Hermann Maier hört auf

Hermann Maier hängt die Ski an den Nagel
Hermann Maier hängt die Ski an den Nagel ©APA (Archiv)
Österreichs Ski-Superstar Hermann Maier hat am Dienstag in Wien das Ende seiner Sportkarriere bekanntgegeben. Der 36-jährige Salzburger war zweimal Olympiasieger, dreimal Weltmeister, viermal Gesamtweltcup-Sieger und ist mit 54 Weltcup-Triumphen der erfolgreichste österreichische Skifahrer der Geschichte.
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Eine der schillerndsten Karrieren im österreichischen Sport ist zu Ende. Ski-Superstar Hermann Maier hat dem monatelangen Rätselraten am Dienstag ein Ende gesetzt und in Wien seinen Rücktritt vom Rennsport bekanntgegeben. Der 36-jährige Salzburger hatte es sich bis zuletzt offen gelassen, auch noch den kommenden Olympia-Winter 2009/10 zu bestreiten.

“Es ist nach reiflicher Überlegung, aber letztendlich doch spontan eine Entscheidung gefallen”, sagte Maier bei seiner emotionalen Abschiedspressekonferenz im Dachfoyer der Wiener Hofburg. “Ich habe mich entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen und meine Karriere als Skirennfahrer mit dem heutigen Tag zu beenden.” Maier war dreimal Weltmeister, viermal Gesamtweltcup-Sieger und ist mit 54 Weltcup-Triumphen der erfolgreichste österreichische Skifahrer der Geschichte.

Maier hatte zwar nach einer weiteren Knie-Operation im vergangene März im Sommer keinen Trainingskurs bestritten, sich aber vergangene Woche auf dem Gletscher doch auf den kommenden Olympia-Winter eingestimmt. Just weil es ihm aber bei der Rückkehr auf die Ski so gut gegangen sei, habe er sich nun zum Rücktritt entschlossen, erklärte Maier. “Ich habe dabei gesehen, dass ich wieder alles tun kann, das ist das Schönste.”

Der “Herminator” dachte dabei an die eigene Zukunft. “Ziel war es, hinsichtlich des künftigen Lebens in einem guten Zustand entscheiden zu können”, sagte Maier, der seine Entscheidung demnach erst vergangenen Freitag getroffen hatte. Vor einer Woche habe ich noch nicht gewusst, dass ich heute aufhöre”, versicherte Maier vor rund 150 Medienvertretern in Wien.

Hermann Maier ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der österreichischen Sportgeschichte. Der Salzburger, der am 13. Oktober 2009 nach 13 Karriere-Jahren seinen Rücktritt erklärt hat und am 7. Dezember seinen 37. Geburtstag in der wohlverdienten “Pension” feiern wird, hat als Skifahrer praktisch alles gewonnen und die heimischen Sportfans auch abseits der Piste beschäftigt wie kaum ein anderer Athlet. Maier avancierte zu einem wahren Nationalhelden, wie es auf Österreichs Sportebene vor ihm nur Leute wie Niki Lauda, Toni Sailer, Franz Klammer, Hans Krankl oder Thomas Muster geschafft haben.

Seine Karriere mit emotionalen Höhepunkten wie Olympia 1998 in Nagano und Schicksalsschlägen wie dem Motorradunfall 2001 hat Maier aber auch weit über Österreichs Grenzen hinaus bekanntgemacht. Und zwar in einer Art und Weise, die im regional eher begrenzten Ski-Alpin-Sport einzigartig ist. Maier hat die Massen elektrisiert und mobilisiert, überall wo er hinkam und auftrat, waren die Kameras und Mikrofone auf ihn gerichtet. Maier ist ein Meister der Inszenierung, wie auch das lange Rätselraten rund um seinen Rücktritt eindrucksvoll bestätigt hat.

Maier hat trotz seines relativen Spätstarts – erstes Weltcup-Rennen am 10. Februar 1996 als 23-Jähriger – Trophäen en masse nach Hause geholt. Der Flachauer, der viermal Österreichs Sportler des Jahres war, hat zwei Olympia- und drei WM-Goldene gewonnen, viermal den Gesamt-Weltcup geholt, zehn “kleine Kristallkugeln” als Disziplinen-Weltcup-Sieger erobert und 54 Weltcup-Rennen auf Platz eins beendet. Seine Punkteausbeute aus dem Weltcup-Winter 1999/00, als Maier die Konkurrenz mit 2.000 Punkten zertrümmerte, ist nach wie vor unerreicht.

Die sportlichen Erfolge sind großartig. Maier wäre aber nicht Maier, wenn nicht hinter seinen Triumphen ganz besondere Geschichten stecken würden. Begonnen hatte das “Stehaufmännchen”-Syndrom bereits 1997: Maier wollte sich in Chamonix für die WM 1997 in Sestriere qualifizieren, übermotiviert stürzte er aber und brach sich das Handgelenk. Etwas mehr als einen Monat später feierte Maier im Garmisch-Super-G seinen ersten Weltcup-Erfolg.

Weltruhm erlangte Maier im Jahr 1998, als er in Nagano in der Abfahrt den “Jahrhundert-Sturz” hinlegte, ehe er drei Tage später zu Olympia-Gold im Super G brauste – das war die Geburtsstunde des “Herminators”. “Nach so einem Sturz – da hab’ ich mir gedacht, also wenn ich jetzt Gold gewinne, dann bin ich unsterblich”, hatte Maier damals gemeint und prompt rief danach sogar Hollywood.

Das noch viel größere Maier-Wunder nahm dann am 24. August 2001 seinen tragischen Anfang. In Radstadt passierte ein schwerer Motorradunfall, der Salzburger Arzt Artur Trost konnte sein rechtes Bein gerade noch retten. Maier kehrte am 14. Jänner 2003 in Adelboden auf die Weltcup-Bühne zurück, 13 Tage später gewann er den Kitz-Super-G und wieder eineinhalb Monate später Super-G-Silber in St. Moritz. Die Krönung des Comebacks war dann sicher der Gesamt-Weltcup-Triumph 2003/04.

Trotz seines Ruhms hat Maier nie vergessen, dass er zunächst nicht auf der Skipiste, sondern auf dem Bau Karriere gemacht hat. Immer wieder lässt Maier Anekdoten aus seiner Zeit als Maurer vom Stapel. Etwa die, als er als Polier des Kaffeehauses im Hotel Zauchenseehof einer gewissen Familie Walchhofer tätig war. Oder die, dass er die Bezahlung der Arbeiter angesichts des großen Risikos auf Baustellen ungerecht findet.

Maier trat mit 54 Siegen – 41 vor und 13 nach dem Unfall – als zweiterfolgreichster Skirennläufer aller Zeiten und mit seinen 24 Siegen in dieser Disziplin als “Mr. Super-G” von der Bühne ab. Ein “herausragender Lebensabschnitt” (Maier) geht damit zu Ende. Finanzielle Sorgen müssen sich weder die Maiers noch deren zukünftige Generationen machen. Privat ist Maier seit mehreren Jahren mit der oberösterreichischen Ex-Leichtathletin Stefanie Sturm liiert, das Paar hat auf jeden Fall erst einmal viel mehr Zeit, die Maiersche Villa am Attersee zu genießen.

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