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Hurghada: Ey, friend und Beduinendisney

Der Dream Beach in Hurghada heißt nicht umsonst so
Der Dream Beach in Hurghada heißt nicht umsonst so ©vienna.at/Paul Frühauf
Hurghada ist, zusammen mit dem nobleren Sharm el Sheik, die größte Touristenhochburg Ägyptens. Kein Wunder, ist dieses ehemalige Fischerdorf doch mit jeder Menge Naturschönheiten gesegnet. So sind etwa die Korallenriffe weltberühmt. Und selbstverständlich ist auch die Sahara immer einen Abstecher wert, sei es im Rahmen einer Sternenhimmeltour oder etwas adrenalinträchtiger mit Quads.
Hurghadas Traumstrände
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Ägyptens Tourismus wurde durch die Revolution im Jahr 2011 schwer getroffen. Touristen blieben aus und die Wirtschaft erholt sich erst langsam wieder von diesem Schock. Wobei sich das Geschehen allerdings auf das rund 500 Kilometer weit entfernte Kairo beschränkte und an der Küste des Roten Meeres nur verstärkte Militärpräsenz zu spüren war. Jetzt allerdings wird dieser Rückstand wieder wettgemacht. Davon zeugt eine allgegenwärtige Aufbruchsstimmung und auch zahllose Rohbauten, die in absehbarer Zukunft zu tollen neuen Hotels und Resorts wachsen werden.

Hurghada: Strandparty nur im Ausnahmefall

Wo wir beim ersten Problem wären, das sonnenhungrigen Ägyptenurlaubern die Suppe ein wenig versalzen könnte. Denn in Hurghada gibt es keinen einzigen öffentlichen Strand. Das Meeresufer ist in zahlreiche Abschnitte fragmentiert, von sehr groß Hotels bis hin zu nur wenigen Metern. Bei ausnahmslos allen diesen Stränden muss Eintritt bezahlt werden (umgerechnet rund drei Euro). Mit Sonnenuntergang schließen sie alle, die allgegenwärtigen Wächter beziehen Position – und Zugang gibt es nur mehr, wen man das Glück hat, in einem Hotel mit direktem Meereszugang zu wohnen. Wer also glaubt, einen romantische Abende am kristallklaren Meer verbringen zu können, wird sich wundern.

Die Qualität der Strände an sich variiert beträchtlich: Während die großen wie Old Vic oder Dream Beach sehr gepflegt sind, meint man sich bei manchen kleineren durchaus auf eine hastig freigeräumte Müllhalde verirrt. Von Schiffswracks bis zur alten Waschmaschine rotten ganze Schrottplätze leise vor sich hin. Zur Ehrenrettung der Eigentümer: Der Sauberkeitsgrad ist meist schon von außen zu sehen und hat keinerlei Auswirkungen auf die sehr gute Wasserqualität.

Essen und Trinken

Hurghada bietet kulinarisch alles, was das Herz begehrt. Interessant ist allerdings die recht kleine Anzahl an Fischrestaurants. Entweder gibt das Rote Meer nicht besonders viel her, oder Seafood hat keinen besonders hohen Stellenwert. Rund um den Fischmarkt in Downtown Hurghada gibt es zwar doch einige Lokalitäten, die jedoch durch den Markt olfaktorisch durchaus als herausfordernd beschrieben werden können – selbst, wenn man Fischgeruch eigentlich mag. Viele Hotels veranstalten Barbecues mit Meeresfrüchten, diese kosten jedoch extra. Dafür bekommt man eine Bauchtänzerin zu sehen – ob der Deal die rund 5 bis 10 Euro wert ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Auch das Nightlife hält sich in Grenzen. Um die westliche Touristenkultur mit ihren Alkoholika überhaupt zu etablieren, war ein jahrelanger Kampf gegen Jahrhunderte der islamischen Kultur nötig. Es gibt jedoch viele  kleinere Pubs, ein Hard Rock Café und eine große, sehr gute Disco namens Little Buddha sowie den Club Shade in der Stadt. Es ist nicht oder nur über sehr teure, riskante Umwege möglich, außerhalb dieser Etablissements Alkohol zu kaufen.

