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Heinz-Christian Strache: Spitzenkandidat des Team HC Strache im Porträt

Heinz-Christian Strache tritt als Spitzenkandidat des Team HC Strache bei der Wien Wahl 2020 an.
Heinz-Christian Strache tritt als Spitzenkandidat des Team HC Strache bei der Wien Wahl 2020 an. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Das Team HC Strache soll dem über das Ibiza-Video und die Spesenaffäre gestolperten Ex-FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein politisches Comeback bei der Wien-Wahl 2020 bescheren. Der Spitzenkandidat im Porträt.

Heinz-Christian Strache will es noch einmal wissen. Bei der Wien-Wahl will der über den Ibiza-Skandal gestolperte ehemalige FPÖ-Chef mit seiner Liste ein "Erdbeben" auslösen. Ermittlungen gegen ihn auf mehreren Ebenen scheinen ihn dabei nicht zu stören. Schon vor 15 Jahren hatte der Rechtspopulist aus Erdberg die Freiheitlichen aus dem Keller geholt und sie bis in die Regierung gehievt.

Ibiza-Skandal und Comeback bei Wien-Wahl 2020

Den Grundstein für seinen nunmehrigen Weg legte Strache - unfreiwillig - bereits im Sommer 2017, als er auf Ibiza in die Falle des "Lockvogels" tappte. Im Mai 2019 dann kam die Erfolgswelle des langjährigen FPÖ-Chefs abrupt zum Stehen: Das zwei Jahre alte Agent-Provocateur-Video wurde publik und brachte den ohnehin wegen seiner Vergangenheit im rechtsextremen Milieu umstrittenen Vizekanzler in arge Nöte. Einer vermeintlichen russischen Millionärin hatte er bei dem auf Film gebannten Treffen etwa dargelegt, wie sie am Rechnungshof vorbei der FPÖ eine Spende zukommen lassen könnte. Der Rest ist Geschichte: Die Regierung mit der ÖVP platzte, Strache legte Obmann- und Vizekanzlerschaft nieder.

So hat sich Strache das Ende seiner langjährigen Parteikarriere sicher nicht vorgestellt: Schon mit 21 Jahren begann er die blaue Leiter hinaufzuklettern und wurde 1991 jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße. Nebenbei wurde Strache zum Zahntechniker ausgebildet und auch relativ früh Vater von zwei Kindern mit seiner damaligen, einer prominenten Wiener Gastronomen-Familie entstammenden Ehefrau.

Politischer Werdegang

Politisch ging es flott nach oben. Lange vor seinem 30. Geburtstag angelte er sich ein Mandat im Wiener Landtag und galt rasch als Hoffnungsträger der traditionell starken Landesgruppe. Anfangs noch Fan Jörg Haiders, hantelte er sich während Schwarz-Blau zu dessen stärkstem parteiinternen Kontrahenten hoch. Strache war auch eine der prominentesten Figuren des Knittelfelder Delegiertentreffens, das Susanne Riess-Passer aus Partei und Politik trieb - und Straches steigende Popularität wohl mit ein Anlass für Haider, sich mit dem BZÖ aus der FPÖ zu verabschieden.

Damit war 2005 die Stunde Straches gekommen: Er wurde Parteichef. Umgeben von einem treuen Stab - mit Herbert Kickl, Harald Vilimsky und Norbert Hofer - konsolidierte er die Partei sowohl finanziell als auch beim Wähler. Immer wiederkehrende Vorwürfe aus der Vergangenheit - etwa seine Vergangenheit in der Neonazi-Szene - stoppten Straches Weg nach oben nicht. Anti-EU- und -Islampolitik erwiesen sich als beständige Wahlkampfschlager.

Regierungsbeteiligung und Vizekanzler

Der Niedergang der SPÖ-ÖVP-Koalition schwemmte ihn in Umfragen im Jahr 2017 zeitweise sogar an die Umfragen-Spitze, erst Sebastian Kurz' Kür zum ÖVP-Obmann ließ die Freiheitlichen ein wenig nach unten sacken. Das hatte für Strache - inzwischen mit der ehemaligen SPÖ-Assistentin Philippa verheiratet - aber auch seinen Vorteil. Denn der neue ÖVP-Chef scheute sich nicht, Strache und seine Getreuen in die Regierung zu holen.

Dass Kurz sich das traute, hatte der FPÖ-Chef aber auch einem eigenen Image-Wandel zu verdanken. Vertrieb Strache früher potenzielle Partner mit rüden Wahlkämpfen und wenig geschmackssicheren Auftritten - etwa mit einem Burschenschafter-Käppchen am Kopf bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem -, versuchte er sich über die Jahre zunehmend in einer immer staatsmännischeren Rolle. 2017 lotete sogar der damalige SPÖ-Chef Christian Kern eine Zusammenarbeit aus.

