Fan-Events bei der EM oder Corona-Brutstätten? Pro und Contra

Abstand wird nicht immer eingehalten.
Abstand wird nicht immer eingehalten. ©AP
Normale Fußball-Fans oder doch Superspreader: Nach Fan-Events im Zuge der Europameisterschaft steigt die Zahl der Infektionen besonders unter jungen Männern rapide an. Vermasseln wir uns dadurch bereits den Herbst?

PRO

Nachdem die Fußball-EM 2020 schon um ein Jahr verschoben wurde, findet das Spektakel heuer nun endlich statt. Eine willkommene Abwechslung für alle, die im vergangenen Jahr einige Einschränkungen hinnehmen mussten. Dass dann ausgiebig gefeiert wird, ist keine Überraschung. Wer kann es den Fans auch übelnehmen? Risikopatienten sind in Europa zum größten Teil geimpft, Neuinfektionen sind auf sommerlichem Niveau und die Spitäler halten genug Kapazitäten bereit. Die meist jüngeren Fußballfans verlassen die Fan-Meile auch meistens nur mit milden Symptomen. Ein Fingerzeig, dass die Menschheit in Zukunft mit dem Virus leben wird müssen. Man kann nicht bis zum Ende aller Tage auf Großevents verzichten, Corona wird neben der Vielzahl an Viren und Bakterien seinen Platz einnehmen.

Doch wird dadurch nicht ein Lockdown im Herbst herbeigeschworen? Durch Urlaubsreisen und Lockerungen wurden die Infektionen schon im letzten Sommer von Ort zu Ort getragen. Trotz aller Maßnahmen wird man das auch heuer nicht aufhalten können. Ob man sich beim Public Viewing, im Stadion oder zwei Wochen später im Urlaub ansteckt – früher oder später wird sich wohl jeder, der nicht geimpft ist, mit Corona infizieren. Und auch die Impfung ist kein 100-prozentiger Schutz. Wichtig ist, dass die Spitäler nicht aus allen Nähten platzen und das normale Leben weitergehen kann.

(obl)

CONTRA

Ausnahmesituation erfordern Ausnahmeregelungen. Eine Fußball-EM während einer Pandemie fällt meiner Meinung nach definitiv unter Ausnahmesituation. Überall werden die Maßnahmen gelockert, egal ob es um Veranstaltungen oder die Maskenpflicht geht – und das ist auch gut so. Aber dennoch sollten die Lockerungen mit Maß und Ziel gesetzt werden. Die Fußball-EM ist ein freudiges Ereignis, allerdings sollte deshalb nicht die Gesundheit von zahlreichen Menschen gefährdet werden. Schon gar nicht, wenn in vier Jahren dasselbe Event wieder über die Bühne geht.

Die Fußball-EM sorgt einer Studie zufolge dafür, dass es zu einem Anstieg der Corona-Neuinfektionen kommt. Egal ob man sich beim Public-Viewing oder im Stadion selbst ansteckt. Das wiederum führt zu mehr Erkrankungen und zur Verbreitung oder gar Entstehung neuer Mutationen. Insbesondere gegenüber jenen, die noch nicht geimpft sind und es gerne wären, sind diese Veranstaltungen unfair. Veranstaltungen sind nicht prinzipiell schlecht, keinesfalls. Doch in dieser Größe und in Verbindung mit Euphorie und Alkohol können sie schnell zu Super-Spreader-Events werden.

Das könnte verhindert werden, wenn Zuseher bereit wären, das Ereignis nur im kleinen Kreis zu genießen. Ja, es ist nicht das Gleiche. Ja, es ist nicht dieselbe Stimmung. Ja, in der großen Gruppe ist es ein anderes Gefühl. Aber wenn dadurch zahlreiche Erkrankungen verhindert werden können, sollte es möglich sein, einmal die EM anders mitzuverfolgen.

(lyd)

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