FPS-Spitzenkandidat Schnell im Interview: "Wir werden rennen, was nur geht"

Karl Schnell geht mit seiner FPS zuversichtlich in die Salzburg-Wahl.
Karl Schnell geht mit seiner FPS zuversichtlich in die Salzburg-Wahl. ©APA/NEUMAYR/RH
Karl Schnell ist Spitzenkandidat der "Freien Partei Salzburg". Er will mit seiner 2015 gegründeten Partei am 22. April in den Salzburger Landtag einziehen. Dabei verlässt er sich auf den Zuspruch der Menschen.
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Auch nach der Gründung des BZÖ habe niemand der FPÖ einen Einzug in den Landtag zugetraut. Er habe trotzdem eine erfolgreiche Wahl geschlagen, verwies Schnell auf seine politische Erfahrung. Die meisten Umfragen sehen die FPS, die aktuell fünf (für die FPÖ gewählte) Mandatare im Landtag hat, derzeit bei einem Prozent und damit weit von der für den Einzug ins Landesparlament notwendigen Hürde von fünf Prozent entfernt. “Wir sind die einzigen, die sich nicht einschüchtern lassen”, sagte Schnell über sich und seine Mitstreiter: “Es braucht eine politische Kraft in Salzburg, die wirklich auf die Bevölkerung schaut.” Seine Liste “Dr. Karl Schnell – Freie Partei Salzburg” sei diese Kraft.

FPS ist laut Schnell Arbeitnehmer-Partei

Die FPS vertrete die Anliegen der Arbeitnehmer, der Klein- und Mittelbetriebe und der alten Menschen. Inhaltlich setze er sich für Bürokratieabbau, Umweltschutz und die Verbesserung des Gesundheitssystems ein. Seine Anliegen würden oft jahrelang ignoriert, aber schließlich doch aufgegriffen, erklärte Schnell. So habe er immer dafür gekämpft, dass nicht auf das Vermögen von Menschen in Pflegeheimen zugegriffen werde. Im vergangenen Sommer sei diese Forderung im Nationalratswahlkampf beschlossen worden. Auch auf schikanöse Kontrollen von Betrieben und Auflagen weise er seit Jahren hin, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) habe nun das Thema im Wahlkampf auch entdeckt.

Nach der Landtagswahl am 22. April rechnet Schnell mit der Bildung einer Koalition zwischen ÖVP und FPÖ. Die Salzburger FP-Chefin Marlene Svazek wäre eine bequeme Partnerin für Haslauer, meinte Schnell. Die Grünen hätten in der Regierung jene Themen, für die sie gewählt worden seien, zu wenig vertreten, ist er von deren Arbeit enttäuscht.

Schnell feierte Wahlsiege, aber auch Niederlagen

Im Wahlkampf werden er und seine Mitstreiter alles geben, um den Einzug zu schaffen. “Wir werden rennen, was nur geht”, setzt er auf den direkten Kontakt mit den Bürgern. “Diese Wahl ist noch lange nicht geschlagen”, sagte Schnell zuversichtlich und meinte: “Da werden sich noch einige wundern.”

Er hat in den mehr als 25 Jahren seiner bisherigen politischen Tätigkeit Wahlsiege gefeiert, aber auch bittere Niederlagen hinnehmen müssen: Karl Schnell hat einen langen Atem. Am 22. April tritt er als Spitzenkandidat der Freien Partei Salzburg an. Eine Partei, die er 2015 gegründet hat, nachdem er von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aus der FPÖ ausgeschlossen worden war. Zuvor hatte der Arzt aus Saalbach-Hinterglemm, der 1991 von Jörg Haider persönlich in die Politik geholt worden war, mehr als zwei Jahrzehnte die Blauen in Salzburg angeführt. Aufgeben steht nicht auf der Agenda des Langzeitpolitikers. Auch wenn ihm die Umfragen im Vorfeld der Landtagswahl nur rund ein Prozent der Stimmen prognostizieren. Schnell will es noch einmal wissen. Mit seiner einstigen politischen Heimat FPÖ hat er noch eine Rechnung offen. Nach dem Ausschluss führte er einen erbitterten Streit gegen die Freiheitlichen um Parteinamen und Finanzen.

FPS-Gründer Schnell ist Arzt

Schnell, der am 7. April 1954 in Flachau (Pongau) geboren wurde, studierte Medizin. 1985 ließ er sich als praktischer Arzt in Saalbach-Hinterglemm nieder. Sein Hobby, das Hubschrauberfliegen, führte ihn in die Politik: Er hatte den damaligen FP-Chef Jörg Haider im Wahlkampf geflogen. Dieser machte ihn 1991 zum Generalsekretär der aufstrebenden Freiheitlichen. Als 1992 der damalige Salzburger FP-Chef und Landesrat Volker Winkler, der als zu wenig angriffig galt, von Haider ausgewechselt wurde, übernahm Schnell das Ruder. Der Arzt gab seine Praxis auf und konzentrierte sich auf Oppositionsarbeit von der (Landes)Regierungsbank aus – bis 1997, als Schnell nach der sogenannten “Datenklau”-Affäre durch einen Misstrauensantrag sein Regierungsamt verlor. Ein Rausschmiss, der ihn noch heute schmerzt.

Der Arzt verlegte seine politische Tätigkeit in den Landtag und setzte seinen Oppositionskurs fort. Er überstand einen innerparteilichen Machtkampf, bei dem die spätere Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer auf Haiders Geheiß alle Salzburger Funktionäre absetzte. Schnell nannte seine Kontrahentin damals “Königskobra”. Ein öffentlicher Kniefall vor seinem einstigen Mentor rettete Schnell den Platz an der Salzburger FPÖ-Spitze.

Schnell gründete 2015 in Salzburg die FPS

Im Lauf der Zeit entfremdete sich Schnell immer stärker von seinem Mentor. Als das BZÖ gegründet wurde, blieb er bei der FPÖ. Er steckte bittere Niederlagen weg und feierte den Wiederaufstieg der Partei. Innerparteilich begann es aber immer mehr zu gären. Schnell ließ aufstrebende Nachwuchskräfte nicht nachkommen und setzte trotz wiederholt angekündigter Verjüngung immer wieder auf dasselbe Grüppchen. Zudem seilte er sich immer mehr von der Bundespartei ab. 2015 eskalierte die Lage. Zunächst kehrte ein Landtagsabgeordneter der Partei den Rücken, danach kam es einmal mehr in der Ära Schnell zu Parteiausschlüssen, getroffen hat es dieses Mal vier Mandatare. Schließlich griff die Bundespartei mit Chef Heinz-Christian Strache hart durch, montierte Schnell und seinen inzwischen zum Landesobmann beförderten Freund Rupert Doppler ab und stellte die Salzburger FPÖ neu auf.

Schnell nahm seine Gefolgschaft mit und gründete die FPS. Seine Hoffnung, es würden sich noch weite Teile der Salzburger FPÖ-Anhängerschaft hinter ihm versammeln, wurden bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 brutal zerstört: Magere 2.200 Stimmen oder 0,7 Prozent im Heimatbundesland versetzten ihn in eine Nachdenkphase. Schließlich entschloss er sich aber doch dazu, es bei der Landtagswahl noch einmal wissen zu wollen. Die Parteien- und Klubförderung für seine fünf Landtagsmandatare werden ihm die Entscheidung wohl erleichtert haben.

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APA/Red.

 

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