Ausflüge rund um Hurghada

Es gibt zwei Dinge, die muss man in Hurghada gemacht haben: rund um die weltberühmten Korallenriffe der Insel Giftun schnorcheln und einen Ausflug in die Wüste. Beides wird fix und fertig organisiert an jeder Ecke und an jedem Strand angeboten – und natürlich auch, aber teurer, vom eigenen Reiseveranstalter. Die typische Schnorcheltour besteht aus einer rund 40 Minuten langen Bootsfahrt im Konvoi mit Dutzenden anderen Booten, die zu genau gleichen Destination fahren. Zwei Schnorchelpausen später – übrigens keine Angst, die blauen Quallen sind harmlos – geht es zu einem Aufenthalt auf Paradise Island. Diese Wüsteninsel hat genau zwei Erhebungen: Eine Palme und einen Handymasten. Und sie hat auch den schönsten Strand von allen. Hierher werden auch eigene Tagestouren angeboten, die Sandfans unbedingt machen sollten. Zu sehen gibt es nicht viel, doch der Strand ist traumhaft.

Die zweite Must-Tour geht in die Wüste, die direkt hinter dem Flughafen anfängt. Egal, ob in Form einer halbtägigen Saharasafari oder als (Empfehlung!) Ausflug  mit leicht steuerbaren Quad-ATVs: Sie endet immer in einem Beduinendorf namens Sahara Park. Dieses ist in etwa so authentisch wie Disneyland und ein Tiroler Schuhplattelabend zusammen, doch wird für das Geld doch einiges geboten. Die Hauptattraktion ist eine recht gute Sammlung von Tieren, die in der Sahara mehr oder weniger heimisch sind. Besonders Kinder werden sich auch über Exoten wie  etwa Emus freuen, dem Rest darf bei einer großen Auswahl an Schlangen ordentlich grausen. Nach dem obligaten Kamelreiten, einem Dinner, Bauchtanzshow und einem Blick durch hochmoderne Teleskope in den sehenswerten Sternenhimmel geht es dann per Jeep oder Quad wieder zurück in die Stadt.

Weitere Ausflüge beinhalten eine Fahrt mit dem Glasbodenboot (gut für Fotografen ohne Unterwasserausrüstung), U-Boot-Fahrten, einen Trip in die völlig neue und grün konzipierte Touristenenklave El Gouna oder Tagesfahrten ins Tal der Könige, für die natürlich tiefer in die Tasche gegriffen werden muss. Es ist auch  möglich, die Pyramiden zu besichtigen, was inklusive Flug auf rund 230 Euro pro Person oder mit dem Bus auf etwa 90 kommt. Von zweiterer Variante sei allerdings abgeraten, denn 1000 Kilometer an einem Tag per Bus sind auch für den abgebrühtesten Sparfuchs nicht das reinste Vergnügen.

Ey, friend!

Richtig lästig sind die Händler der Stadt. Es ist kaum möglich, sich nur wenige Meter zu bewegen, ohne von einem angesprochen zu werden. Von der Korallenrifftour bis zu garantiert ägyptischen Souvenirs made in China wird alles an den Touristen gebracht, das irgend wie Lokalkolorit verpricht. Die Vorgehensweise ist dabei immer gleich: Unter dem Vorwand von Interesse an der eigenen Person wird ein Gespräch angefangen. Erst im Laufe dessen arbeitet man sich dann langsam auf das eigentliche Ziel hin. Abbruchversuche werden mit – teils echt wirkender – persönlicher Beleidigung und Hinweisen auf Respekt vor dem Gastland sehr geschickt abgefangen. Es ist nicht leicht, diese Händler einfach zu ignorieren, doch nach wenigen Tagen hat man entweder eine dicke Haut entwickelt oder verkriecht sich verzweifelt ins eigene Hotel. Was nicht unbedingt heißt, dass man dann Ruhe hat: Denn so mancher hat wohl einen Deal mit der Hotelleitung und nervt auch am Privatstrand mit dem ewigen ‘ey, friend, how are you?’

