Faktencheck zu Einträgen von Nebenwirkungen in WHO-Impf-Datenbank

Datenbank für Impf-Nebenwirkungen der WHO im Faktencheck.
Datenbank für Impf-Nebenwirkungen der WHO im Faktencheck. ©APA
Impfbezogene Datenbanken stehen während der Corona-Pandemie im Fokus. Nach wie vor werden Informationen daraus aus dem Kontext gerissen und falsch wiedergegeben.

Zuletzt verbreiteten sich auf Telegram und Facebook sowie in Artikeln stark Behauptungen rund um die WHO-Datenbank VigiBase. So gebe es angeblich über 2 Millionen Nebenwirkungen bei Covid-19-Impfstoffen und damit deutlich mehr als bei anderen Impfungen. User leiten daraus Sicherheitsbedenken ab.

Datenbank zu Nebenwirkungen nach Covid-Impfungen

Einschätzung: Aus der Datenbank der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen sich keine Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Corona-Impfung ableiten. Es handelt sich lediglich um gemeldete vermutete Nebenwirkungen nach der Einnahme von Arzneimitteln oder einer Impfung.

Überprüfung: Über VigiAccess stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Öffentlichkeit Daten der VigiBase-Datenbank zur Verfügung. Die Datenbank sammelt gemeldete vermutete Nebenwirkungen von medizinischen Produkten. Gemeldet werden diese zum Beispiel von Arzneimittelüberwachungs- oder nationalen Behörden.

Die Datenbank lässt keine Rückschlüsse darauf zu, inwieweit ein Symptom mit dem Arzneimittel, beispielsweise einer zuvor erfolgten Impfung, in kausalem Zusammenhang steht oder von dem Produkt ausgelöst worden ist. Das solle auch nicht angenommen werden, wird auf der Webseite betont.

Kein bestätigter Zusammenhang zwischen Arzneimittel und Nebenwirkung

"Das Bestätigen eines kausalen Zusammenhangs ist ein komplexer Prozess, der eine gründliche wissenschaftliche Bewertung und eine detaillierte Evaluierung aller verfügbaren Daten erfordert. Die Informationen auf dieser Website sagen daher nichts über einen bestätigten Zusammenhang zwischen einem Arzneimittel und einer Nebenwirkung aus", heißt es.

Die Datenbank trifft auch keinerlei Aussage über die Wahrscheinlichkeit, dass eine gewisse Nebenwirkung eintritt. Dafür fehlen entscheidende Fakten, wie die Gesamtzahl der Menschen, die ein Arzneimittel genommen haben, die Dauer der Einnahme usw. Genauso wenig ist die Datenbank dazu geeignet, Sicherheitsprofile verschiedener Medizinprodukte miteinander zu vergleichen.

Die Zahl der gemeldeten vermuteten Nebenwirkungen einzelner Impfungen sind in derselben Größenordnung wie die angeführten Zahlen in den Social Media-Beiträgen. Das lässt sich der Datenbank entnehmen. Daraus aber abzuleiten, dass es bestätigte Nebenwirkungen sind und die Corona-Impfung wie von der WHO offiziell bestätigt, gefährlich ist, ist falsch.

Vorteile der Corona-Impfung überwiegen Risiken

Die Sicherheit der Covid-19-Impfungen wird unter anderem von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) kontinuierlich überwacht. Zu allen Impfstoffen veröffentlicht die Behörde regelmäßig Sicherheitsberichte. In den aktuellen Berichten bestätigt die EMA, dass die Vorteile der Impfungen die Risiken überwiegen. Zum erst zugelassenen Covid-19-Impfstoff von Novavax gibt es noch kein Sicherheitsupdate.

Zur Zulassung, Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfungen gibt es bereits zahlreiche Faktenchecks . In einem APA-Faktencheck zu Impf-Berichten des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurde etwa ausgeführt, wieso es nicht aussagekräftig ist, die Zahl gemeldeter Todesfälle nach Impfungen, die schon lange eingesetzt werden, mit den gemeldeten Todesfällen nach Corona-Impfungen zu vergleichen.

Es gilt nämlich miteinzubeziehen, dass in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Schnitt viel weniger Impfdosen verabreicht worden sind als jetzt in der Corona-Pandemie, wo in einem sehr kurzen Zeitraum sehr viel verimpft wurde. Alleine deswegen ist eine höhere Anzahl an Meldungen vermuteter Nebenwirkungen zu erwarten. Zudem haben einige Faktoren Einfluss auf das Meldeverhalten nach der Corona-Impfung, wie das pandemiebedingte gesteigerte öffentliche Interesse oder auch, dass öffentliche Institutionen zu Meldungen aufgerufen haben, um möglichst viele Daten zu erhalten.

(APA/Red)

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