Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Expertin sieht Kapazitäten für Coronavirus- Stichprobentests gegeben

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), der medizinische Direktor des Krankenanstaltenverbunds Michael Binder und Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl bei dem Pressetermin am Dienstag
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), der medizinische Direktor des Krankenanstaltenverbunds Michael Binder und Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl bei dem Pressetermin am Dienstag ©APA/HELMUT FOHRINGER
Wie eine Wiener Virologin nun darlegte, führt die Abschätzung der Dunkelziffer bei den Coronavirus-Erkrankungen durch die angekündigte Stichprobentestung in Österreich nicht zur Verknappung der Ressourcen für Tests.
Tests sollen Dunkelziffer zeigen
NEOS kritisieren Rückgang bei Tests

"Diese Testung ist begrenzt und so aufgestellt, dass die Kapazitäten da sind", sagte die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl am Dienstag zur APA. Trotzdem gelte, "man muss mit den Testkapazitäten sorgsam umgehen".

Test-Wille ist da - doch Material ist Mangelware

Klar sei: "Wir würden alle gerne mehr testen", so die Wissenschafterin vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität (MedUni) Wien. Generell werde es aber immer schwieriger, die notwendigen Test-Kits und Reagenzien in größerem Ausmaß auch geliefert zu bekommen. "Die ganze Welt will die gleichen Dinge zur gleichen Zeit. Das ist das Problem."

Nahezu alle Länder würden derzeit auch nach Informationen dazu suchen, wie gefährlich dieses Virus tatsächlich ist. Dazu gehört die Frage, wie viele Infektionen asymptomatisch verlaufen, so Puchhammer-Stöckl.

Coronavirus-Stichprobentestung ist "eine notwendige Idee"

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) betonte am Dienstag vor Journalisten, dass die angekündigte Testung der 2.000 Personen in ganz Österreich umfassenden Stichprobe "eine notwendige Idee" sei, die es zu realisieren gelte. Der asymptomatische Verlauf falle mitunter nämlich gar nicht auf. Die Dunkelziffer sei eine "ganz wesentliche Information" für die Weiterentwicklung der Strategien gegen das Coronavirus, so der Minister, der die Testung mitangeregt hat.

Puchhammer-Stöckl betonte, dass mehr Wissen über die tatsächliche Verbreitung vor allem in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und in anderen Schlüsselbereichen vonnöten wäre. Hier sei es entscheidend, wie viele asymptomatische, potenzielle Überträger "dort eigentlich herumlaufen", so die Virologin.

Skepsis gegenüber Antikörper-Schnelltests

Gegenüber Schnelltest nach Antikörpern, die quasi direkt neben dem Patienten anzeigen sollen, ob die Person das Virus bereits gehabt hat, rät die Wissenschafterin zur Skepsis. Mit rund 50 Anbietern sei dieses Feld "völlig unübersehbar und teilweise auch gar nicht seriös", so Puchhammer-Stöckl. Obgleich es einzelne Tests von "seriöseren Anbietern" gebe, wisse man über die Aussagekraft oft wenig. Die Wissenschafterin hat mit ihrem Team einen dieser Tests kürzlich überprüft. Es zeigte sich: "Wenn man einen positiven Schnelltest hat, muss man den unbedingt durch einen Labortest bestätigen. Man erspart sich als nicht wirklich etwas."

Der klassische Weg zum Nachweis von Antikörpern über Labortests sei hingegen "sehr gut geeignet". Auch an der Meduni Wien werden diese durchgeführt, allerdings gebe es aufgrund der großen Nachfrage auch in diesem Bereich bereits Engpässe, so Puchhammer-Stöckl.

Virologin hält Ausweitung der Maskenpflicht für sinnvoll

Der nunmehr angekündigten Ausweitung der Maskenpflicht kann die Virologin etwas abgewinnen - auch wenn bekanntermaßen der individuelle Schutz nur beim Tragen von Spezialmasken gegeben ist. Es sei tatsächlich ein Problem, die nötigen Abstände etwa in Supermärkten einzuhalten und die Masken dämmen die Tröpfchenübertragung auf kurze Distanzen ein. Dazu komme auch, dass das Tragen des Schutzes einen psychologischen Effekt mit sich bringen könnte und Menschen mehr auf Distanzierung achten.

Coronavirus-Stichprobentest: Nur der Zufall entscheidet

Bei der geplanten Stichprobenuntersuchung von 2.000 Österreichern auf eine Infektion mit dem Coronavirus regiert der Zufall. Auch wenn die Bereitschaft zur Teilnahme groß ist und sich beim federführenden Sozialforschungsinstitut SORA schon Dutzende Freiwillige gemeldet haben, "müssen wir uns streng an die Zufallsauswahl halten, damit wir nicht verzerren", sagte Florian Oberhuber von SORA zur APA.