In Regierungsfunktion angekommen machte der Langzeit-Parteichef selbst inhaltlich nicht viel - was auch mit seinen schmalen Ressorts öffentlicher Dienst und Sport zusammenhing. Mehr inszenierte sich Strache auf den sozialen Medien als romantischer Ehemann, Papa-Monat-Vater (seines dritten, Anfang des heurigen Jahres geborenen Kindes) und Hundefreund. Wichtig war ihm zu allererst, dass das türkis-blaue Projekt insgesamt auf Schiene blieb.

Dieser Plan scheiterte, Strache wollte sein politisches Ende aber von Anfang an nicht akzeptieren. Seine ständigen Wortmeldungen und letztendlich die Spesenvorwürfen gegen ihn brachten dann das Fass zum Überlaufen, sein Nachfolger Norbert Hofer zog schließlich die Reißleine und Strache wurde aus der FPÖ ausgeschlossen - einen Tag nachdem abtrünnige Wiener Gemeinderäte die Allianz für Österreich (DAÖ) aus der Taufe gehoben hatten.

Zu kämpfen hat Strache nicht nur mit Spesen-Vorwürfen und Ibiza-Erinnerungen. Vor der Wien-Wahl am 11. Oktober wurden abermals Vorwürfe laut, er habe seinen Hauptwohnsitz nur zum Schein in Erdberg gemeldet, lebe aber eigentlich mit seiner Familie im niederösterreichischen Klosterneuburg. Einen Strich durch die Rechnung machen könnte Strache daher nicht nur Ibiza, sondern auch jene Stadt, in der er schon so oft Bürgermeister werden wollte.

Zur Person: Heinz-Christian Strache, geboren am 12. Juni 1969 in Wien, zwei Kinder aus erster Ehe, ein weiteres aus der jetzigen, verheiratet. Gelernter Zahntechniker. Ab 1991 Mitglied der Bezirksvertretung (Bezirksrat) von Wien-Landstraße, ab 1993 Bezirksparteiobmann der FPÖ Wien-Landstraße, 1996-2006: Wiener Landtags-Abgeordneter, 2004 Landesparteiobmann der FPÖ Wien, 2005-2019 FPÖ-Bundesparteiobmann, Dezember 2017 bis Mai 2019 Vizekanzler.

Persönlicher Steckbrief von Heinz-Christian Strache

Persönlicher Steckbrief von Heinz-Christian Strache, der am 11. Oktober zum ersten Mal für das Team HC Strache als Spitzenkandidat für die Wien-Wahl 2020 antritt:

  • Name: Heinz-Christian Strache
  • Geburtsdatum: 12. Juni 1969 (51 Jahre)
  • Wohnbezirk: 3., Landstraße
  • Familienstand: Verheiratet
  • Erlernter Beruf: Zahntechniker
  • Initialzündung für politisches Engagement: Jörg Haider
  • Hobbys: Skifahren, Wandern, Schach, Fitnessstudio
  • Lieblingsgetränk: Sommerspritzer
  • Lieblingsbuch/ -autorIn: Gabriel Barylli
  • Lieblingsband/ -musikerIn: Falco
  • Lieblingsfilm/ -serie: Braveheart, Ein echter Wiener geht nicht unter
  • Meine beste Eigenschaft: Soziale Kompetenz
  • Meine schlechteste Angewohnheit: Gutgläubigkeit
  • Größter Erfolg: Verantwortung als Vizekanzler zu leben
  • Größter Misserfolg: Dass ich in eine kriminelle Falle getappt bin
  • Ein prägender Moment im "Lockdown": Einschränkung der Freiheitsrechte
  • Wien in 3 Worten: Heimatstadt, Kulturzentrum, Wiener Charme und Lebensfreude
  • Lieblingsausdruck auf Wienerisch: Leiwander Haberer
  • Politischer Werdegang:
  • 1991 Bezirksrat
  • 1993 Bezirksobmann Wien-Landstraße
  • 1996 Gemeinderats- und Landtagsabgeordneter
  • 2004 Landesobmann
  • 2005 Klubobmann im Wiener Landtag
  • 2005 Bundesobmann der FPÖ (bis Mai 2019)
  • 2006 Klubobmann im Parlamentsklub
  • 2015 31 Prozent in Wien und Eroberung des Vize-Bürgermeisters
  • 2017 Vizekanzler
  • 2018 Minister für öffentlichen Dienst + Sport
  • 2020 Obmann des Team HC Strache, Spitzenkandidat für die Wiener Wahl 2020

(APA/Red)

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