro Vernazza sprach gegenüber "fm1today.ch" über das neuartige Virus und warnt vor einer Hysterie. Das Virus sei nicht gefährlicher als eine "normale" Grippe. Was wir bisher über die Krankheit wissen.
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Interview mit Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital St.Gallen. Der 63-Jährige ist ein international anerkannter HIV-Spezialist.

Ist das neue Coronavirus "2019-nCoV" bereits in unserer Region (Anm.: Ostschweiz) angekommen?
Pietro Vernazza: In der Ostschweiz gibt es bereits mehrere Verdachtsfälle, schon am Wochenende mussten wir uns damit auseinandersetzen. 

Wurden Leute deswegen ins Spital eingeliefert?
Von den Symptomen her unterscheidet sich diese Coronainfektion kaum von einer Grippeinfektion oder Erkältung. Erst ein Abstrich bringt Gewissheit. Die meisten Fälle sind leichte Infektionen, die man nicht hospitalisieren muss. Man muss sie einfach abklären.

Lässt sich die Ausbreitung des Virus überhaupt noch verhindern?
Meiner Einschätzung nach ist das Virus weit verbreiteter, als bis anhin kommuniziert. So wie es aussieht, wird dieses Virus unseren Alltag aber nicht besonders durcheinander bringen. 

Das heisst, dieses Coronavirus ist harmlos?
In den allermeisten Fällen verläuft die Infektion mild, die Erkrankten leiden an Schnupfen und/oder Husten. Eine Todesfolge ist genauso selten wie bei einer saisonalen Grippe – eine von tausend Personen stirbt, jährlich sind dies in der Schweiz 500 bis 1000 Todesfälle. 

APA

Das Virus ist neu. Wie schwierig ist es, die Lage einzuschätzen?
Wir kennen das Coronavirus seit Jahren. Jetzt ist ein neues Coronavirus dazugekommen. Nach allem was wir bis jetzt wissen, handelt es sich um ein ganz normales Coronavirus, das sich wie eine saisonale Erkältung oder Grippe verhält. 

In der Ostschweiz sind praktisch alle Hygienemasken ausverkauft. Weshalb haben die Leute so grosse Angst vor dem Virus?
Die Panik ist von den Medien gemacht und hat nichts mit wissenschaftlichen Fakten zu tun. Mit Medien meine ich aber vor allem auch die sozialen Medien; auf Twitter habe ich panikverbreitende Filmchen gesehen.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?
Zum jetzigen Zeitpunkt weiss die Wissenschaft noch nicht, wie das Virus genau übertragen wird. Wir können aber davon ausgehen, dass es wie die anderen Coronaviren per Tröpfcheninfektion übertragen werden kann. Das heisst mit Niesen und Husten. Allerdings gehen die Fachleute zurzeit davon aus, dass die Übertragung via Hände die grösste Rolle spielt. Eine gute Händehygiene, in die Ellenbogen niesen und husten, dürften schon eine grosse vorbeugende Wirkung haben.

Das Interview erschien zuerst auf "fm1today.ch" und wurde von Angela Müller geführt.

Was wir bisher über das Virus wissen

Übertragung

Angenommen wird, dass das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten übertragen wird. "Eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände gibt es eher nicht", sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Vermutet wird demnach derzeit, dass das Virus sich vor allem in den unteren Lungenbereichen ansiedelt und weniger ausgeprägt in den oberen Atemwegen. Das würde ein geringeres Ansteckungspotenzial bedeuten, da der es von Lunge zu Lunge weiter ist als etwa von Nase zu Nase.

Symptome

Infektionen von Menschen mit gewöhnlichen Coronaviren verlaufen meist mild und asymptomatisch. Häufige Anzeichen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus können Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden sein. In sehr schwereren Fällen kann die Infektion eine Lungenentzündung, ein akutes Atemwegssyndrom, Nierenversagen und sogar den Tod zur Folge haben. Es gibt jedoch auch milde Verlaufsformen (Symptome einer Erkältung) und Infektionen ohne Symptome.
Wissenschafter gehen derzeit davon aus, dass der Krankheitsverlauf beim neuartigen Coronavirus weniger schwer ist als bei SARS und MERS.

Ansteckungsgefahr

Das neuartige Coronavirus ist nach Einschätzung von Experten weiterhin ein kaum ansteckender Erreger. Die meisten Fälle beträfen nach wie vor die Millionen-Metropole Wuhan, das Virus habe sich nicht sehr stark ausgebreitet, sagte Schmidt-Chanasit. Zudem habe sich kaum Krankenhauspersonal angesteckt, und auch bei den Fällen in anderen Ländern habe es bisher keine Übertragung auf weitere Menschen gegeben. "Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot", erklärte er. Lange Übertragungsketten von einem zum nächsten wie bei Sars gebe es bei dem neuen Virus bislang nicht oder höchstens ganz vereinzelt. "Es kann mal ein Erkrankter dabei sein, der viele andere ansteckt, überwiegend wird das Virus aber gar nicht oder an nur eine weitere Person weitergegeben." Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bislang nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren.

Gefährlichkeit

Wie hoch die Sterberate bei dem neuen Erreger sei, lasse sich noch nicht sicher sagen, so Schmidt-Chanasit. "Nach derzeitigen Daten könnte sie ähnlich wie bei der letzten Influenza-Welle in Deutschland liegen." Allerdings gebe es bei beiden Infektionen eine hohe Zahl sehr milder und daher gar nicht erfasster Erkrankungen, die tatsächliche Sterberate könne daher noch weitaus niedriger liegen.

Anpassungsfähigkeit

Das Virus sei bislang stabil und es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagte Michael Ryan, Direktor der WHO-Notfallprogramms, in Genf. "Wir sehen keine Veränderungen in der genomischen Sequenz des Virus." Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar - Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.

Inkubationszeit

Die bisherigen Daten und die Erfahrungen mit anderen auf Coronaviren zurückgehenden Erkrankungen lassen Experten zufolge eine Inkubationszeit - also einen Zeitraum von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen - von im Mittel etwa einer Woche annehmen. "Inkubationszeiten bei Atemwegserkrankungen bewegen sich zwischen 2 und 14 Tagen - und die Extremwerte sind dabei wirklich selten", sagte der Virusforscher Christian Drosten von der Charité in Berlin.

Atemmasken als Schutz

Dass einfache Atemmasken einen guten Schutz vor dem Virus bieten, wird von Experten angezweifelt. Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagte Drosten. "Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken." Mit solchen Masken könne man im Alltag nicht lange herumlaufen. "Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase - also die Schmierinfektion." Wissenschaftlichen Daten dazu lägen aber nicht vor. Von der WHO hieß es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Leute, die sich möglicherweise angesteckt haben, damit sie das Virus nicht verbreiten.

(dpa/Red.)

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