Fake-Video zu Todesfällen bei Sportlern nach Corona-Impfung kursiert im Netz

Von den 23 gezeigten Personen im Video ist nur eine tatsächlich verstorben.
Von den 23 gezeigten Personen im Video ist nur eine tatsächlich verstorben. ©APA/ERWIN SCHERIAU
Ein viraler Video-Zusammenschnitt auf Facebook soll angeblich zahlreiche Sportler zeigen, die "plötzlich und unerwartet" gestorben seien. Die vermeintlichen Todesfälle werden mit der Corona-Impfung in Verbindung gebracht. Was ist dran an den Behauptungen?
Faktencheck: Impfung und Herzkrankheiten

Einschätzung: Von den 23 Sportlern bzw. Schiedsrichtern und Trainern im Video ist nur eine Person tatsächlich verstorben. Einige brachen aufgrund von Hitze oder Überanstrengung zusammen und erholten sich schnell wieder. Andere klagten über Atembeschwerden oder Herzprobleme. Ein paar wenige befanden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, etwa aufgrund eines Herzinfarkts oder eines Blutgerinnsels. Ein kausaler Zusammenhang zur Corona-Impfung ist bei keinem belegt.

Überprüfung: Der brasilianische Fußballspieler Alex Apolinario vom portugiesischen Verein Alverca ist der einzige Sportler im Video, der tatsächlich verstorben ist. Das teilte sein Verein unter anderem auf Instagram mit. Es ist unklar, ob Apolinario gegen Corona geimpft war. Der Zeitpunkt Anfang Jänner 2021 macht es aufgrund der Impfpriorisierung aber unwahrscheinlich.

Faktencheck: Virales Video von Sportlern zeigt keine Todesfälle

Der britische Tennisspieler Jack Draper und der nigerianische Fußballspieler Samuel Kalu kollabierten Medienberichten zufolge aufgrund von Hitze. Beiden ging es kurz darauf wieder gut. Auch der Australian Football-Spieler Jake Lever hatte sich eigenen Angaben zufolge überanstrengt und kollabierte deshalb.

Die Fußballspieler Victor Lindelöf, Piotr Zielinski und Martin Terrier sowie der Tennisspieler Nikolos Bassilaschwili litten Medienberichten zufolge unter Atembeschwerden. Bei Lindelöf lag der Grund vermutlich in einem zuvor erfolgten Zusammenstoß mit einem anderen Spieler. Zielinski war bei den darauffolgenden Spielen wieder fit, seine Corona-Impfung lag zudem zum Zeitpunkt der Beschwerden einige Zeit zurück. Der Grund für die Atemprobleme Terriers sind unklar, aber auch er spielte in den nächsten Spielen bereits wieder. Auch die Ursache für Bassilaschwilis Beschwerden sind unbekannt, einem Medienbericht zufolge hingen die Probleme aber nicht mit der Corona-Impfung zusammen.

Ungeimpft war auch der Basketballspieler Keyontae Johnson. Zum Zeitpunkt seines Zusammenbruchs war der Corona-Impfstart noch gar nicht erfolgt. Beim wohl bekanntesten Fall - nämlich dem Herzinfarkt von Dänemarks Nationalspieler Christian Eriksen bei der Fußball-EM 2021 - lag die Ursache auch nicht in der Impfung. Giuseppe Marotta, Manager des italienischen Fußballvereins Inter Mailand, sagte, dass Eriksen nicht gegen Corona geimpft worden war. Tim Meyer, Vorsitzender der medizinischen Kommission der Uefa, sagte ebenfalls, dass es nach den ihm vorliegenden Informationen keinen Hinweis gebe, dass eine Corona-Impfung Einfluss auf den Gesundheitszustand Eriksens genommen habe. Dazu gibt es unter anderem einen dpa-Faktencheck.

Auch die Herzprobleme des ehemaligen argentinischen Fußballspielers Sergio Agüero haben nach Angaben seines Arztes nichts mit der Corona-Impfung zu tun. Dasselbe gilt für den Zusammenbruch des Fußballspielers John Fleck. Dem Schotten geht es Berichten zufolge wieder gut.

Die Corona-Impfung des malisch-französischen Fußballspielers Ousmane Coulibaly lag zum Zeitpunkt seines Herzinfarkts mehrere Monate zurück, berichteten Medien. Seinem Pressesprecher zufolge habe er in der Zwischenzeit zahlreiche Spiele ohne Probleme bestritten.

Auch Schiedsrichter in Video-Zusammenschnitt erwähnt

Nicht nur Sportler finden sich in dem Video-Zusammenschnitt, sondern auch Schiedsrichter, etwa Charles Bulu, der während des Afrika Cup 2021 Elfenbeinküste gegen Äthiopien zusammenbrach. Die Ursache dafür ist unklar, es ist aber aufgrund des Zeitpunkts unwahrscheinlich, dass er zuvor die Corona-Impfung erhalten hatte. Keine näheren Informationen gibt es zu den Herzproblemen der Schiedsrichterin Helen Edwards sowie zum Blutgerinnsel des Schiedsrichters Bert Smith.

Genauso verhält es sich bei den Fußballspielern Moussa Dembele, Fabrice N'Sakala und Adama Traore, dem Baseballspieler Daniel Brito, den Basketballspielern Richard Harward und Oscar Cabrera sowie dem Basketball-Coach Duggar Baucom. Tödliche Folgen hatten die Zusammenbrüche aber für keinen von ihnen.

FIFA: Zahl der Herzstillstände am Platz hat nicht zugenommen

Wie die Nachrichtenagentur Reuters im November 2021 berichtete, ist der FIFA nicht bekannt, dass die Zahl der Herzstillstände bei Fußballspielern auf dem Platz zugenommen hätte. Es seien keine Fälle gemeldet worden, wo ein Zusammenhang zur Corona-Impfung vermutet werde. Die FIFA betreibt ein weltweites Register, das plötzliche Todesfälle im Fußball erfasst. Wie sich auf der Webseite des Kooperationspartners - der Universität des Saarlandes - nachlesen lässt, erhöht Wettkampfsport statistisch gesehen das Risiko eines plötzlichen Herztodes um das 3- bis 4-fache.

Eine bereits 2020 im "British Journal of Sports Medicine" erschienene Studie unter Beteiligung der Universität des Saarlandes hat plötzliche Todesfälle im weltweiten Fußball untersucht. Zwischen 2014 und 2018 erlitten demnach 617 Spieler von 67 Ländern einen plötzlichen Todesfall. Die Wahrscheinlichkeit eines akuten Herztodes treffe im Profifußball 6.8 von 100.000 Athleten pro Jahr.

Ein AFP-Faktencheck behandelt ein ähnliches Thema und kommt zu dem Schluss, dass es keinen Anstieg an Herzstillständen im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2018 gab. Ein zuletzt erschienener APA-Faktencheck zeigt, dass Herzerkrankungen als Folge einer Corona-Impfung möglich, aber sehr unwahrscheinlich sind.

(APA/Red)

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