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Erfolgsrezepte für den Song Contest: Diese Faktoren entscheiden über Sieg und Niederlage

Statistisch gesehen gewinnt den ESC eine Frau in Moll.
Statistisch gesehen gewinnt den ESC eine Frau in Moll. ©Thomas Hanses/eurovision.tv
Nicht nur das Charisma des Künstlers und die Qualität des Liedes entscheiden beim ESC über Sieg und Niederlage, es gibt einige statistische Faktoren, die sich in den vergangenen 61 Ausgaben als Erfolgsgaranten herauskristallisiert haben.
Österreich beim ESC: Erfolge und Niederlagen

Betrachtet man die Kandidaten 2017, so treten diesmal zehn Duos oder Bands und 32 Solomusiker gegeneinander an. Von den Einzelkünstlern sind heuer 14 männlichen und 18 weiblichen Geschlechts. Eine relativ ausgewogenen Verteilung im Vergleich zu den Vorjahren.

Historische Analyse: Frauen haben statistisch gesehen größere Siegeschancen

Auch wenn derzeit Italiens Vertreter Francesco Gabbani von den Buchmachern auf Platz 1 gereiht wird, hat ein Song-Contest-Künstler statistisch betrachtet dann die größte Chance auf einen Sieg, wenn er zur weiblichen Fraktion gehört. Ein Blick auf die Sieger der vergangenen Bewerbe zeigt, dass man tendenziell im Vorteil ist, wenn man solo antritt und eine Frau ist: Mit 36 an der Zahl machen die weiblichen Teilnehmer die Mehrheit der insgesamt 64 Sieger aus (1969 gab es gleich vier davon).

Dana International und Conchita Wurst wurden hier gar nicht mitgezählt, aber auch so ist die Bilanz eindeutig: Nur 17 Mal konnte eine Band den Sieg holen, nur neun Mal hatte ein Mann am Ende das Siegerlächeln im Gesicht.

Bisherige Sieger nach Geschlecht und Aufteilung SolokŸnstler-Bands, Siegersongs nach Geschwindigkeit, am hŠufigsten verwendete Wšrter aller bisherigen Siegersongs und des Siegersongs 2016 GRAFIK 0473-17, 88 x 182 mm
Bisherige Sieger nach Geschlecht und Aufteilung SolokŸnstler-Bands, Siegersongs nach Geschwindigkeit, am hŠufigsten verwendete Wšrter aller bisherigen Siegersongs und des Siegersongs 2016 GRAFIK 0473-17, 88 x 182 mm ©Bisherige Sieger nach Geschlecht und Aufteilung SolokŸnstler-Bands, Siegersongs nach Geschwindigkeit, am hŠufigsten verwendete Wšrter aller bisherigen Siegersongs und des Siegersongs 2016 GRAFIK 0473-17, 88 x 182 mm

Mit einem Song im Midtempo-Bereich zum ESC-Sieg

Was die Tonart des Songs betrifft, so gilt es im Gesamtvergleich, Dur gegenüber Moll zu bevorzugen, denn auch hier sprechen die Zahlen mit 40 zu 24 eine deutliche Sprache. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen, denn seit der Jahrtausendwende ist Moll dominant geworden: Von den 15 Siegertiteln seit 2001 haben zwölf diese oft als melancholisch empfundene Tonart aufgewiesen.

Die erfolgsversprechende Geschwindigkeit, die bei Musik in “beats per minute” (bpm) gemessen wird, liegt hingegen im Midtempo-Bereich. Die 64 Siegertitel hatten bisher eine Bandbreite von eher getragenen 27 (1995, Secret Garden aus Norwegen) bis hektischen 134 (1998, Dana International aus Israel), wobei Vorjahressiegerin Jamala mit ihrem Song “1944” und 120 bmp eher im oberen Bereich anzusiedeln ist. Mit Blick auf die gesamte ESC-Geschichte hat sich allerdings die Wahl einer Schlagzahl im Bereich zwischen 61 und 70 bpm als siegbringend herausgestellt, die in 20 Fällen zum Erfolg führte. Schon die zweiterfolgreichste Tempogruppe, 71 bis 80 bpm, kommt nur noch auf zehn Sieger.

Nathan Trent mit “flottem” und “hoffnungsvollem” Lied wohl chancenlos

Bliebe also noch die Frage der Texte, die in einer Untersuchung der Musikwissenschafterin Mariya Aleynikova betrachtet wurden. Sie teilt die Lyrics der Siegersongs in die vier Kategorien “hoffnungsvoll”, “romantisch”, “pathetisch” oder “frech”. Auch hier gab es mit den Jahren Veränderungen, denn während in den Anfangsjahren eher romantische Texte auf der Siegerstraße landeten, gab es in den vergangenen zwölf Jahren einen eindeutigen Trend hin zum Pathos, der acht Mal zum Erfolg führte.

Nimmt man alle diese Aspekte zusammen, hätte demnach heuer die größten Siegeschancen ein Midtempo-Song mit 61 bis 70 bpm, der eine fröhliche bis neutrale Melodie aufweist und bei dem eine Sängerin einen romantischen oder pathetischen Text präsentiert. Österreichs Kandidat Nathan Trent ist geschlechtlich damit scheinbar also nicht auf der Siegerstraße – und mit seinem “Running on Air”, das auf 90 bmp kommt, auch fast etwas flott unterwegs. Außerdem wäre seine fröhliche Hymne wohl eher in den Bereich “hoffnungsvoll” anstatt pathetisch einzuordnen. Aber wer glaubt schon einer Statistik, die er nicht selbst gefälscht hat.

>> Alle Infos zum Song Contest finden Sie in unserem Special

(APA/Red)

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