Ägypter sind übrigens prinzipiell sehr zugänglich. Was soviel bedeutet wie, dass es durchaus möglich ist, einem Händler klipp und klar sagen kann: Nein, ich kaufe nicht – und nachher ein langes Gespräch über Frauen, Fussball und darüber, dass der nächste Präsident gut sein muss weil er weiß, was mit dem letzten passiert ist, führen kann. Allerdings nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch oder Russisch.

Fallen für Reisende

Hurghada ist an sich sehr sicher. Urlauber können sich gefahrlos auch außerhalb der touristischen Trampelpfade bewegen. Doch wie überall ist eine gesunde Vorsicht angebracht. Gerne wird zum Beispiel eine Handvoll Euros hingehalten und gebeten, diese in ägyptische Pfund zu wechseln. Da ist es besser schnell weiterzugehen (es nutzt auch nichts, wenn der Kollege in Sichtweite bereits mit diesem Trick abgeblitzt ist – der nächste wird es wieder probieren). Gehandelt werden kann überall, auch in der Apotheke. Bei Taxlern, ebenfalls eine sehr lästige Spezies, ist damit zu rechnen, dass der Preis – den man unbedingt vor der Fahrt aushandeln sollte – locker um mehr als das Doppelte überhöht ist. Verlangt der Fahrer also 50 Pfund, 20 bieten. Damit ist meist Ruhe, denn die Fahrer wissen sehr wohl, dass die Gäste informiert sind. Arabische Tradition und die Hoffnung auf Unwissende machen dieses Spielchen wohl notwendig.

Vorsicht ist auch bei Wechselgeld angebracht. 5-Pfund-Noten sehen nämlich exakt genauso aus wie die noch immer kursierenden 5-Piaster-Noten. Das sind allerdings nur 5/100 Pfund und somit genau nichts wert. Man erkennt sie ausschließlich am Aufdruck PIASTER auf einer Seite.

Dass man nur in offizielle und allein durch ihre Anzahl leicht erkennbare offizielle Taxis steigen sollte, versteht sich wohl von selbst. Diese bieten auf Wunsch auch ein- oder zweistündige Stadtrundfahrten an, die rund 30 bis 50 ägyptische Pfund kosten dürfen. Und dass man besser nicht vom von manchen angebotenen “Hashish” rauchen sollte, gebietet der gesunde Menschenverstand (Ägypter reden generell sehr gerne über’s Haschrauchen, doch wird man erwischt, bedeutet das hohe Kosten und jede Menge Komplikationen).

Eine besondere Warnung sei auch vor der Sonne gegeben. Die ist nämlich hinterfotzig. Auch wenn in Hurghada sehr oft Nordwind weht, der die Temperaturen vor allem im Frühjahr auf deutlich unter 25 Grad drückt und der Wüstenstaub in der Luft oft etwas diesige Tage vorgaukelt, brennt die Wüstensonne doch gnadenlos. Sonnenschutz mit sehr hohem Lichtschutzfaktor ist für gerade aus dem Winter erwachte Europäer absolute Pflicht. Die Intensität der Sonne geht so weit, dass sich zusätzlich zu einem mörderischen Sonnenbrand auch Magenkrämpfe einstellen können. Die bekämpft man am besten mit fünf bis sechs heißen Tees innerhalb von zwei Stunden – die einheimische Kamille wirkt Wunder.

Ist Hurghada eine Reise wert?

Kommt drauf an, was der Reisende erwartet. Ein schneller Pauschaltrip zahlt sich vor allem bei den momentan sehr niedrigen Preisen immer aus. Die dreieinhalb Stunden Flugzeit von Wien aus sind ebenfalls verschmerzbar.  Was man nicht erwarten darf, ist ein rauschendes Nachtleben wie in vielen anderen Touristenorten oder gar die eine oder andere Party am Strand. Hurghada ist vor allem für einen Familienurlaub oder auch ruhebedürftige Singles und Pärchen sehr geeignet, Maturareise oder gar Polter-Exzesse sollte man vielleicht woanders buchen.

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