Kräftiges Erdbeben in Niederösterreich - bis nach Wien spürbar

Auch in Wien war das Erdbeben teilweise deutlich spürbar.
Auch in Wien war das Erdbeben teilweise deutlich spürbar. ©APA (Sujet)
In der Nacht auf Dienstag gab es ein kräftiges Erdbeben im Raum Neunkirchen in Niederösterreich, das bis nach Wien, Hollabrunn, ins Burgenland und nach Salzburg zu spüren war und viele aus dem Schlaf riss.
Kräftiges Erdbeben südlich von Wien

Im Raum Neunkirchen hat am Dienstag die Erdbeben-Tätigkeit angedauert. Nach den heftigsten Erschütterungen um 0.57 Uhr mit einer Magnitude von 4,4 gab es auch am Abend noch Nachbeben. Deren Stärken wurden von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit 3,7 um 20.01 und mit 2,5 um 19.17 Uhr angegeben.

Erdbeben in Niederösterreich: Leichte Schäden gemeldet

"Es wurden erwartungsgemäß einige leichte Schäden im Epizentrum gemeldet, etwa feine Haarrisse im Verputz", berichtete Seismologe Anton Vogelmann von der ZAMG im Gespräch mit der APA. Größere Schäden seien nicht bekannt und nicht zu erwarten.

Bis Dienstagnachmittag gingen mehr als 14.000 Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung bei der ZAMG via Formular auf der Webseite oder über die App "QuakeWatch Austria" ein. Auf das Erdbeben der Stärke 4,4 um 0.57 Uhr folgten allein bis mittags mehr als 20 Nachbeben mit Magnituden bis 2,9 in der Region Neunkirchen und Wiener Neustadt.

Das Epizentrum des Erdstoßes kurz vor 1.00 Uhr lag vier Kilometer nordöstlich von Neunkirchen in einer der aktivsten Erdbebenzonen Österreichs. Die Erschütterungen wurden laut ZAMG im gesamten Osten der Republik von der Bevölkerung verspürt, besonders stark im südlichen Niederösterreich. Abgesehen vom Epizentrum kamen die meisten Wahrnehmungsmeldungen aus dem Westen Wiens, vor allem aus höheren Stockwerken.

Die Feuerwehr verzeichnete keine Einsätze aufgrund der Erdstöße, teilte Franz Resperger vom niederösterreichischen Landeskommando auf Anfrage mit. In der Neunkirchner Bezirksalarmzentrale wurden keine Schäden gemeldet, hieß es. Drei Feuerwehren waren gerade bei einem Brandeinsatz in der benachbarten Steiermark im Einsatz, berichtete Bezirkskommandant Josef Huber. Im Freien habe man dort die Erschütterungen kaum bemerkt. Einige Mitglieder kehrten allerdings während des Erdbebens kurz vor 1.00 Uhr gerade ins Feuerwehrhaus zurück, so Huber: "Die Kameraden haben berichtet, dass auf einmal das ganze Gebäude zu wackeln begonnen hat."

Weitere Nachbeben erwartet

"Erdbeben dieser Größenordnung treten in Österreich durchschnittlich alle fünf Jahre auf, auch wenn sich das letzte mit einer vergleichbaren Magnitude erst vor knapp einem Monat (30. März 2021) in derselben Region ereignete", teilte die ZAMG mit. Der Erdstoß am 30. März war mit einer Magnitude von 4,6 der stärkste in den vergangenen 20 Jahren im Wiener Becken gewesen. Dass es keine Schäden gegeben habe, sei "der Herdtiefe zu danken", sagte ein Seismologe. Diese betrug damals zehn Kilometer, am Dienstag um 0.57 Uhr rund neun Kilometer.

Mit weiteren Nachbeben muss laut Vogelmann gerechnet werden. Darunter können auch erneut spürbare Erschütterungen sein. "Eine Nachbebentätigkeit von zwei bis drei Wochen ist zu erwarten", sagte der Experte.

Die Region des südlichen Wiener Beckens ist laut ZAMG immer wieder von starken Erdbeben betroffen. Das stärkste der jüngeren Vergangenheit in Ostösterreich vom 16. April 1972 hatte sein Epizentrum bei Seebenstein (Bezirk Neunkirchen) und richtete beträchtliche Schäden an. Mit einer Magnitude von 5,3 wurde damals etwa zehn Mal so viel Energie freigesetzt wie beim aktuellen Erdbeben bei Breitenau am Steinfeld, teilte ZAMG mit.

Das Wiener Becken ist ein geologisch junges tektonisches Einbruchsbecken und Sedimentbecken im Nahtbereich zwischen Alpen, Karpaten und der Pannonischen Tiefebene, informierte die ZAMG. Die Ursache der Bebentätigkeit im Süden der Region ist die horizontale Verschiebung entlang der Mur-Mürztal-Störung, die bewirkt, dass der östliche Krustenteil nach Osten gedrängt wird. Eine markante Tiefenstörung erstreckt sich von Seebenstein über Wiener Neustadt, Ebreichsdorf und Schwadorf nach Marchegg. An den Bruchlinien dieses Störungssystems kommt es durch die kontinuierlichen Verschiebungsraten zu einem Spannungsaufbau, der durch Erdbeben wieder gelöst wird.

Stärkstes Erdbeben im Wiener Becken seit 20 Jahren im März 2021

Das Erdbeben am 30. März war nach Angaben der ZAMG das stärkste in den vergangenen 20 Jahren im Wiener Becken gewesen. Die Magnitude wurde letztlich mit 4,6 angegeben. Dass es keine Schäden gegeben habe, sei "der Herdtiefe zu danken", sagte ein Seismologe. Diese betrug damals zehn Kilometer, am Dienstag um 0.57 Uhr neun Kilometer.

(APA/Red.)

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