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Gewerbe und Handwerk hoffen auf Handwerkerbonus

Im Moment werden alte Aufträge abgearbeitet.
Im Moment werden alte Aufträge abgearbeitet. ©APA
Die Corona-Krise neigt sich für die Gewerbe- und Handwerksbetriebe dem Ende zu und nun fordert die Wirtschaftskammersparte Sonderprogramme, um die Betriebe zu stärken. Das soll ein Auftragstief im Herbst verhindern.

Die Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben die letzten Monate "mit starken Blessuren" überstanden, bilanziert Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der WKÖ-Bundessparte Gewerbe und Handwerk. Es brauche nun Sonderprogramme, beispielsweise für Veranstaltungstechniker und andere Zulieferer des Tourismus, die Cash brauchen, so Scheichelbauer-Schuster bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Vor allem Ein-Personen-Unternehmen und Kleinstbetriebe waren stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Generell seien viele Betriebe im Gewerbe und Handwerk gerade am Abarbeiten von Aufträgen, das Neugeschäft lasse allerdings nach. Um ein Auftragsloch im Herbst zu verhindern, fordert die Sparte Unterstützungsmaßnahmen wie die Neuauflage des Handwerkerbonus. Dieser soll viel breiter aufgestellt und besser dotiert sein als der letzte und noch vor dem Sommer umgesetzt werden, so Scheichelbauer-Schuster. Auch der Reparaturbonus sowie Anreize für Klimaschutz-Maßnahmen wie thermische Sanierung sollen kurzfristig umgesetzt werden. Im Ausbildungsbereich soll der Lehrlingsbonus genutzt werden, wobei Betriebe bei Personalentscheidungen zurzeit sehr zurückhaltend seien.

Normalisierung erst in den nächsten Jahren

Laut einer Sondererhebung der KMU Forschung Austria, für die über 1.000 Betriebe befragt wurden, erwarten 35 Prozent erst im Laufe des Jahres 2021 oder 2022 eine Normalisierung bei Auftrags- und Umsatzvolumen. 22 Prozent gaben an, schon jetzt wieder aufgeholt zu haben. Knapp zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, das Vorkrisenniveau bis Jahresende erreicht zu haben - vorausgesetzt es gibt keine zweite Welle, so Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. Ein Prozent der befragten Unternehmen habe angegeben, wohl dauerhaft schließen zu müssen.

Auch Auftrags- und Umsatzrückgänge von März bis Mai wurden untersucht: Am schlimmsten betroffen waren demnach Betriebe zwischen null und 9 Mitarbeitern, darunter besonders die Ein-Personen-Unternehmen. Mit Blick auf die Branchen traf es vor allem Gesundheit/Wellness, Kreativ/Design und Veranstaltungstechnik und andere Tourismuszulieferer besonders hart.

Überstunden und Urlaub wurde abgebaut

Insgesamt setzten die Gewerbe- und Handwerksbetriebe als Reaktion auf die Corona-Pandemie vor allem auf den Abbau von Überstunden und Urlaubstagen (50 Prozent), die Einführung von Kurzarbeit (47 Prozent), Reduktion des Einkaufs (36 Prozent) und das Abbrechen von Investitionsvorhaben (31 Prozent). Mehr als die Hälfte der Betriebe hat oder wird Kurzarbeit in Anspruch nehmen, auch Steuer-Stundungen (38 Prozent) und Hilfe aus dem Härtefallfonds für Selbstständige (32 Prozent) wurden oder werden voraussichtlich beantragt.

Peter Voithofer vom Economica-Institut hat Erhebungen in vier Branchen (Friseure, Tischler und Holzgestalter, Elektrotechniker sowie Fleischer) durchgeführt. Prinzipiell gehe es wieder aufwärts, "aber kontinuierlich und langsam". Insgesamt müssten die Musterbetriebe heuer Umsatzrückgänge zwischen 5,2 und 6,4 Prozent hinnehmen, bei Friseuren seien es sogar 12,5 Prozent. Noch stärker seien die Einbußen beim Gewinn: Jener der Friseure sinkt um fast zwei Drittel, bei Tischlern und Holzgestaltern werden sich die Gewinne mehr als halbieren, erwartet Voithofer. Positiv sei, dass die Unternehmen im Gewerbe und Handwerk 2020 trotz allem schwarze Zahlen schreiben würden.

"Zweite Halbjahr wird zentral"

Es habe sich einmal mehr gezeigt, dass KMU sehr flexibel sind und sich rasch angepasst haben. "Das zweite Halbjahr wird zentral", denn Unterstützungsmaßnahmen der Regierung gleichen Einbrüche im Ergebnis bei weitem nicht aus, so Voithofer. Wichtig seien ein reibungsloser Betriebsablauf und Anreize zur Erhöhung der Nachfrage. Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Reinhard Kainz forderte ebenso rasche Nachbesserungen der Bundesregierung bei besonders betroffenen Branchen. "Grundsatz ist rasch und Cash", vor allem für Ein-Personen-Unternehmen.

(APA/red)

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