Grüne wollen ein Musical-Theater am Areal des Wiener Hauptbahnhofs

Bekommt Wien ein Musical-Theater am Hauptbahnhof?
Bekommt Wien ein Musical-Theater am Hauptbahnhof? ©APA
Für das Wien Museum wird weiterhin ein neuer Standort gesucht. Auch das Areal am neuen Wiener Hauptbahnhof ist dafür im Gespräch. Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Grünen, findet, dass das Museum am Karlsplatz bleiben und stattdessen ein neues Musicaltheater gebaut werden sollte.
Standortfrage noch nicht geklärt

Das Projekt Wien Museum Neu hängt derzeit in der Warteschleife. Wann die Stadt über den künftigen Standort entscheidet, ist offen. Für Klaus Werner-Lobo besteht tatsächlich kein großer Zeitdruck: “Ich bin da für Gelassenheit. Es geht immerhin um einen Jahrhundertbau.” Es sei gut, dass sich Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Bürgermeister Michael Häupl nicht drängen lassen und die beiden verbliebenen Standorte nun geprüft würden. Lobo lässt nun jedoch mit dem Vorschlag aufhorchen, dort die Errichtung einer Musicalbühne zu prüfen, die ohne Förderungen auskommen soll. Die Struktur der Vereinigten Bühnen könnte im Gegenzug grundlegend verändert werden, empfahl der Grün-Politiker.

Bevölkerung soll über Wien Museum entscheiden

Wobei die Grünen dafür plädieren, die Entscheidung über die inhaltliche Gestaltung nicht hinter verschlossenen Türen zu fällen, sondern unter Einbeziehung der Bevölkerung: “Ein Wien Museum als Stadtmuseum ist nicht so wie ein Kunstmuseum. Das soll ein Identifikationsort für die gesamte Wiener Bevölkerung sein.” Werner-Lobo wünscht sich einen öffentlichen Raum, “wo man einmal abhängt am Nachmittag” und wo auch Familien mit Kindern gerne hingehen. “Da gibt es ein sehr schönes Beispiel dafür, nämlich das Stadtmuseum in Liverpool. Die Stadt hat eine halbe Million Einwohner und das Museum eine Million Besucher pro Jahr. Ins Wien Museum kommen 125.000”, berichtete der Grün-Politiker. Das Museum of Liverpool liege sehr zentral und man habe, bevor der erste Ziegelstein gesetzt wurde, die Bevölkerung gefragt – auch die Arbeiterschichten und die Zuwanderer: “Das hat dazu geführt, dass sich die dort finden.”

Standortfrage noch nicht geklärt

Diese Qualität hätten die Grünen gerne in einem Wiener Stadtmuseum: “Da ist die Standortfrage sicher eine sehr wesentliche.” Aus seiner persönlichen Sicht eigne sich der Karlsplatz “hervorragend”. Dieser sei schon jetzt ein Ort, wo ganz Wien zusammentreffe, gab Werner-Lobo zu bedenken: “Sogar aus manchen Teilen des zehnten Bezirkes ist man schneller am Karlsplatz als am Hauptbahnhof.”

Wobei auch der zweite mögliche Museumsstandort, das Hauptbahnhof Areal, nicht ohne Kultureinrichtung auskommen soll: “Ich bin ja dafür, so viele Kulturorte wie möglich in dieser Stadt zu schaffen.” Was Klaus Werner-Lobo konkret vorschwebt, ist nichts Geringeres als eine Art Neuorganisation der städtischen Theaterlandschaft: “Wir haben nämlich noch eine andere riesengroße Baustelle – nämlich, dass die Vereinigten Bühnen sagen, sie kommen mit dem Geld nicht aus.”

Ein weiteres Musicaltheater für Wien?

Eine Erhöhung der Subventionen lehnt der grüne Kultursprecher ab: “Wir haben das Geld nicht. Ich will es ja nicht den Kindergärten wegnehmen, zum Beispiel.” Man könne aber darüber nachdenken, wie man langfristig das Problem, das Wien als Musicalstadt habe, löse. Sprich: Das Angebot soll diversifiziert werden. Werner-Lobo schlägt vor, zu prüfen, ob beim Hauptbahnhof nicht ein kommerziell erfolgreicher Musicaltheater- oder Unterhaltungsmusikbau entstehen könne – nämlich unter Beteiligung privater Investoren.

So ein Haus könne sich – wenn man etwa die touristische Wertschöpfung berücksichtige – ökonomisch rechnen und ohne Förderungen auskommen: “Das gibt es nämlich in anderen Städten. Im Ronacher oder im Raimundtheater sei das hingegen nicht möglich: “Das kann in alten Häusern nicht funktionieren. Da passen zu wenig Leute hinein.” Das neue Haus am Hauptbahnhof könnte hingegen für bis zu 2.500 Personen konzipiert werden.

Gefordert wird ein “Kulturentwicklungsplan”

Analog zu den Arbeiten für den Stadtentwicklungsplan 2025 regt Werner-Lobo die Erstellung eines “Kulturentwicklungsplans” an. Darin könne auch die Entwicklung der Vereinigten Bühnen skizziert werden. In der Expertise könnte zum Beispiel stehen, dass im Raimundtheater künftig anspruchsvolleres Musiktheater gezeigt wird. “Und ich glaube, dass es auch im Theater an der Wien sehr große Sparpotenziale gibt. Ich bin mir sicher, dass man dort sehr viel günstiger dieselbe Qualität produzieren kann”, betonte er.

Das Ronacher könnte aus den Vereinigten Bühnen herausgenommen werden – um ein “schönes neues Profil” zu erarbeiten. Kleinere Musiktheaterproduktionen, Unterhaltungstheater oder Varieté könnten dort ihren Platz finden. Die Subventionen dafür würden “viel geringer” ausfallen als derzeit, ist Werner-Lobo überzeugt. Die durch so eine Strukturreform erzielten Einsparungen könnten dafür verwendet werden, dass sich Wien das System VBW überhaupt langfristig leisten könne – sowie für die freie Szene. Wobei Klaus Werner-Lobo versicherte, keinesfalls gegen Musicals zu sein: “Ich will keinen elitären Kunstanspruch stellen, das heißt aber nicht, dass das eingekaufte Fertigware sein muss.” Die aktuelle Produktion “Natürlich blond” habe aber etwa “null kulturpolitischen Anspruch”: “Wem es gefällt, soll es sich anschauen, aber es ist nicht einzusehen, dass man dafür Steuergeld in die Hand nimmt.”

Kommt ein Hauptbahnhof-Theater?

Derartiges könnte jedenfalls im neuen Hauptbahnhof-Theater gezeigt werden. Die Vereinigten Bühnen hingegen sollten eher auf zeitgemäße Eigenproduktionen oder anspruchsvollere Westend-Stücke setzen: “Themen wie das der West Side Story, also etwa dass sich Fatima in Franz Ferdinand verliebt, kann man auch im Wien des Jahres 2013 zeitgemäß inszenieren.” In Sachen Musik erinnert Werner-Lobo an die international erfolgreichen Protagonisten aus der Wiener Elektronik-Szene. Der Kultursprecher der Wiener Grünen versichert: “Das wäre etwas, das fetzt richtig, da kommen auch viele Leute.” (APA)

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