Durchgeführt wird die Studie im Auftrag des Wissenschaftsministeriums von SORA, das die Auswahl der Stichprobe sowie die Auswertung vornimmt, in Zusammenarbeit u.a. mit dem Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien. Die Regierung sagte am Montag, Ergebnisse würden am kommenden Montag vorliegen, seitens SORA sprach man heute von Ergebnissen "voraussichtlich Mitte kommender Woche". Derzeit sei noch unklar, wie lange es dauert, bis alle Tests ausgewertet sind.

Normalerweise Stichproben von nur 1.000 Teilnehmern

Üblicherweise verwendet das Sozialforschungsinstitut für Umfragen eine Stichprobengröße von 1.000 Teilnehmern, für die Coronavirus-Testungen sei man auf 2.000 Teilnehmer gegangen. "Noch wichtiger als die Größe der Stichprobe ist aber, dass es wirklich eine sorgfältige Zufallsauswahl ist und wir keine systematischen Verzerrungen drinnen haben", so Oberhuber. Es handelt sich also um keine Quotenstichprobe, die etwa zur Hälfte aus Männern und Frauen besteht oder bestimmte Altersvorgaben macht. "Es ist tatsächlich eine zufällige Auswahl aus öffentlichen Telefonverzeichnissen - der Zufall ist das Grundprinzip", sagte der Experte. Eine Vorgabe gibt es allerdings: Die Zahl der Studienteilnehmer pro Bundesland entspricht genau dem Verhältnis der jeweiligen Landesbevölkerung zur Gesamtbevölkerung.

Pro ausgewähltem Haushalt wird eine Person getestet

Per Zufall ausgewählt werden Haushalte. Diese werden von der Auswahl vorab telefonisch verständigt. Pro Haushalt wird aber nur eine Person getestet, unabhängig davon, ob diese schon einmal getestet wurde oder Symptome zeigt. Die Regel dabei ist, dass jene Person zum Zug kommt, die als nächstes Geburtstag hat, das sei ein "verbreitetes Verfahren", so Oberhuber, der betont, dass die Teilnahme freiwillig sei.

Die Tests werden von 1. bis 3. April von Mitarbeitern des Roten Kreuzes durchgeführt, die mit einem Wattestäbchen einen Abstrich aus dem Mundbereich machen. Dieser Abstrich wird dann von der Medizinischen Universität Wien mit dem derzeit üblichen sogenannten PCR-Test, der direkt nach dem Erbgut von SARS-CoV-2 sucht, analysiert.

Nur bei positivem Test erfährt Testperson das Ergebnis

Der Test ist anonym organisiert, die durchführenden Institutionen können zu keiner Zeit ein Testergebnis einem Haushalte bzw. einer Testpersonen zuordnen. Nur im Fall eines positiven Tests wird der jeweilige Teilnehmer von den Gesundheitsbehörden informiert, negative Testergebnisse können nicht abgefragt werden.

Als Ergebnis der Studie gebe es "zwei sehr wesentliche Kennzahlen", sagte Oberhuber. Das eine sei die Prävalenz, also der Anteil der Infizierten an der österreichischen Bevölkerung im Testzeitraum. Derzeit werde vermutet, dass dieser Anteil zwischen 0,3 und zwei Prozent liegt, nach der Testung werde man diesen Anteil besser kennen. Dadurch könne man auch die Dunkelziffer besser abschätzen, also wie viele eine Infektion gar nicht bemerken, weil sie sich nicht krank fühlen. Für die Prävalenz wird es auch eine Schwankungsbreite geben - wie groß diese ist, hänge von der Zahl ab: Wenn sie zwei Prozent beträgt, liegt laut Oberhuber die Schwankungsbreite in der Größenordnung von plus/minus 0,6 Prozent.

Telefonisches Besprechen von Coronavirus-Symptomen

Ab kommenden Montag (6.4.) werden die Testteilnehmer zudem telefonisch nach Symptomen, also etwa Schnupfen, Fieber, Zeitpunkt des Auftretens, Dauer, usw. und soziodemographischen Informationen befragt. Hintergrund ist die Erfahrung aus anderen Ländern, dass ein Teil der Infektionen so milde verläuft, dass man eine Infektion gar nicht bemerkt. "Da wollen wir mehr Licht ins Dunkel bringen", sagte Oberhuber. Befragt werden alle Teilnehmer, unabhängig vom Testergebnis.

Für Informationen rund um die Stichprobenstudie wurde eine eigene Website eingerichtet.

(apa/red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Expertin sieht Kapazitäten für Coronavirus- Stichprobentests gegeben
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen