Heroin-Verkaufszahlen zu niedrig: Männer wegen schwerer Erpressung vor Gericht

Wien: Hier sollen zu niedrigen Verkaufszahlen nicht ohne Konsequenzen geblieben sein.
Wien: Hier sollen zu niedrigen Verkaufszahlen nicht ohne Konsequenzen geblieben sein. ©REUTERS/Leonhard Foeger (Symbolbild)
Am Freitag mussten sich zwei Männer in Wien wegen schwerer Erpressung vor Gericht verantworten. Sie sollen einen Mann unter Druck gesetzt haben, weil seine Heroin-Verkaufszahlen für die beiden nicht hoch genug waren. Die Verhandlung wurde vertagt.
Drogenlabor in Weinkeller

Weil er für eine serbische Drogen-Bande in Wien zu wenig Heroin an den Mann brachte, wurde ein Straßenverkäufer gehörig unter Druck gesetzt. Ein 39-Jähriger passte ihn im September 2020 in Wien-Leopoldstadt ab, dirigierte ihn in eine Wohnung und baute dort mit Hilfe eines 31 Jahre alten Komplizen ein Bedrohungsszenario auf, welches das Opfer zur Zahlung von 10.000 Euro bewegen sollte. Das Duo hatte sich am Freitag am Landesgericht wegen schwerer Erpressung zu verantworten.

Wohnung in Ybbsstraße soll Schauplatz gewesen sein

Das Opfer wurde in der Wohnung in der Ybbsstraße gefesselt, der Auftraggeber - der in Serbien aufhältige Banden-Boss - wurde per Videotelefonie zugeschaltet. Er erteilte laut Anklage dann Anweisungen, was dem Festgehaltenen zu widerfahren habe, der der kriminellen Organisation Geld geschuldet haben soll.

Messer angeblich mit im Spiel

Dem Gefesselten wurde zunächst erklärt, man werde seiner schwangeren Freundin das Kind aus dem Leib schneiden, wenn er nicht bezahle. Später hieß es, man werde ihn "stechen, bohren oder schneiden" und umbringen, wobei der Mann mit einem geschwungenen Hammer bzw. einem Messer bedroht wurde. Der 39-Jährige schlug ihm dem Staatsanwalt zufolge mehrfach wuchtig ins Gesicht, was der zweite Mittäter mit seinem Handy filmte.

Mann soll frei gekommen sein

Obwohl der Heroinverkäufer stundenlang "bearbeitet" wurde, mussten die Tatverdächtigen am Ende zur Kenntnis nehmen, dass er kein Geld hatte. Daher wurden zwei Bekannte des Mannes beigezogen, die man in die Wohnung bestellte und aufforderte, anstelle des Mittellosen dessen Schulden zu bezahlen. Da einer der beiden schließlich 650 Euro auf den Tisch legte und der andere eine Zahlungsverpflichtung mit einer monatlichen Rate von 350 Euro unterfertigte, wurde der psychisch mitgenommene Heroinverkäufer nach mehreren Stunden freigelassen.

"Er wollte die Drohungen nicht wahr machen"

Die beiden Angeklagten legten vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Roman Palmstingl) Geständnisse ab. Der 39-Jährige habe selbst Geld gebraucht und daher mitgemacht, meinte sein Verteidiger Martin Mahrer: "Er wollte die Drohungen nicht wahr machen." Der Anwalt des Zweitangeklagten, Peter Philipp, betonte, sein Mandant sei zwar anwesend gewesen, habe sich aber "nicht aktiv beteiligt".

Angeblich Hintermann im Ausland

"Ich schäme mich, dass ich mich hier vor der hohen Justiz befinde", gab der Erstangeklagte zu Protokoll. Er sei "kein Krimineller. Ich habe eine Frau, drei Kinder, einen Bauernhof und Pferde". Allerdings war der 39-Jährige 2002 in seiner Heimat wegen Beteiligung an einem Raub mit Todesfolge zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Das Opfer hielt im Zeugenstand seine ursprünglich die Angeklagten belastenden Angaben nicht vollumfänglich aufrecht und relativierte diese. Der Hintermann ist für die heimische Justiz nicht greifbar, er hält sich weiter in Serbien auf. Die Verhandlung wurde auf 23. Juli vertagt.

(APA/Red)

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