Erbeben bei Neunkirchen: Leichte Schäden gemeldet

Im Raum Neunkirchen wurden einzelne Schäden gemeldet.
Im Raum Neunkirchen wurden einzelne Schäden gemeldet. ©APA/HELMUT FOHRINGER
In der Nacht auf Dienstag bebte die Erde im Raum Neunkirchen mehrmals: In der Nähe des Epizentrums wurden leichte Schäden gemeldet, Erdbeben sind im Wiener Becken aber nichts Außergewöhnliches.
Erdbeben bis nach Wien spürbar
Erdbeben ungewöhnlich häufig?

Im Raum Neunkirchen haben sich in der Nacht auf Dienstag mehrere Erdbeben ereignet. Das stärkste um 0.57 Uhr hatte laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine Magnitude von 4,4. Die Erschütterungen waren bis nach Wien, ins Burgenland und nach Salzburg zu spüren und rissen viele aus dem Schlaf. Es gab einige Nachbeben. Leichte Schäden an Gebäuden wurden gemeldet. Erst Ende März und Anfang April war das Wiener Becken von Erdbeben heimgesucht worden.

Erdbeben: Leichte Schäden im Epizentrum

"Es wurden erwartungsgemäß einige leichte Schäden im Epizentrum gemeldet, etwa feine Haarrisse im Verputz", berichtete Seismologe Anton Vogelmann von der ZAMG im Gespräch mit der APA. Größere Schäden seien nicht bekannt und nicht zu erwarten.

Bis Dienstagnachmittag sind mehr als 14.000 Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung bei der ZAMG via Formular auf der Webseite oder über die App "QuakeWatch Austria" eingegangen. Auf das Erdbeben der Stärke 4,4 um 0.57 Uhr folgten bis mittags mehr als 20 Nachbeben in der Region Neunkirchen und Wiener Neustadt. Das stärkste davon um 7.16 Uhr wies eine Magnitude von 2,9 auf. Einige Nachbeben wurden von der Bevölkerung ebenfalls bemerkt.

Aktive Erbebenzone bei Neunkirchen

Das Epizentrum des Erdstoßes kurz vor 1.00 Uhr lag vier Kilometer nordöstlich von Neunkirchen in einer der aktivsten Erdbebenzonen Österreichs. Die Erschütterungen wurden laut ZAMG im gesamten Osten der Republik von der Bevölkerung verspürt, besonders stark im südlichen Niederösterreich. Abgesehen vom Epizentrum kamen die meisten Wahrnehmungsmeldungen aus dem Westen Wiens, vor allem aus höheren Stockwerken.

Die Feuerwehr verzeichnete keine Einsätze aufgrund der Erdstöße, teilte Franz Resperger vom niederösterreichischen Landeskommando auf Anfrage mit. In der Neunkirchner Bezirksalarmzentrale wurden keine Schäden gemeldet, hieß es. Drei Feuerwehren waren gerade bei einem Brandeinsatz in der benachbarten Steiermark im Einsatz, berichtete Bezirkskommandant Josef Huber. Im Freien habe man dort die Erschütterungen kaum bemerkt. Einige Mitglieder kehrten allerdings während des Erdbebens kurz vor 1.00 Uhr gerade ins Feuerwehrhaus zurück, so Huber: "Die Kameraden haben berichtet, dass auf einmal das ganze Gebäude zu wackeln begonnen hat."

Erdbeben dieser Größe alle fünf Jahre

"Erdbeben dieser Größenordnung treten in Österreich durchschnittlich alle fünf Jahre auf, auch wenn sich das letzte mit einer vergleichbaren Magnitude erst vor knapp einem Monat (30. März 2021) in derselben Region ereignete", teilte die ZAMG mit. Der Erdstoß am 30. März war mit einer Magnitude von 4,6 der stärkste in den vergangenen 20 Jahren im Wiener Becken gewesen. Dass es keine Schäden gegeben habe, sei "der Herdtiefe zu danken", sagte ein Seismologe. Diese betrug damals zehn Kilometer, am Dienstag um 0.57 Uhr rund neun Kilometer.

Mit weiteren Nachbeben muss laut Vogelmann gerechnet werden. Darunter können auch erneut spürbare Erschütterungen sein. "Eine Nachbebentätigkeit von zwei bis drei Wochen ist zu erwarten", sagte der Experte.

Wiener Becken immer wieder von Erbeben betroffen

Die Region des südlichen Wiener Beckens ist laut ZAMG immer wieder von starken Erdbeben betroffen. Das stärkste der jüngeren Vergangenheit in Ostösterreich vom 16. April 1972 hatte sein Epizentrum bei Seebenstein (Bezirk Neunkirchen) und richtete beträchtliche Schäden an. Mit einer Magnitude von 5,3 wurde damals etwa zehn Mal so viel Energie freigesetzt wie beim aktuellen Erdbeben bei Breitenau am Steinfeld, teilte ZAMG mit.

Das Wiener Becken ist ein geologisch junges tektonisches Einbruchsbecken und Sedimentbecken im Nahtbereich zwischen Alpen, Karpaten und der Pannonischen Tiefebene, informierte die ZAMG. Die Ursache der Bebentätigkeit im Süden der Region ist die horizontale Verschiebung entlang der Mur-Mürztal-Störung, die bewirkt, dass der östliche Krustenteil nach Osten gedrängt wird. Eine markante Tiefenstörung erstreckt sich von Seebenstein über Wiener Neustadt, Ebreichsdorf und Schwadorf nach Marchegg. An den Bruchlinien dieses Störungssystems kommt es durch die kontinuierlichen Verschiebungsraten zu einem Spannungsaufbau, der durch Erdbeben wieder gelöst wird.

(APA/red)

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